Direktorin des Pritzker-Preises - «Corona hatte mehr Einfluss auf uns als auf die Architektur»
Martha Thorne spricht mit 20 Minuten Lifestyle über ihre Faszination für Architektur und Zukunftswünsche.

Martha Thorne spricht mit 20 Minuten Lifestyle über ihre Faszination für Architektur und Zukunftswünsche.

Martha Thorne
Publiziert

Direktorin des Pritzker-Preises«Corona hatte mehr Einfluss auf uns als auf die Architektur»

Martha Thorne ist Architektin und Direktorin des Pritzker-Preises. Mit uns hat die US-Amerikanerin über die Zukunft des Städtebaus gesprochen – und welchen Einfluss die Pandemie darauf hat.

von
Meret Steiger

Martha Thorne, was fasziniert Sie an Architektur?
Einerseits der Prozess, den Architektinnen und Architekten machen, um Probleme zu erkennen und sie mit Design zu lösen. Die Kombination aus diesem Prozess, technischem Wissen und Vorstellungsvermögen sorgt für wunderbare Ergebnisse. Was mich auch fasziniert, ist, dass Architektur uns alle betrifft. Gute Architektur ist mehr als nur funktional, sie entscheidet, wie wir uns in einem Raum fühlen.

Die Corona-Pandemie hat vieles verändert. Wie hat sie die Architektur beeinflusst?
Die Pandemie hat die Menschen mehr verändert als sie die Architektur verändert hat. Weil wir auf unsere Wohnungen beschränkt waren, ist uns aber bewusst geworden, wie wichtig unser persönlicher Raum ist und wie viel Einfluss er auf unser Wohlbefinden hat. Die Social-Distancing-Massnahmen haben uns ausserdem aufgezeigt, dass öffentliche Räume flexibler sein müssen.

Welche Veränderungen sehen Sie in der Städteplanung, gerade im Zusammenhang mit Corona?
Eine Änderung, auf die ich hoffe, ist, dass die Einteilung von Bauzonen flexibler wird. Normalerweise erlaubt der Städtebau das Bauen bestimmter Gebäude zu einem konkreten Zweck, also Wohnraum, Gewerbe, etc. Während der Pandemie haben wir gemerkt, dass diese Aufteilung den Alltag komplizierter oder manchmal sogar unmöglich macht. Wäre es nicht viel besser, man könnte direkt aus seiner Wohnung in einen Co-Working-Space gehen? Wenn wir alle unsere Bedürfnisse in Laufnähe befriedigen könnten, anstatt jedes Mal zu reisen?

Abgesehen von Corona, was wird die Architektur in Zukunft beschäftigen?
Nachhaltigkeit. Also Häuser, die ressourcenschonend gebaut werden – und danach auch wenig Ressourcen verbrauchen. Ich hoffe, dass bereits existierende Gebäude sinnvoll umgenutzt werden. Nachhaltige Architektur ist wunderschön, inspirierend und dauerhaft.

Gibt es ein Projekt, das Sie gerne umsetzen würden?
Ich bin keine praktizierende Architektin, deswegen denke ich hierbei nicht an ein Häuser- oder Bauprojekt. Da aber vor allem grosse Projekte viel Zusammenarbeit voraussetzen, würde ich gerne Workshops geben. In diesen Workshops sollen sich Architektinnen und Architekten, Städteplanende und Investorinnen und Investoren treffen und voneinander lernen können.

Über Martha Thorne

Martha Thorne

Martha Thorne ist eine US-amerikanische Architektin, Kuratorin, Herausgeberin und Autorin. Sie ist die geschäftsführende Direktorin des Pritzker-Architekturpreises und Dekanin der IE School of Architecture and Design von der IE University, einer Wirtschaftshochschule.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

0 Kommentare