Spaziergang kostet 2750 Franken: «Corona-Busse ist nicht fair – ich war allein im Wald»
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Spaziergang kostet 2750 Franken«Corona-Busse ist nicht fair – ich war allein im Wald»

Familienvater S.M. war auf einem Spaziergang statt in Quarantäne. Die Busse von 2750 Franken bringt ihn in finanzielle Schwierigkeiten.

von
Thomas Mathis
Lynn Sachs
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S.M. aus dem Zürcher Unterland muss eine Busse bezahlen, weil es sich nicht an die Quarantäne hielt.

S.M. aus dem Zürcher Unterland muss eine Busse bezahlen, weil es sich nicht an die Quarantäne hielt.

Er war in Quarantäne, weil er in Serbien in den Ferien war.

Er war in Quarantäne, weil er in Serbien in den Ferien war.

Keystone
Laut eigenen Angaben ging er am letzten Tag der Quarantäne für drei Stunden allein im Wald spazieren.

Laut eigenen Angaben ging er am letzten Tag der Quarantäne für drei Stunden allein im Wald spazieren.

Getty Images/ iStockphoto / AVTG

Darum gehts

  • Ein 44-jähriger Familienvater muss eine Busse und Gebühren von insgesamt 2750 Franken bezahlen.
  • Er spazierte allein im Wald, statt sich an die Quarantäne zu halten.
  • Ein Rechtsanwalt sagt, dass die Busse eher hoch angesetzt ist.

Bis zu 10’000 Franken sind bei Corona-Bussen möglich. In Zürich gibt es einen ersten rechtskräftigen Strafbefehl. S.M.* muss mit Gebühren insgesamt 2750 Franken bezahlen, weil er sich nicht an die Quarantäne hielt, sondern auf einen Spaziergang ging. Nun äussert sich der 44-jährige Familienvater aus dem Zürcher Unterland erstmals dazu.

«Ich war mit meiner Ehefrau und meinem Sohn in Serbien in den Ferien», sagt M. Während des Aufenthalts kam Serbien auf die Risikoliste. Deshalb habe er sich nach der Rückkehr umgehend bei den Behörden gemeldet. «Ich wollte alles richtig machen und nahm auch einen Arbeitsausfall in Kauf.» Daraufhin seien er und seine Familie zu Hause geblieben.

Allein im Wald

Die zehntägige Quarantäne schlug der Familie aufs Gemüt. Am letzten Tag seien alle nervös gewesen. «Ich hielt es nicht mehr aus und ging auf einen Spaziergang im Wald – allein.» Nach rund drei Stunden erwartete ihn die Polizei vor der Haustür. «Das ist doch nicht fair. Es war der letzte Tag, und ich hatte keine Symptome.»

Die Busse bereitet ihm nun finanzielle Schwierigkeiten. «Es ist nicht einfach. Ich habe Angst, dass ich jetzt deswegen Schulden machen muss.» Er habe nicht gewusst, wie er sich wehren könne, und den Strafbefehl des Statthalteramts Dielsdorf einfach akzeptiert.

Erleichterungen sind möglich

«Wer unter behördlicher Quarantäne steht, darf nicht aus der Wohnung – auch nicht allein in den Wald», bestätigt Rechtsanwalt Daniel Kettiger. In einem Mehrfamilienhaus seien sogar gemeinsame Räume wie die Waschküche tabu. Doch es sei auch möglich, Erleichterungen der Quarantäne zu beantragen. «Das ist etwa denkbar bei gesundheitlichen Problemen oder ganz kleinen Wohnungen.»

Laut Kettiger ist die Busse mit 2000 Franken aber eher hoch angesetzt, wenn es sich nicht um eine vermögende Person handelt. «Das Gefährdungspotenzial anderer Personen scheint in diesem Fall gering. Zudem ist die Person nicht aufgrund eines konkreten Ansteckungsverdachts in Quarantäne, sondern wegen einer Reise in ein Risikogebiet.» Die Höhe der Busse stehe so nicht im Verhältnis zum Extremfall – wenn etwa eine Person am ersten Tag der Quarantäne arbeiten geht und mit vielen Personen Kontakt hat. Wie Kettiger sagt, wäre die Strafe bei einer Einsprache wohl tiefer ausgefallen.

Gemäss dem «Tages-Anzeiger» haben zwei weitere Zürcher Quarantänebrecher ihre Strafbefehle angefochten. Dort werden die Gerichte einen Entscheid fällen. Im ganzen Kanton sind gemäss dem Artikel erst ein Dutzend Personen verzeigt worden.

* Name der Redaktion bekannt

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