Von Linksautonomen reingelegt: Corona-kritischer Verein mobilisierte mit erfundenem Schicksal
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Von Linksautonomen reingelegtCorona-kritischer Verein mobilisierte mit erfundenem Schicksal

Der Verein «Mass-voll!» macht mit Testimonials Stimmung gegen die Corona-Massnahmen. Nun ist dieser auf ein unechtes Profil reingefallen.

von
Bettina Zanni
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Die corona-kritische Bewegung «Mass-voll!» postete kürzlich ein Testimonial einer Kritikerin namens Janina.

Die corona-kritische Bewegung «Mass-voll!» postete kürzlich ein Testimonial einer Kritikerin namens Janina.

twitter.com
Doch bei der Person handelt es sich um einen Fake.

Doch bei der Person handelt es sich um einen Fake.

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Der Veren «Mass-voll!»rief Anfang März zum Verschicken von Testimonials auf. 

Der Veren «Mass-voll!»rief Anfang März zum Verschicken von Testimonials auf.

Screenshot/twitter.com

Darum gehts

  • Die Zeitung Megafon der Reitschule Bern schickte der Bewegung «Mass-voll!» ein künstliches Testimonial.

  • Die Bewegung fiel darauf rein.

  • Der Absender wollte testen, ob die zugeschickten Testimonials überprüft werden.

  • Nicolas A. Rimoldi, Co-Präsident von «Mass-voll!» spricht von einer Unachtsamkeit.

Die Psychologiestudentin namens Janina hat kein Verständnis mehr für die Corona-Massnahmen. «Seit einem Suizidversuch einer Freundin ist für mich klar: Die Massnahmen machen krank. Wir wollen wieder leben dürfen!», sagt sie. Das Statement postete die Bewegung «Mass-voll!» kürzlich auf ihrem Twitter-Account.

Dazu schrieb der corona-kritische Verein: «Die Zwangsmassnahmen machen krank. Janina findet, das Mass ist voll! Die Alten müssen vor dem Virus geschützt werden, während die Jungen vor den Zwangsmassnahmen zu schützen sind.» Begleitet wurde der Kommentar von einem User-Aufruf an 15- bis 30-Jährige, entsprechende Testimonials zu senden.

«Frei erfunden»

Doch inzwischen hat sich herausgestellt: Bei Janinas Testimonial soll es sich laut dem Account der linksautonomen Zeitung Megafon der Reitschule Bern um einen Fake handeln. «Janina existiert nicht. Ihr Bild wurde von einem Computer generiert. Ihre Geschichte ist frei erfunden», twitterte Megafon Reitschule Bern.

In einem weiteren Post macht der Account darauf aufmerksam, dass der Verein schon seit Anfang März zum Schicken von Statements aufrufe. Sie hätten sich gefragt, ob die zugeschickten Testimonials, vor allem krasse Geschichten, überprüft würden und deshalb am 5. März einen Selbstversuch gestartet.

«Wir waren zu gutgläubig»

Nicolas A. Rimoldi, Co-Präsident des Vereins, bestätigt, dass es sich um ein unechtes Testimonial handelte. «Da ist uns ein Fehler passiert. Wir waren zu gutgläubig und gingen mit dem E-Mail der vermeintlichen Janina deshalb zu wenig achtsam um», sagt er. Nachdem er vom Fake-Testimonial erfahren habe, habe er den Post sofort entfernt.

Sie hätten aus dem Vorfall gelernt und optimierten ihre Prozesse intern, sagt Rimoldi. Bei dem «Schnitzer» handle es sich jedoch um eine Ausnahme. «Alle anderen Testimonials sind überprüft und wir kennen die Leute persönlich.»

«Angriff auf Kosten des Leids von Angehörigen»

Das Vorgehen der Zeitung bezeichnet Rimoldi als «unglaublich niederträchtig». «Es zeigt, dass die Antifa billige Methoden einem sachlichen und fairen Diskurs vorzieht». Zudem schrecke sie nicht davor zurück, eine Bewegung auf Kosten des Leids von Angehörigen von Suizidopfern anzugreifen. «Das ist unterste Schublade».

An der Zeitung prallen die Vorwürfe ab. Die Redaktion habe interessiert, ob der Verein die Einsendungen überprüfe, sagt Basil Schöni, Redaktionsmitglied von Megafon Reitschule Bern. «Der Verein arbeitete in dieser Sache unsauber und das haben wir publiziert.» Im Zentrum stehe die journalistische Arbeit und nicht ein Angriff auf den Verein.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirche

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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