28.07.2020 19:46

Aerosol-Übertragung

Corona-Gefahr ist im Büro grösser als im Kino

Kinos dürfen nur mit reduziertem Sitzplatzangebot öffnen – wegen der Gefahr einer Corona-Übertragung durch Aerosole. Nun zeigt eine Studie: Im Grossraumbüro kann die Ansteckungsgefahr höher sein.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Das Auftreten des neuartigen Coronavirus hat auch das Kinoerlebnis verändert. (Im Bild: Kinosaal im deutschen Hannover)

Das Auftreten des neuartigen Coronavirus hat auch das Kinoerlebnis verändert. (Im Bild: Kinosaal im deutschen Hannover)

KEYSTONE
Auch hier ist nun – neben anderen Massnahmen – Abstandhalten angesagt. Doch das zahlt sich offenbar aus, wie eine Studie der Technischen Universität Berlin zeigt. Demnach ist die Konzentration von Aerosolen, die bei der Übertragung von Coronaviren eine Rolle spielen, im Kino deutlich geringer als im Büro.

Auch hier ist nun – neben anderen Massnahmen – Abstandhalten angesagt. Doch das zahlt sich offenbar aus, wie eine Studie der Technischen Universität Berlin zeigt. Demnach ist die Konzentration von Aerosolen, die bei der Übertragung von Coronaviren eine Rolle spielen, im Kino deutlich geringer als im Büro.

Screenshot Arena.ch
Dies ist zumindest dann der Fall, wenn im Saal nur geatmet und nicht gesprochen wird. Anders sieht es aus, wenn im Kino geplaudert wird oder mehrere Infizierte Anwesend sind. (Im Bild: Kinosaal in Vor-Coronazeiten)

Dies ist zumindest dann der Fall, wenn im Saal nur geatmet und nicht gesprochen wird. Anders sieht es aus, wenn im Kino geplaudert wird oder mehrere Infizierte Anwesend sind. (Im Bild: Kinosaal in Vor-Coronazeiten)

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • Die Konzentration von Aerosolen, die bei der Übertragung von Coronaviren eine Rolle spielen, ist im Kino deutlich geringer als im Büro.
  • Nur unter bestimmten Umständen ähnelt sich die Infektionsgefahr.
  • Zu diesem Schluss kommt eine Studie aus Deutschland.

Das Risiko, sich über Aerosole mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zu infizieren, ist nicht überall gleich gross, sondern steht und fällt mit den Umständen. Etwa mit der Länge des Aufenthalts, der Art der Raumnutzung und -lüftung, aber auch damit, ob gesprochen oder nur geatmet wird. Denn all das hat Auswirkungen auf die Viruskonzentration in der Luft. Das zeigt einmal mehr eine Studie, wie Heute.at berichtet.

In dieser verglichen Forscher des Hermann-Rietschel-Instituts an der Technischen Universität Berlin das Infektionspotenzial in Kinosälen mit dem in einem Grossraumbüro.

Verschiedene Szenarien durchgespielt

Konkret untersuchten die Wissenschaftler zwei Säle des Kinos Alhambra in Berlin-Wedding, in denen – in normalen Zeiten – maximal 342 und 148 Plätze genutzt werden können. Wegen der Corona-Massnahmen werden diese zurzeit nur mit 85 beziehungsweise 35 Personen besetzt. Das Büro wies insgesamt 16 Plätze auf, von denen jedoch aufgrund des Abstandsgebots derzeit nur 8 genutzt werden können.

Für alle Räumlichkeiten entwarfen die Forscher verschiedene Szenarien. So wurde im Kino geschaut, welchen Unterschied es macht, wie lange ein Film dauert, ob im Saal gesprochen wird oder die Gäste nur atmen. Weiter arbeiteten die Forscher mit unterschiedlichen Zahlen Infizierter. Für die Bürosituation wurde Sprechen berechnet mit einem Infizierten im Raum, wie unter anderem Rbb24.de schreibt.

Luft im Kino ist sauberer

Ergebnis: Im Kino die Klappe halten, lohnt sich. Denn wenn im Saal nur geatmet und nicht gesprochen wird, liegt die Zahl der Aerosole – bei einem angenommenen Infizieren – deutlich unter der im Grossraumbüro, in dem untereinander kommuniziert wird. Auch dann, wenn der Film deutliche Überlänge hat. Anders sieht es aus, wenn im Kino geplaudert wird oder mehrere Infizierte anwesend sind. Dann sei die Infektionsgefahr ähnlich gross wie im Büro mit einem Infizierten, berichten die Forscher.

Im Kino spielt zudem auch die Art der Belüftung eine wichtige Rolle. Berichten zufolge verfügten beide Kinosäle über eine sogenannte Quelllüftung. Damit lag der Frischluftanteil jeweils bei 100 Prozent. Weiterer Vorteil: Die verbrauchte Luft wird durch die Kinobesucher erwärmt, steigt auf und sammelt sich dann unter der Decke. «Die Luft im Atembereich der Personen ist daher sauberer als die Luft bei gleichem Luftwechsel in einem Raum mit Mischlüftung», wie etwa im verglichenen Büro, so Heute.at.

Einschränkungen der Studie

Trotz des deutlichen Ergebnisses: Die Studie ist nicht über jeden Zweifel erhaben, wie deutsche Medien unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur schreiben: «Bei allen Betrachtungen muss beachtet werden, dass die Aerosolkonzentration im unmittelbaren Ausatemvolumenstrom der Person deutlich höher ist und die Betrachtungen für diesen Bereich nicht angewendet werden können.» Zudem sei keine Aussage über die Überlebensfähigkeit der Viren in der Raumluft zulässig, die etwa von Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhänge.

Die Studie wurden im Auftrag des Hauptverbands Deutscher Filmtheater HDF Kino durchgeführt.

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76 Kommentare
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Erich

29.07.2020, 16:56

Ein plus ein gleich zwei, oder? Na warum sollten dann logische Dinge nicht logisch sein?

Zuckerbrot und Peitsche

29.07.2020, 15:45

warum schreiben hier 95 % Arbeiter? Sind nur wir Kaderleute nicht am motzen.

Benjamin Franklin

29.07.2020, 15:41

Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren...