05.09.2020 06:11

Todesfälle verhindernCorona-Apps wirken auch bei wenigen Downloads

Bisher glaubte man, dass mindestens 60 Prozent der Bevölkerung Contact-Tracing-Apps nutzen müssen, damit sie wirksam werden. Das stimmt laut einer neuen Studie allerdings nicht.

von
Dominique Zeier
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So sieht die Swiss-Covid-App aus. Sie funktioniert wie folgt: 

So sieht die Swiss-Covid-App aus. Sie funktioniert wie folgt:

KEYSTONE
Die App kann mittels Bluetooth andere Telefone, auf der die App ebenfalls installiert ist, erkennen. 

Die App kann mittels Bluetooth andere Telefone, auf der die App ebenfalls installiert ist, erkennen.

KEYSTONE
Halten sich die beiden Telefone länger als 15 Minuten in weniger als 1,5 Metern Abstand zueinander auf, werden die Daten des jeweils anderen Smartphones gespeichert. 

Halten sich die beiden Telefone länger als 15 Minuten in weniger als 1,5 Metern Abstand zueinander auf, werden die Daten des jeweils anderen Smartphones gespeichert.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Contact-Tracing-Apps können auch schon bei geringen Download-Zahlen helfen.
  • Wird eine solche App nur von 15 Prozent der Bevölkerung genutzt, können bereits über 10 Prozent der Todesfälle verhindert werden.
  • Je mehr Personen solche Apps verwenden, desto mehr steigt diese Prozentzahl.
  • Das zeigt eine neue Studie der Oxford University und Google.

Seit etwas mehr als zwei Monaten gibt es in der Schweiz nun die Swiss-Covid-App. Es handelt sich dabei um die Schweizer Contact-Tracing-App, um Ansteckungsketten zu verfolgen und allfällige weitere Ausbreitungen des Virus zu verhindern. Dass eine solche App nützlich ist, ist in wissenschaftlichen Kreisen unbestritten. Darüber, wie wirksam das Contact-Tracing bei nur geringen Download-Zahlen solcher Apps ist, konnte bisher allerdings nur spekuliert werden.

Lange Zeit hiess es, dass Apps wie die Swiss-Covid-App vor allem dann nützlich seien, wenn mindestens 60 Prozent der Bevölkerung sie aktiviert haben. Wie eine neue Studie der Oxford University in Zusammenarbeit mit Google zeigt, ist dem aber nicht so. Den Forschenden zufolge wirken Contact-Tracing-Apps bereits dann, wenn nur wenige Prozent der Bevölkerung die Applikation nutzen.

Geringe Nutzung hilft auch

Mithilfe von automatischen Simulationen konnten die Wissenschaftler testen, wie sich die Nutzung von Contact-Tracing-Apps von verschiedenen Prozentzahlen der Bevölkerung auf die Ausbreitung des Virus und die Todesraten auswirkt. So konnte beispielsweise festgestellt werden, dass in einer Bevölkerung, in der 75 Prozent eine Corona-App nutzen, rund 78 Prozent aller Todesfälle verhindert werden könnten. Ausserdem käme es zu 81 Prozent weniger Infektionen.

Aber auch schon eine Nutzung von nur 15 Prozent der Bevölkerung zeigt signifikante Resultate. Hierbei könnten 11,8 Prozent der Todesfälle verhindert werden. Darüber hinaus würden sich 15 Prozent weniger mit Covid-19 infizieren.

Zahlen in der Schweiz

Die Swiss-Covid-App hat laut NZZ bis zum 28. August rund 1,52 Millionen Nutzer verzeichnet. Das sind rund 17,3 Prozent der Bevölkerung. Es ist also davon auszugehen, dass etwas mehr als 10 Prozent der Todesfälle in der Schweiz dank dieser Corona-App verhindert worden sind. Wie die Studie aber zeigt, steigt diese Prozentzahl mit einem Anstieg an Nutzern stetig an. Es ist also nach wie vor ratsam, die App herunterzuladen und sie zu aktivieren, damit mehr Todesfälle verhindert und Ansteckungen vermieden werden können.

Die Autoren der Studie hoffen, dass ihre Resultate Klarheit in das Wirrwar an Informationen über Contact-Tracing-Apps bringen können, wie «MIT Technology Review» schreibt. In den letzten Monaten seien viele verschiedene Technologien vorgestellt worden, die im Kampf gegen das Coronavirus helfen sollen, ohne dass wirklich verstanden werde, wie diese Technologien wirken.

Tech-Giganten helfen mit

Contact-Tracing-Methoden – ob digital oder mit Papier und Stift – könnten auch dazu führen, dass weniger häufig Quarantänen verhängt werden und der Rückgang zum normalen Leben und einer normalen Wirtschaft schneller vorgenommen werden kann, so die Wissenschaftler. Dies haben auch Google und Apple erkannt und angekündigt, ihren Teil dazu beitragen zu wollen.

So haben die Tech-Giganten am Dienstag mitgeteilt, dass sie in ihren jeweiligen Betriebssystemen neu eigene Corona-Warnsysteme lancieren. Konkret geht es um ein System, das Google und Apple Exposure Notification Express, also Kontakt-Benachrichtigungs-Express nennen. Dieser ist dazu gedacht, in Regionen zu helfen, in welchen die Behörden keine eigenständige Warn-App lanciert haben. So soll sich die Bevölkerung dennoch besser vor potenziellen Ansteckungen schützen können.

Was ist Contact-Tracing?

Contact-Tracing ist ein Mittel, mit dem die Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie nachverfolgt und verlangsamt werden soll. Das Ziel dieser Strategie ist es, Personen, die mit Infizierten in Kontakt waren, schnellstmöglich zu identifizieren. Während die erkrankten Personen selbst Auskunft darüber geben können, welche Freunde oder Familienmitglieder mit ihnen in Kontakt standen, ist es schwieriger, nachzuvollziehen, mit welchen fremden Personen sie Kontakt hatten.

So ist es ohne Contact-Tracing unmöglich, zu ermitteln, welche Personen sich gleichzeitig mit der erkrankten Person in einem Lebensmittelgeschäft aufhielten, Sport trieben oder in einem Restaurant sassen. Mit digitalem Contact-Tracing sollen aber selbst diese fremden Menschen ermittelt und gewarnt werden können. Sie können in der Folge die notwendigen Massnahmen treffen wie beispielsweise Abstand zu anderen Menschen halten oder sich in Quarantäne begeben. Dies kann dazu beitragen, eine zweite Infektionswelle zu vermeiden oder abzuschwächen.

Die Schweizer Contact-Tracing-App, die Swiss-Covid-App ist im App Store und Play Store zum Download bereit.

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203 Kommentare
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APP-Guru

06.09.2020, 21:28

Ich habe die APP installiert und hoffe das sie etwas taugt. Wenn nicht, na dann halt. Und alle die klagen sie lassen sich sicher nicht überwachen und darum laden sie die App nicht runter, da lache ich nur genüsslich. Die Hälfte von euch postet sowieso regelmässig auf FB, Wazzup e.g. und die anderen können auch lokalisiert werden wenn erwünscht. Mit oder ohne App. Nur wer kein Smartphone hat kann damit auch nicht überwacht werden :-). Gute Nacht u pfusit guet!

Samuel N.

06.09.2020, 20:12

Als ob eine App auch nur ein einziges Leben retten könnte. Und sonst so? Gute Nacht Osterhase...

Gerd Galler

06.09.2020, 18:33

Ja wenn nur eine Person es installiert und dann grad zufällig eine zweite Person in der Nähe ist, dann hat sich die riesige Investition schon gelohnt! Das überzeugt mich total, danke.