Sperre wegen Nicht-Reise - Corona-Irrsinn in der Premier League – dritter Goalie muss Man City retten
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Sperre wegen Nicht-ReiseCorona-Irrsinn in der Premier League – dritter Goalie muss Man City retten

Zahlreiche südamerikanische Premier-League-Stars fehlen ihren Clubs dieses Wochenende. Entweder weil sie zur Nationalmannschaft gereist sind – oder weil sie es eben nicht sind.

von
Lucas Werder
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Scott Carson kommt zu seinem zweiten Premier-League-Spiel in zwölf Jahren. 

Scott Carson kommt zu seinem zweiten Premier-League-Spiel in zwölf Jahren.

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Ederson fehlt Manchester City wegen einer Sperre.

Ederson fehlt Manchester City wegen einer Sperre.

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Ersatzmann Zack Steffen hat sich während der Länderspielpause mit Corona angesteckt.

Ersatzmann Zack Steffen hat sich während der Länderspielpause mit Corona angesteckt.

Foto: Imago Images / Icon SMI

Darum gehts

  • Die britischen Corona-Massnahmen sorgen für Wirbel in der Premier League.

  • Zahlreiche südamerikanische Spieler fehlen ihren Clubs, obwohl sie das Land gar nicht verlassen haben.

  • Bei Manchester City kommt deswegen der dritte Goalie Scott Carson zu seinem zweiten Einsatz in zwei Jahren.

Geht es um unbeliebteste Rollen innerhalb eines Fussballteams, dürfte die Position des Ersatzgoalies ganz vorn mitmischen. In der Regel sitzt er bei jedem Spiel 90 Minuten auf der Bank, verletzt sich die Nummer 1 nicht, kommt der Stellvertreter, wenn er Glück hat, ab und zu zumindest im Cup mal zum Einsatz.

Noch schlimmer dran ist nur der dritte Goalie, der normalerweise nicht mal im Aufgebot steht. Damit kennt sich Scott Carson bestens aus. Seit Sommer 2019 steht der 36-Jährige bei Manchester City unter Vertrag. Zwar durfte der Engländer ab und zu als Ersatzmann auf die Bank, Spiele hat Carson in über zwei Jahren aber nur ein einziges bestritten.

Zwei Goalies fallen aus

Im letzten Mai, als Manchester City den Meistertitel bereits auf sicher hatte, gewährte Trainer Pep Guardiola seinem dritten Goalie einen Einsatz. Gegen Newcastle kam Carson zu seinem ersten Premier-League-Spiel seit zehn Jahren. Vor seinem Wechsel zu City hatte der ehemalige englische Nationalspieler jahrelang in der Championship, der zweithöchsten englischen Liga, unter Vertrag gestanden.

Am Samstag wird Carson zum zweiten Mal überhaupt das Tor der Citizens hüten. Dieses Mal aber nicht aus Gutmütigkeit seines Trainers Guardiola, sondern weil dem Meister die Torhüter ausgegangen sind! Der eigentliche Ersatzgoalie Zack Steffen fehlt, weil er sich während seines Länderspiel-Einsatzes mit den USA mit Corona infiziert hat.

Brasilien-Spieler gesperrt

Und Stammgoalie Ederson? Der fehlt, weil er eben nicht zur Nationalmannschaft gereist ist. Wegen der Quarantänebestimmungen bei der Rückreise hatten mehrere Premier-League-Clubs beschlossen, ihre brasilianischen Profis nicht für die WM-Quali-Spiele abzustellen – ganz zum Ärger des brasilianischen Verbands.

Dieser hat nun mit Erfolg bei der Fifa beantragt, dass die insgesamt zehn betroffenen Spieler für fünf Tage gesperrt werden. Neben Fred (Manchester United), Alisson, Roberto Firmino und Fabinho (alle Liverpool) sind davon auch die beiden City-Brasilianer Gabriel Jesus und eben Ederson betroffen.

Ausnahme für Everton-Spieler

Nun muss gegen Leicester City also Scott Carson zum zweiten Mal in zwölf Jahren in einem Premier-League-Tor stehen – sofern die Sperre gegen die brasilianischen Spieler tatsächlich aufrechterhalten wird. Keine Sorge machen muss sich dagegen Richarlison von Liga-Konkurrent Everton. Weil ihn sein Club im August freiwillig für die Teilnahme am Olympia-Turnier abgestellt hatte, verzichtet der brasilianische Verband auf eine Sperre-Forderung gegen den Stürmer.

Eigentlich müssten sich doch nun diejenigen Clubs ins Fäustchen lachen, die ihre Spieler zu ihren Nationalmannschaften reisen liessen? Von wegen! Wie Brasilien stehen auch andere südamerikanische Länder auf der roten Liste Grossbritanniens. Das bedeutet, dass alle Profis bei ihrer Rückkehr nach England für zehn Tage in Hotel-Quarantäne müssen.

Tottenham-Spieler trainieren in Kroatien

Bei Tottenham hat man eine besonders kuriose Lösung für dieses Problem gefunden. Die beiden Argentinier Giovani Lo Celso und Cristian Romero sowie der Kolumbianer Davinson Sanchez trainieren aktuell mit einem Trainer in Kroatien. Nach einem zehntägigen Aufenthalt können die drei von dort wieder nach Grossbritannien einreisen – ohne Hotel-Quarantäne.

Am Ende dürften also doch diejenigen Clubs als Gewinner aus dem Corona-Irrsinn hervorgehen, die ihre südamerikanischen Profis in England behalten haben. Auch im Falle einer bestehen bleibenden Sperre von fünf Tagen müssten Manchester City und Co. einige Tage weniger auf ihre Stars verzichten als die Konkurrenz.

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