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Hohe FolgekostenCorona-Patienten können bei der Zusatzversicherung leer ausgehen

Wer an Covid-19 erkrankt, kann von der Krankenkasse benachteiligt werden. Wegen unabschätzbarer Folgekosten für die Versicherer droht den Patienten eine Ablehnung der Zusatzversicherung.

von
Fabian Pöschl
Barbara Scherer
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Nach einer Corona-Erkrankung sind lang andauernde gesundheitliche Probleme möglich.

Nach einer Corona-Erkrankung sind lang andauernde gesundheitliche Probleme möglich.

Pexels.com/Ivan Samkov
Die Krankenkassen fürchten sich offenbar vor den Langzeitkosten wegen Corona.

Die Krankenkassen fürchten sich offenbar vor den Langzeitkosten wegen Corona.

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Deshalb würde eine Krankenkasse in Deutschland nun Zusatzversicherung für Corona-Patienten ablehnen.

Deshalb würde eine Krankenkasse in Deutschland nun Zusatzversicherung für Corona-Patienten ablehnen.

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Darum gehts

  • Krankenkassen können die Zusatzversicherung wegen Corona-Spätfolgen ablehnen.

  • Denn die Versicherungen fürchten sich vor unabschätzbaren Folgekosten.

  • Die Krankenkassen wollen so das finanzielle Risiko der Pandemie unter Kontrolle bekommen.

Kurzatmigkeit, Müdigkeit und Kopfschmerzen: Wer eine Corona-Erkrankung überstanden hat, kann an Spätfolgen leiden. Ganz geklärt sind die Covid-Langzeitfolgen noch nicht. Laut Corona-Taskforce sind andauernde gesundheitliche Probleme aber möglich.

Vor Langzeitschäden dürften sich auch die Krankenkassen fürchten, denn die Kosten wären kaum abschätzbar. Deshalb könnten Krankenkassen Zusatzversicherungen wegen Corona-Spätfolgen verweigern, wie der Krankenkassenverband Santésuisse auf Anfrage bestätigt.

Eine Frage der Zeit

Noch sei kein solcher Fall bekannt, heisst es vonseiten des Verbands weiter. «Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis das passiert», sagt Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly von Comparis. Wer neu eine Zusatzversicherung abschliessen will, müsse damit rechnen, wegen Corona-Spätfolgen abgelehnt zu werden.

Denn alle Neukunden müssen eine Gesundheitsdeklaration ausfüllen. Die Krankenkasse kann aufgrund von dieser entscheiden, ob eine Person in die Zusatzversicherung aufgenommen wird oder nicht. Neu wird Covid-19 wie jede andere Erkrankung dafür berücksichtigt.

Die CSS bestätigt das. Dabei müsse der Einzelfall beurteilt werden. Bei Personen mit Folgeerkrankungen könne der Antrag auf eine Zusatzversicherung zudem verschoben und zu einem späteren Zeitpunkt neu ausgewertet werden, heisst es bei der Helsana.

Theoretisch können bestehende Zusatzversicherungen aufgrund von Corona-Spätfolgen auch gekündigt werden. Denn unter Einhaltung der Kündigungsfrist kann die Versicherung jederzeit und ohne Grund von beiden Parteien gekündigt werden.

Auch dürfen Krankenkassen Zusatzversicherungen nach einem grösseren Schaden auflösen. Verliert beispielsweise jemand viele Zähne durch schlechte Pflege, muss die Kasse für diese Kosten aufkommen. Danach kann sie dem Versicherten die Zahnversicherung kündigen. Das gleiche Prinzip könnte bei Corona-Spätfolgen angewandt werden.

Laut Schneuwly verzichten die Krankenzusatzversicherer aber aufgrund einer Vereinbarung freiwillig auf dieses Kündigungsrecht. Würde es trotzdem zu einem Ausschluss aus der Zusatzversicherung kommen, wäre das aber nicht weiter tragisch: «Was medizinisch nötig ist, ist in der Grundversicherung abgedeckt.» Patienten mit Zusatzversicherungen hätten auch keine Vorteile bei der Behandlung im Spital.

Gesetzesänderung steht an

2022 tritt eine neue Gesetzesgrundlage in Kraft. Dann können nur noch die Versicherungsnehmer grundlos kündigen. Krankenkassen dürfen eine Zusatzversicherung nur noch auflösen, wenn eine Vertragsverletzung nachgewiesen werden kann. Eine Kündigung wegen Corona-Spätfolgen ist ab nächstem Jahr also nicht mehr möglich.

Prämien würden unberechenbar

Werden Neukunden für Zusatzversicherungen abgelehnt, steckt laut Gesundheitsökonom Willy Oggier kein böser Wille dahinter. «Versicherer versuchen so, das finanzielle Risiko der Pandemie unter Kontrolle zu bringen.» Ansonst würden die Prämienkosten unberechenbar.

Eine weitere Möglichkeit sei es, neue Kunden mit Vorbehalt in die Zusatzversicherung aufzunehmen: «Das heisst, die Kosten, die durch die Corona-Spätfolgen entstehen, werden von der Zusatzversicherung nicht abgedeckt», erklärt Oggier.

Das sind die Unterschiede bei der Krankenversicherung

  • Obligatorisch

Die Grundversicherung ist in der Schweiz obligatorisch. Die Leistungen, die von der Versicherung übernommen werden müssen, sind gesetzlich vorgeschrieben und bei allen Krankenkassen gleich. Jede Person muss in die Grundversicherung vorbehaltslos aufgenommen werden – ohne Gesundheitscheck.

  • Freiwillig

Zusatzversicherungen sind freiwillig. Die Versicherer verlangen dafür das Ausfüllen eines Gesundheitsfragebogens und müssen niemanden aufnehmen. Die Zusatzversicherung kann unabhängig von der Grundversicherung gewechselt werden. Gewisse Zusatzversicherungen haben eine mehrjährige Mindestlaufzeit und eine Kündigungsfrist von sechs Monaten.

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596 Kommentare
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Sutherland

05.01.2021, 20:25

Kann man die heutigen Presseerzeugnisse überhaupt noch ernst nehmen? Auch das wär eine Frage ...

Hysterie

05.01.2021, 18:59

Alle Geimpften werden, sollte Langzeitfolgen möglich sein, auch keine Zusatzversicherung mehr finden. Willkommen im Zeitalter Hysterie.

Wohl noch auf dem Silbertablett

05.01.2021, 17:17

Des Schweizers höchstes Gut ist sich im Alter pflegen zu lassen. Was genau ist da falsch gelaufen. Irgendwie haben wir einen komischen Weg eingeschlagen.