Talk mit Coop-Chef Philipp Wyss: «Coop wurde von Deutschen überrannt – wir mussten Aktionen stoppen»

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Talk mit Coop-Chef Philipp Wyss«Coop wurde von Deutschen überrannt – wir mussten Aktionen stoppen»

Spargeln aus dem Ausland sind für viele ein No-go. Coop-Chef Philipp Wyss sagt, warum der Detailhändler nicht darauf verzichten will. Am Mittwoch hat er Fragen der 20-Minuten-Community beantwortet und sich auch zu Alkohol in der Migros geäussert.

von
Fabian Pöschl
Sandro Spaeth

Das Interview mit Coop-Chef Philipp Wyss in voller Länge.

20 Minuten

Darum gehts

  • Die Community konnte Coop-Chef Philipp Wyss Fragen stellen.

  • 20 Minuten besuchte ihn im Rahmen der Reihe «Live aus dem Chefbüro» beim Coop-Hauptsitz in Basel.

  • Die wichtigsten Fragen und Antworten siehst du hier in den Videos.

Preiserhöhungen, Lieferprobleme und das Aus im Russland-Geschäft: Der Ukraine-Krieg stellt Coop vor grosse Herausforderungen. Philipp Wyss, CEO des Detailhändlers, spricht im Talk über die Folgen für die Kundinnen und Kunden.

20 Minuten traf Wyss im 13. Stock des Hauptsitzes von Coop in Basel. Im Rahmen der Reihe «Live aus dem Chefbüro» nahm Wyss Stellung zu den Fragen der 20-Minuten-Community.

Die wichtigsten Fragen und Antworten aus dem Livechat siehst du hier in den Videos:

«Ich kann kein Preisversprechen geben»

Die Getreidepreise haben sich auf dem Weltmarkt seit letztem Juni verdoppelt. Kommt der Preisschub beim Brot? «Die Ernte fürs Brot ist vom letzten Jahr und drei Viertel davon kommen aus der Schweiz. Deshalb sind wir der Kostensteigerung nicht ausgesetzt. Wir wissen aber noch nicht, wie die Ernte wird. Ich kann kein Preisversprechen geben, aber die Preise könnten bei einer guten Ernte auch wieder sinken», sagt Wyss.

«Das Russland-Geschäft ist für Coop nicht bedeutend»

Am Wochenende wurde bekannt, dass die Coop-Tochter Transgourmet ihr Russland-Geschäft verkauft hat. Fürchteten Sie sich vor dem Vorwurf, dass Coop den Krieg Putins mitfinanziert? «Das war überhaupt nicht die Frage. Uns ging es um die Angestellten, die über zwölf Jahre für uns arbeiten. Ich glaube nicht, dass wir unter Druck gekommen wären, weil das Volumen in Russland nicht bedeutend für die Coop-Gruppe ist», sagt Wyss.

«Wir haben immer genug Ware»

Müssen Konsumentinnen und Konsumenten im Coop wegen des Kriegs vermehrt auf ihre Lieblingsprodukte verzichten? «Ich hatte Freude, dass alle grenznahen Verkaufsstellen Sonnenblumenöl wie wild verkaufen, weil alle Deutsche zu uns kommen und Sonnenblumenöl und Mehl kaufen. Wir haben aber immer genug Ware, aber wir mussten gewisse Aktionen, etwa fürs Raps- und Sonnenblumenöl, absagen, damit wir sicher genügend davon haben», so Wyss.

«Die Schweiz könnte im Winter nicht überleben mit unserem Gemüse»

20-Minuten-Leser Peter fragt: «Ist es wirklich ein Kundenbedürfnis, im Februar oder März Spargeln oder wässerige Erdbeeren zu kaufen? Ich finde, das beisst sich mit dem Engagement für mehr Nachhaltigkeit.» Wyss sagt: «Coop setzt einen Grundsatz auf Lebensmittel aus der Schweiz, 75 Prozent kommen aus der Schweiz. Aber es gibt viel zu wenige Erdbeeren und Spargeln in der Schweiz. Deshalb sind wir auf Erdbeeren aus Frankreich und Italien angewiesen. Die Schweiz könnte im Winter nicht überleben mit unserem Gemüse.»

Fürchten Sie die Konkurrenz, wenn auch die Migros Alkohol verkauft?

Leser Renato will wissen: Fürchten Sie sich vor neuer Konkurrenz, wenn die Migros vielleicht bald auch Alkohol verkauft? «Wir haben schon über 100 Jahre Erfahrung mit Weinen und deshalb sicher das kompetenteste Sortiment. Die Konkurrenz belebt den Wettbewerb, wir machen uns unsere Gedanken und sind gefordert, noch besser zu werden», sagt Wyss.

«Prix-Garantie-Produkte kosten gleich viel wie bei den Discountern»

Ernesto will wissen: Warum kostet dasselbe Produkt bei Aldi und Lidl weniger und das Personal verdient auch noch mehr als bei Coop? «Wir haben 1400 Prix-Garantie-Artikel mit der gleichen Qualität und zum gleichen Preis wie bei den Discountern. Einige Hundert Markenartikel sind ebenfalls zum gleichen Preis erhältlich. Wir haben aber viele Vollzeit-Angestellte, das unterscheidet uns sicher von den Discountern», sagt Wyss.

Vom Metzger zum Coop-Chef

Coop-CEO Philipp Wyss blickt auf eine steile Karriere zurück. Er startete mit einer KV-Ausbildung, gefolgt von einer Metzgerlehre, ins Berufsleben und hat es bis ganz nach oben geschafft. Seit 1. Mai 2021 sitzt der Luzerner auf dem Chefsessel bei Coop.

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