Basel-Landschaft - Corona-Fallzahlen in der Primarschule explodieren
Publiziert

Basel-LandschaftCorona-Fallzahlen in der Primarschule explodieren

Im Baselbiet steigt die Infektionskurve der Coronafälle an den Primarschulen dramatisch an. Der Kanton dürfte kein Einzelfall sein. Die fortschreitende Impfung der Erwachsenen soll die Lage entspannen.

von
Lukas Hausendorf
1 / 4
Die gelbe Kurve bildet die Entwicklung der Corona-Fallzahlen an den Baselbieter Primarschulen ab. Im Frühling hat sich das Infektionsgeschehen dort massiv verstärkt.

Die gelbe Kurve bildet die Entwicklung der Corona-Fallzahlen an den Baselbieter Primarschulen ab. Im Frühling hat sich das Infektionsgeschehen dort massiv verstärkt.

Kantonaler Krisenstab BL
In der Baselbieter Gesundheitsdirektion geht man davon aus, dass einerseits die fehlende Maskenpflicht und die Ausbreitung der britischen Virusvariante B.1.1.7 zum starken Anstieg geführt haben. Im Kanton Baselland gilt die Maskenpflicht in Schulen für Kinder ab der fünften Klasse.

In der Baselbieter Gesundheitsdirektion geht man davon aus, dass einerseits die fehlende Maskenpflicht und die Ausbreitung der britischen Virusvariante B.1.1.7 zum starken Anstieg geführt haben. Im Kanton Baselland gilt die Maskenpflicht in Schulen für Kinder ab der fünften Klasse.

Kantonaler Krisenstab BL
Der Unterschied bei den kumulierten Fallzahlen ist frappant. Beim Kanton hofft man nun, dass die fortschreitende Impfung der Erwachsenen auch dazu führt, dass weniger Fälle in die Schule eingeschleppt werden.

Der Unterschied bei den kumulierten Fallzahlen ist frappant. Beim Kanton hofft man nun, dass die fortschreitende Impfung der Erwachsenen auch dazu führt, dass weniger Fälle in die Schule eingeschleppt werden.

Kantonaler Krisenstab BL

«Als ich die Kurve sah, bin ich schon ein wenig erschrocken», sagt Irène Renz, Leiterin der Gesundheitsförderung Baselland. Sie ist mitverantwortlich für die Umsetzung der Schutzkonzepte und die Massentests an den Baselbieter Schulen. Seit den Osterferien beobachtet sie einen starken Anstieg der Fallzahlen an der untersten Schulstufe. Allein in den vergangenen sieben Tagen stieg die Zahl der Covid-19-Infektionen um 57 Fälle oder zehn Prozent in den Primarschulen. Zum Vergleich: An den Gymnasien und Fachmaturitätsschulen lag der Anstieg bei gerade mal zwei Prozent.

Erklären kann Renz diese Entwicklung nur mit Hypothesen. Sie führt zwei wesentliche Gründe ins Feld. Die Schutzmassnahmen auf der untersten Schulstufe sind weniger streng. Die Maskenpflicht im Unterricht gilt im Kanton Baselland erst für Kinder ab der fünften Klasse. «Kleinere Kinder können zudem weniger gut Abstand halten», so Renz. Und der steile Anstieg der Fälle scheint mit der britischen Mutante B.1.1.7 zu korellieren, die seit dem Frühling die dominante Variante in der Schweiz ist und ansteckender ist als der Wildtyp.

Hinzu kommt, dass an den Schulen umfassend getestet wird. Bis runter zum Kindergarten machen die Kinder wöchentliche Spucktests. «Dadurch entdecken wir viele, auch asymptomatische Fälle und können so Infektionsketten unterbrechen», sagt Renz.

Sie hofft nun, dass sich die Lage dank der rasch fortschreitenden Impfung der Kantonsbevölkerung entspannen wird. «Eine hohe Durchimpfung hilft uns auch, weil dann weniger Fälle aus den Familien in die Schule eingeschleppt werden», erklärt Renz.

Taskforce warnt vor Entzündungssyndrom

Das überproportionale Infektionsgeschehen an den Primarschulen ist für die betroffenen Kinder mit Risiken verbunden, selbst wenn sie häufige kaum Symptome aufweisen. Covid-19 kann, zwar nur selten, das schwere Entzündungssyndrom PIMS bei Kindern hervorrufen. Urs Karrer, Vizepräsident der wissenschaftlichen Covid-19-Taskforce, warnte, dass das Coronavirus für Kinder gar gefährlicher sei als eine bakterielle Hirnhautentzündung. Würden etwa 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine Infektion durchmachen, rechne man damit, dass dennoch hunderte Kinder auf der Intensivstation landeten.

«Deshalb ist es aus klinischer und epidemiologischer Perspektive notwendig, auch die Kinder bis zur Impfmöglichkeit vor Covid-Folgen zu schützen», mahnte der Chefarzt der medizinischen Poliklinik Winterthur an der Experten-Pressekonferenz des Bundes am Dienstag.

PIMS

PIMS steht für das Pädiatrisch multisystemische inflammatorische Syndrom, das nach einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 bei Kindern auftritt. Dabei kommt es zu einer Überreaktion des Immunsystems auf das Coronavirus. Es können verschiedene Organe betroffen sein. Die betroffenen Kinder haben tagelang hohes Fieber, häufig begleitet von Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Ausschlägen. Manchmal benötigen die Kinder lebenswichtige Unterstützung auf der Intensivstation. Währen der zweiten Welle wurden auf den Kinder-Intensivstationen der Schweiz vermehrt Fälle von PIMS festgestellt.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Deine Meinung