Schlechte Konditionen : Coop wirft 50 weitere Nestlé-Artikel aus Regal
Aktualisiert

Schlechte Konditionen Coop wirft 50 weitere Nestlé-Artikel aus Regal

Der Streit zwischen Detailhändlern und Nestlé geht in die nächste Runde. Coop hat bereits über 200 Artikel des Multis verbannt.

von
S. Spaeth
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Coop hat Nestlé zu hohe Einkaufspreise vorgeworfen und hat rund 200 Artikel aus den Regalen verbannt. (Kunden stehen vor einem Kühlregal, aufgenommen im Coop Südpark in Basel am 03. April 2013)

Coop hat Nestlé zu hohe Einkaufspreise vorgeworfen und hat rund 200 Artikel aus den Regalen verbannt. (Kunden stehen vor einem Kühlregal, aufgenommen im Coop Südpark in Basel am 03. April 2013)

Keystone/Christian Beutler
Betroffen waren unter anderem Salatsaucen von Thomy...

Betroffen waren unter anderem Salatsaucen von Thomy...

20 Minuten
.... La Fina von Buitoni...

.... La Fina von Buitoni...

coopathome.ch

Eine Reihe wichtiger Detailhändler Europas sind derzeit nicht gut auf den Schweizer Nahrungsmittelriesen Nestlé zu sprechen. Grund: schlechte Einkaufskonditionen. So jedenfalls tönt es bei Anbietern wie Coop, Edeka aus Deutschland oder Intermarché aus Frankreich. Sie bilden zusammen mit weiteren Händlern die Einkaufsgemeinschaft Agecore. Mitte Februar ist der Streit zwischen Agecore und Nestlé eskaliert: Die Detailhändler verbannten reihenweise Nestlé-Produkte aus den Regalen.

Nun geht der Nestlé-Boykott in die nächste Runde. Weil sich der Nahrungsmittelriese aus Vevey weiter unnachgiebig zeigt, listen Agecore-Mitglieder bald weitere Nestlé-Produkte aus. Laut der «Lebensmittelzeitung» erhalten die deutschen Edeka-Märkte in dieser Woche ein Schreiben, worin «empfohlen» wird, den Bestellstopp auszuweiten. Bislang waren bei Edeka 163 Produkte betroffen, die laut dem Bericht für 20 Prozent des Umsatzes stehen, den Edeka mit Nestlé-Artikel erzielt. Jetzt soll der Bann auf 30 Prozent des Nestlé-Umsatzes verschärft werden.

Agecore kauft für 2 Milliarden bei Nestlé ein

Fliegen also auch bei Coop bald weitere Artikel von Nestlé-Marken oder -Töchtern aus dem Sortiment? «Wir können bestätigen, dass auch bei Coop weitere Produkte bis auf weiteres nicht mehr bestellt werden. Dies betrifft aktuell über 200 Artikel», sagt Mediensprecher Urs Meier zu 20 Minuten. Bei Coop wurden im Februar 150 von 800 Nestlé-Artikel verbannt. Will heissen: In den letzten Wochen hat Coop den Nestlé-Boykott um mehr als 50 Produkte erweitert.

So sind in einzelnen Coop-Filialen laut Beobachtungen viele Thomy-Produkte, Maggi-Würze oder Buitoni-Pizzen nicht mehr im Regal. «Die Verhandlungen zwischen Agecore und Nestlé dauern an und wir können uns zu diesen laufenden Verhandlungen nicht weiter äussern», sagt Meier weiter. Laut Marktkennern ist davon auszugehen, dass Coop die Schraube anzieht und bald weitere Artikel auslistet.

Gibt Nestlé nach, droht weiterer Druck

Beim Streit zwischen Nestlé und den sechs Agecore-Händlern (Coop, Edeka, Intermarché, Colruyt, Conad und Eroski) geht es um viel Geld. Laut der ZKB dürfte Nestlé mit den genannten Supermarktketten einen Umsatz von zwei Milliarden Franken erzielt haben, was 10 Prozent des Europa-Umsatzes entspricht. 30 Prozent potenzieller Umsatzverlust entsprechen einer Einbusse von rund 600 Millionen Franken.

«Dass Nestlé offensichtlich bisher nicht nachgegeben hat, ist verständlich. Es geht in diesem Machtpoker um sehr viel», schreibt ZKB in ihrer Analyse. Gebe Nestlé zu stark nach, dann drohe in Europa nicht nur von Agecore, sondern auch von den anderen Händlerallianzen weiterer Preisdruck. In der Lebensmittelbranche wir der Zoff zwischen Nestlé und Agecore mit Argusaugen beobachtet. Nestlé wollte auf Anfrage von 20 Minuten keinen Kommentar abgeben.

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