Deutschland: Corona-Chef Lauterbach – «neue Welle ist bereits da»

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DeutschlandCorona-Chef Lauterbach – «neue Welle ist bereits da»

Laut dem deutschen Gesundheitsminister ist die angekündigte Sommerwelle Realität geworden. Andere Experten fordern nun ein entschiedenes Gegensteuern, um einen «Tsunami» an Schwerstkranken zu verhindern. 

von
Benedikt Hollenstein
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Laut dem Gesundheitsminister Karl Lauterbach befindet sich Deutschland bereits in einer neuen Corona-Welle.

Laut dem Gesundheitsminister Karl Lauterbach befindet sich Deutschland bereits in einer neuen Corona-Welle.

AFP
Er rät deshalb älteren und vulnerablen Personen, sich erneut impfen zu lassen, um sich vor schweren Verläufen zu schützen.

Er rät deshalb älteren und vulnerablen Personen, sich erneut impfen zu lassen, um sich vor schweren Verläufen zu schützen.

REUTERS
Der Grüne-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen fordert gar ein neues Infektionsschutzgesetz, damit notfalls die Basis für Corona-Schutzmassnahmen wieder bestehen würde.

Der Grüne-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen fordert gar ein neues Infektionsschutzgesetz, damit notfalls die Basis für Corona-Schutzmassnahmen wieder bestehen würde.

IMAGO/Future Image

Darum gehts

  • Karl Lauterbach rät älteren und vorerkrankten Personen, sich erneut impfen zu lassen.

  • Denn laut dem Gesundheitsminister ist die prognostizierte Sommerwelle bereits hier.

  • Andere Gesundheitsexperten fordern nun ein neues Infektionsschutzgesetz, um notfalls wieder Massnahmen verhängen zu können.

Nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gibt es bereits eine neue Corona-Welle. «Die angekündigte Sommerwelle ist leider Realität geworden», sagte er der «Rheinischen Post». «Das bedeutet auch für die nächsten Wochen wenig Entspannung.» Nach einem zeitweisen Rückgang im Mai schnellen die Infektionszahlen derzeit wieder nach oben. Bei den Grünen und Sozialverbänden wurden Forderungen nach einem neuen, wirksameren Infektionsschutzgesetz laut.

«Sommereffekt verpufft dieses Jahr»

«Weil die aktuelle Virusvariante sehr leicht übertragbar ist und weil fast alle Vorsichtsmassnahmen ausgelaufen sind, verpufft in diesem Jahr der Sommereffekt in der Pandemie», sagte Lauterbach. «Älteren und Vorerkrankten empfehle ich daher dringend, sich nochmal impfen zu lassen. Das verhindert nicht unbedingt eine Infektion, aber es verhindert schwere Krankheitsverläufe», sagte der Minister.

«Man könne die Welle aber nicht wegimpfen», sagte Lauterbach zu RTL/ntv. «Dafür sind die Impfstoffe nicht stark genug.» Er halte eine «vierstellige Inzidenz-Zahl für möglich». Es handele sich zwar nicht um eine Sommerwelle, die «uns den Urlaub verderben muss oder sollte». Allerdings werde dieser Sommer nicht so entspannt, wie der vergangene. Lauterbach empfahl das Tragen von Masken in Innenräumen und eine vierte Impfung für Risikogruppen.

92’000 Fälle innert 24 Stunden

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen pro 100’000 Einwohner stieg am Mittwoch auf 472,4. Das RKI bezifferte am Morgen die Zahl der neuen Corona-Fälle innerhalb von 24 Stunden auf 92’344. Es gab 112 neue Todesfälle. Einen Anstieg gab es auch wieder bei der Zahl der Behandlungen von Corona-Infizierten in Krankenhäusern sowie auf Intensivstationen, wenn auch noch auf deutlich niedrigerem Niveau als in den ersten Monaten des Jahres.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte dem Portal T-online: «Wir müssen jetzt ein neues Infektionsschutzgesetz aushandeln, das die Möglichkeit, also Rechtsgrundlage, für eine Maskenpflicht in Innenräumen, Hygienekonzepte für Veranstaltungen, sowie die Möglichkeit für Testpflichten und Zugangsbeschränkungen bietet, falls die Lage dies im Herbst erfordert.

«Pandemie ist nicht vorbei»

Die dynamische Entwicklung der Varianten BA.4 und BA.5 zeige, dass die Pandemie nicht vorbei sei, sagte Dahmen. Ihm bereite Sorge, dass die Varianten weiterhin sehr infektiös seien und den Immunschutz erneut teilweise umgehen könnten – auch bei Menschen, die bereits an einer Omikron-Variante erkrankt waren. «Das bedeutet, dass insbesondere ältere und vorerkrankte Menschen im Herbst und Winter noch mal schwer erkranken könnten, gerade dann, wenn die letzte Impfung schon weiter zurückliegt.»

Auch die Diakonie rief die Ampel-Koalition dazu auf, das im September auslaufende Infektionsschutzgesetz zu verlängern und zu verschärfen. Dadurch solle verhindert werden, dass es «zu vielen Arbeitsausfällen und vermeidbaren schweren Erkrankungen und Todesfällen kommt», erklärte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie. «Ausserdem müssen Länder und Kommunen bei der Digitalisierung der Gesundheitsämter Nägel mit Köpfen machen und in unseren Nachbarländern erfolgreich eingesetzte Software einführen.»

«Es reicht nicht aus, dass der Bundesgesundheitsminister von einer Sommerwelle redet», sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Nachrichtenagentur AFP. «Damit die steigenden Infektionszahlen sich nicht zu einem Tsunami für Pflegebedürftige und Schwerstkranke entwickeln, muss Karl Lauterbach jetzt gegensteuern.» 

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Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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