19.10.2020 16:30

«Plumpe Angstmacherei»Corona-Skeptiker beschimpfen Spital Schwyz wegen Video-Appell

Das Video des Spitals Schwyz mit dem Aufruf, die Corona-Schutzmassnahmen einzuhalten, kommt nicht überall gut an. Auf Social Media gibt es viel Kritik.

von
Martin Messmer

Mit diesem Video richtete sich das Spital an die Bevölkerung.

Spital Schwyz

Darum gehts

  • Die Leitung des Spitals in Schwyz hat in einem Video dazu aufgerufen, unbedingt die Schutzmassnahmen gegen die Corona-Seuche einzuhalten.

  • Dieses Video stösst bei Corona-Skeptikern auf Social Media auf offene Ablehnung.

  • Inzwischen hat Google reagiert und Rezensionen zum Thema offline genommen.

Die Corona-Skeptiker haben es auf das Spital Schwyz abgesehen: Nachdem die Spitalleitung in einem Video-Appell die Bevölkerung dazu aufrief, unbedingt die Corona-Schutzmassnahmen einzuhalten, und betonte, dass Schwyz einen der schlimmsten Ausbrüche europaweit erlebe, hagelte es auf Google negative Rezensionen.

Dieser hier etwa ist noch einer der harmlosen Kommentare: «Tut mir leid, aber politische Propaganda zu betreiben, darf nicht Aufgabe eines Spitals sein.» Andere schrieben: «Propaganda vom Feinsten. Marionetten von BAG und WHO. Schämt euch. Es war ja klar, dass normale Erkältungen als Corona gezählt werden würden.» Oder: «Plumpe Angstmacherei. Schämt euch.» Jemand anderes findet: «Schade, dass ihr euch für Propaganda einspannen lässt. Das liegt wohl an der Langeweile wegen Nicht-Auslastung.» Oder jemand schrieb schlicht: «Es gibt keine Ansteckungen.»

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Auf der Facebook-Seite des Spitals Schwyz gibt es viele negative Kommentare, die sich gegen den Video-Appell der Schwyzer Spitalleitung richten. Mit dem Video will das Spital die Bevölkerung dazu motivieren, die Corona-Schutzmassnahmen einzuhalten.

Auf der Facebook-Seite des Spitals Schwyz gibt es viele negative Kommentare, die sich gegen den Video-Appell der Schwyzer Spitalleitung richten. Mit dem Video will das Spital die Bevölkerung dazu motivieren, die Corona-Schutzmassnahmen einzuhalten.

Screenshot Facebook
Die negativen Kommentare auf Facebook sind in der Mehrheit.

Die negativen Kommentare auf Facebook sind in der Mehrheit.

Screenshot Facebook
Ein Zuger GLP-Politiker postete einen Screenshot von Rezessionen auf Google, die sich ebenfalls gegen das Spital richteten. Inzwischen sind die Rezessionen weg. Ein Aargauer BDP-Politiker hatte dazu aufgerufen, entsprechende Meldungen an Google zu machen.

Ein Zuger GLP-Politiker postete einen Screenshot von Rezessionen auf Google, die sich ebenfalls gegen das Spital richteten. Inzwischen sind die Rezessionen weg. Ein Aargauer BDP-Politiker hatte dazu aufgerufen, entsprechende Meldungen an Google zu machen.

Screenshot Twitter

Politiker wehren sich für das Spital

Auf Twitter stiessen diese negativen Bewertungen auf viel Ablehnung. Stephan Huber, GLP-Fraktionschef im Grossen Gemeinderat Zug, twitterte: «Ich könnte kotzen – selbst wenn ein Spital Alarm schlägt, glauben es diese unfassbaren Holzköpfe nicht. Stattdessen schreibt man negative Bewertungen und versucht, dem Spital so eins auszuwischen.» Der entsprechende Tweet erzielte bis Montagmittag fast 300 «Gefällt mir»-Angaben.

Ein anderer Twitter-User, Thomas Schnorf, Mitglied der Parteileitung der BDP Aargau, setzte sich auf Twitter dafür ein, dass Google die erwähnten Rezessionen löscht, indem er andere User aufforderte, entsprechende Meldungen an Google zu senden. Genau dies hat Google gemacht, 20 Minuten liegen aber Screenshots vor.

Auf der Facebookseite des Spitals sind aber nach wie vor Einträge zu finden. Auch dort gibt es negative Reaktionen auf das Video: «Solange die noch Zeit haben, solche Filmchen zu drehen, kann es nicht so schlimm sein…», schrieb jemand. «Propaganda, Panikmache ohne irgendwelche Fakten, blosse Auflistung von Floskeln, inhaltslose Statements», kommentierte ein anderer. Eine Mehrheit der Kommentare ist negativ. Natürlich aber gibt es auch Lob. Etwa dieses: «Danke für euren täglichen und unermüdlichen Einsatz.»

Spital reagiert gelassen auf die viele Kritik

Beim Spital Schwyz reagiert man gelassen auf die Kritik. «Auf einem Kanal wie Facebook ist es klar, dass es auch negative Kommentare gibt, gerade bei einem solchen Thema wie Corona. Und es ist auch in Ordnung, dass nicht alle unser Video positiv finden», sagt Spital-Sprecherin Nirmala Arthen. Viel wichtiger für das Spital sei aber, «dass unsere Botschaft bei vielen Menschen angekommen ist und sie ihr Verhalten ändern.» Ein Video mit einem solchen Appell würde das Spital Schwyz «jederzeit wieder machen».

244 neue Fälle im Kanton Schwyz

Über das Wochenende sind im Kanton Schwyz neu 244 positiv auf Covid-19 getestete Personen
hinzugekommen, teilten die Behörden am Montag mit. Nach Abzug der Genesenen und Verstorbenen sind im Kanton somit aktuell 800 (Stand am Freitag: 633) positiv auf Covid-19 getestete Personen zu verzeichnen. Eine Frau und ein Mann mit Covid-19 im Alter von 70 und 90 Jahren sind verstorben.

Der Anstieg der Fallzahlen ist über die ganze Schweiz besorgniserregend, heisst es in der Mitteilung. Bereits per Freitag, 16. Oktober 2020, hat der Regierungsrat eine kantonale Verordnung über Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie in Kraft gesetzt. Da das Bundesrecht gegenüber dem kantonalen Recht allerdings vorgeht, müsse die kantonale Verordnung auf die Verordnung des Bundesrates abgestimmt werden. Der Regierungsrat werde am Dienstag deshalb allfällige Anpassungen der kantonalen «Covid-19-Verordnung» beraten.

Der Regierungsrat appelliert an die Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons Schwyz, die Ei-
genverantwortung wahrzunehmen und die geltenden Hygienevorschriften und Abstandsregeln einzuhalten, damit die Herausforderungen dieser Pandemie gemeinsam bewältigt werden kön-
nen.

Die auf die Gemeinden aufgeschlüsselten Zahlen sind unter www.sz.ch/coronavirus abrufbar.

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