Britische Mutante: Corona-Mutante B.1.1.7 ist deutlich tödlicher als Ursprungsvirus
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Britische MutanteCorona-Mutante B.1.1.7 ist deutlich tödlicher als Ursprungsvirus

Die zuerst in Grossbritannien entdeckte Corona-Mutante B.1.1.7 ist nicht nur ansteckender, sondern auch tödlicher als frühere Varianten des Virus – um mehr als 60 Prozent.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • Bereits im Januar 2021 äusserten britische Behörden die Vermutung, die Mutante B.1.1.7 könnte nicht nur ansteckender, sondern auch tödlicher sein.

  • Nun zeigt eine Studie: Es ist so.

  • Demnach ist die Corona-Mutante um 64 Prozent tödlicher.

Die Befürchtungen von Fachleuten (siehe Video oben) haben sich bestätigt: Die Corona-Mutante B.1.1.7, die sich auch in der Schweiz immer weiter ausbreitet und bislang 4393 Mal nachgewiesen wurde, ist nicht nur ansteckender, sondern tatsächlich erheblich tödlicher als frühere Corona-Varianten.

Das berichten Forschende um Robert Challen von der University of Exeter im «British Medical Journal»: Demnach ist das Risiko zu sterben bei der Mutante um 64 Prozent erhöht.

Infizierte im Direktvergleich

Challens Team analysierte für die Studie die Daten von knapp 110’000 Menschen, bei denen zwischen Oktober 2020 bis Januar 2021 eine Coronavirus-Infektion bei einer Massentestung per PCR-Test nachgewiesen worden war. Die Betroffenen waren zwischen 30 und 60 Jahre alt und wiesen bei der Feststellung der Infektion keine schweren Symptome auf. Auch hospitalisiert waren sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Weiter bildeten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Paare, von denen je eine Person mit der als bedenklich eingestuften B.1.1.7-Mutante und die andere mit einer herkömmlichen Coronavirus-Variante infiziert war. Weitere Kriterien für die Zusammenstellung der Paare: Sie mussten sich in Bezug auf Alter, sozioökonomischen Status, Erkrankungszeitpunkt und Wohnort ähneln.

Berücksichtigt wurde dabei auch, dass die Spitäler in Grossbritannien zu diesem Zeitpunkt besonders gefordert waren und nicht allen Patienten die optimale Behandlung zukommen lassen konnten.

«Eine erhebliche zusätzliche Sterblichkeit»

Ergebnis: Von jenen, die mit einer herkömmlichen Sars-CoV-2-Variante zu kämpfen hatten, starben in einem Zeitraum von vier Wochen nach der Diagnose 2,4 von 1000 Personen. Bei denen, die mit der Mutante B.1.1.7 infiziert waren, waren es 4,1 von 1000 Betroffenen. Das Risiko, an den Folgen der Infektion zu sterben, ist um etwa 64 Prozent gestiegen, so die Forschenden.

Sollten die Studienergebnisse auch auf andere Bevölkerungsgruppen übertragbar sein, bedeute dies, dass B.1.1.7 das Potenzial habe, «eine erhebliche zusätzliche Sterblichkeit im Vergleich zu bereits zirkulierenden Varianten zu verursachen», schreiben die Autoren. Wie sich das Risiko für Hochrisikopatienten und -patientinnen verändert, kann diese Studie allerdings nicht beantworten.

Experten zeigen sich besorgt

Laut dem Mikrobiologen Simon Clarke von der University of Reading zeigten die höhere Übertragbarkeit und die nun festgestellte höhere Sterblichkeit, dass «diese Variante eine erhebliche Herausforderung für das Gesundheitssystem und politische Entscheidungsträger» sei. Umso wichtiger seien die Impfungen, zitiert ihn die Nachrichtenagentur AFP. Er empfiehlt, dass «sich die Menschen impfen lassen, wenn sie aufgerufen werden». Schon vor Wochen plädierte er gemäss NYTimes.com dafür, die neuen Erkenntnisse bei den Überlegungen zum Lockern der Massnahmen zu berücksichtigen: «Das muss berücksichtigt werden.»

Clarke ist mit seiner Besorgnis nicht allein: Auch Michael Head von der University of Southampton betont, die Studienergebnisse verdeutlichten die Gefahr, die von einer starken Ausbreitung des Virus ausgehe. «Je mehr Covid-19 es gibt, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass eine neue besorgniserregende Variante auftritt», sagte er. Wahrscheinlicher sei dann auch die Entstehung von Mutanten, gegen welche die bestehenden Impfstoffe nicht wirkten.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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