21.10.2020 11:32

Luzerner NachtlebenCorona-Massnahmen zwingen Clubs und Konzerthäuser zur Schliessung

Das Konzerthaus Schüür schliesst vorläufig wegen der neuen Schutzmassnahmen zum Coronavirus. Auch andere Lokale überlegen sich eine Schliessung.

von
Gianni Walther
1 / 9
Das Konzerthaus Schüür schliesst wegen der verschärften Coronamassnahmen seine Tore.

Das Konzerthaus Schüür schliesst wegen der verschärften Coronamassnahmen seine Tore.

Schüür
Sektoren zur Unterteilung des Publikums in Gruppen von 100 Personen: So sah es zuletzt in der Schüür aus.

Sektoren zur Unterteilung des Publikums in Gruppen von 100 Personen: So sah es zuletzt in der Schüür aus.

Schüür
Es gab auch getrennte Eingänge für die Sektoren. Damit ist vorerst Schluss: Mit den neuen Regelungen könne nicht genügend Umsatz erwirtschaftet werden. Die Schüür will nun planen, wie es weitergehen soll.

Es gab auch getrennte Eingänge für die Sektoren. Damit ist vorerst Schluss: Mit den neuen Regelungen könne nicht genügend Umsatz erwirtschaftet werden. Die Schüür will nun planen, wie es weitergehen soll.

Schüür

Darum gehts

  • Das Konzerthaus Schüür in Luzern schliesst vorerst.

  • Wegen der neuen Corona-Schutzmassnahmen sei es nicht mehr möglich, genügend gastronomischen Umsatz zu machen.

  • Auch der Rok Klub und die Bar Madeleine schliessen.

  • Weitere Lokale prüfen Schliessungen.

Die neuen Bestimmung des Bundes zur Eindämmung der Corona-Pandemie sehen vor, dass in Clubs und Bars nur noch konsumiert werden darf, wenn man sitzt. Das hat Folgen: «Das Konzerthaus Schüür will und wird wieder öffnen. Und genau deshalb müssen wir es jetzt schliessen», heisst es in einer Medienmitteilung. Grund sind die verschärften Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. «Die neuen Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie sind einerseits leider dringend notwendig, andererseits ist es uns vor allem durch die Sitzpflicht nicht mehr möglich, den für das Haus und für die Finanzierung des Konzertbetriebes benötigten gastronomischen Umsatz zu erwirtschaften», schreiben die Verantwortlichen.

Massnahmen «treffen den Kern eines Clubs»

Bis mindestens Ende Monat «und wohl darüber hinaus» müsse man das Lokal schliessen. Nun müsse eine Auslegeordnung vorgenommen werden und man werde «versuchen, diese Achterbahnfahrt durch diesen Winter zu planen». Ende Monat wollen die Verantwortlichen weiter informieren.

Auch der Rok Klub macht ab sofort wegen der verschärften Massnahmen zu: «Wir schliessen den Rok Klub vorläufig», sagt Piero Achermann, Mitbetreiber des Rok. Man wolle mit der Entscheidung mithelfen, die Situation zu verbessern. Aber: «Wir schliessen auch, weil die verschärften Massnahmen den Kern eines Clubs treffen», so Achermann. Ein Betrieb sei unter diesen Voraussetzungen nicht mehr sinnvoll. Schliessen wird laut Achermann auch die Bar Madeleine, bei der Achermann Mitinhaber ist. «Wir werden schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, den Betrieb aufrecht zu halten, um gewisse Events oder Konzerte trotzdem durchführen zu können.»

Auch der Klub Kegelbahn bleibt vorerst geschlossen, wie auf dessen Facebookseite zu lesen ist. Im Jugendkulturzentrum Treibhaus hat man alle Partys bis Ende Jahr abgesagt, andere Veranstaltungen finden noch statt. Partys gibts auch im Casineum keine mehr: Dort hatte man bereits im September Tanzveranstaltungen, Partys und Shows mit internationalen Künstlern bis Ende Jahr abgesagt. «Ausgewählte kulturelle Events» wie Konzerte finden weiterhin statt, wie es auf der Casineum-Webseite heisst – mit maximal 100 Personen.

Princesse ist seit Lockdown geschlossen

Im Vegas Dance Club ist eine Schliessung kein Thema: «Auch mit den neuen Rahmenbedingungen haben wir das Glück, dass wir 400 attraktive Sitzplätze bieten können, wo Gäste immer noch in gewisser Normalität aber unter Einhaltung der Schutzmassnahmen eine sichere aber amüsante Partynacht verbringen können», sagt Betreiber Philipp Waldis auf Anfrage. Und: «Wir merken jetzt gerade aufgrund der neuen Massnahme, dass Nachfrage nach Sitzlounges steigt.» Auch die Lounge & Gallery in Zug, die Waldis ebenfalls betreibt, bleibt weiterhin geöffnet. Weitermachen will auch das Musikzentrum Sedel, die Bar wird in den Garten gezügelt und es gibt Tischservice. Aber auch dort sei mit Mehrkosten und sinkenden Umsätzen zu rechnen. Trotzdem machen die Sedel-verantwortlichen weiter: «Die Kultur-Flamme muss – auch wenn nur noch ganz klein – weiterbrennen», heisst es in einer Mitteilung. Und im Südpol soll diese Woche entschieden werden, wie es weitergeht.

Auch der Neubad Klub macht dicht: «Mit den aktuellen Massnahmen sind wir leider nicht in der Lage, unseren Kulturbetrieb aufrecht zu erhalten. In dieser Situation bleibt uns leider nichts anderes übrig, als den Klub ab sofort und auf unbestimmte Zeit zu schliessen», schreibt das Neubad auf Facebook.

Gar nicht mehr geöffnet seit dem Lockdown im März hatte der Princesse Club. «Wir wollten nach dem Lockdown wieder öffnen», sagt Betreiber Milos Kant. Doch eine Unterteilung des Clubs in Sektoren zu je 100 Personen sei mit zu grossem Aufwand verbunden gewesen und der Verlust bei einer kleinen Teilöffnung wäre finanziell ein sehr schneller Ruin. Wir mussten uns entscheiden mit welcher Variante wir länger überleben und haben uns entschieden abzuwarten bis sich die Situation mit Corona etwas normalisiert. Mit den neuerlichen Verschärfungen sei eine Eröffnung des Princesse wieder weiter in die Ferne gerückt. «Wir machen uns grosse Sorgen», sagt Kant dazu.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.