02.04.2020 19:59

Spätfolgen

Corona-Patienten ringen nach Genesung nach Luft

Bei manchen Genesenen entdeckten Forscher milchglasartige Trübungen in den Lungen. Ein Zeichen für dauerhafte Organschäden?

von
Fee Riebeling

Covid-19-Patienten wollen zunächst einmal die Krankheit nur überstehen, am besten ohne auf der Intensivstation künstlich beatmet zu werden und ums Überleben kämpfen zu müssen. Danach, so die Hoffnung, sei alles wieder gut. Doch möglicherweise ist dann nicht alles wieder beim Alten. Darauf deuten Berichte aus China hin.

So haben etwa Ärzte aus Hongkong bei einigen ihrer Patienten nach Abklingen der Infektion eine «um etwa 20 bis 30 Prozent verminderte Lungenfunktion» beobachtet, wie die «South China Morning Post» Owen Tsang Tak-yin, den medizinischen Direktor des Zentrums für Infektionskrankheiten am Princess Margaret Hospital, zitiert. Zudem keuchten die Betroffenen, wenn sie etwas schneller gehen. Auch wurde mittels Computertomografie (CT) eine milchglasartige Trübung in den Lungen festgestellt.

Diese Beobachtungen decken sich mit Erkenntnissen aus Wuhan. Dort hatten Ärzte bereits im Februar in einer Studie von Trübungen auf der Lunge berichtet. Ihnen zufolge könnte das auf einen möglicherweise irreversiblen Organschaden hindeuten.

Entzündete Lunge

Die Trübungen der Lunge im CT haben auch Schweizer Mediziner beobachtet. Vor allem bei schwer Erkrankten, aber auch bei wenig symptomatischen Covid-19-Patienten werden diese entdeckt, erklärt Malcolm Kohler, Direktor der Klinik für Pneumologie am Universitätsspital Zürich (USZ). «Aber das ist etwas, das wir auch von anderen durch Viren ausgelösten Lungenentzündungen kennen.»

Die fleckenförmigen Veränderungen sprechen dafür, dass eine Entzündung in den Lungenbläschen (Alveolen) vorhanden sei und sich in ihnen Flüssigkeit angesammelt habe. Dazu passten auch die von seinen chinesischen Kollegen beschriebenen Symptome der Patienten, so Kohler: Die Sauerstoffaufnahme geschehe über die Lunge, «aber wenn Alveolen mit Sekret verlegt sind und eine Entzündung im Lungengerüst bestehe, ist die Sauerstoffaufnahme gestört, was zu einer tiefen Sauerstoffsättigung und zu Kurzatmigkeit führt.» Daher würden Covid-19-Patienten mit tiefer Sauerstoffsättigung im Blut stationär behandelt, da ein schwerer Verlauf zu erwarten sei.

Studie beantragt, um sicherzugehen

Anders als die chinesischen Forscher rechnen Mediziner in der Schweiz nicht damit, dass die beschriebenen Probleme bei vielen Patienten bestehen bleiben. Zwar könne es bei Patienten, die aufgrund eines akuten Lungenversagens beatmet werden müssen, zu sogenannten fibrotischen Veränderungen – Narben – in der Lunge kommen, «aber auch da gehe ich davon aus, dass sich das geschädigte Gewebe weitgehend erholt», so Kohler. Allerdings könne das bis zu einem Jahr dauern.

Dieser Meinung ist auch Lars C. Huber, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie und Chefarzt Klinik Innere Medizin am Stadtspital Triemli: «Bei denjenigen Patienten, welche sich von einer durch Covid-19 verursachten Lungenentzündung erholt haben und als genesen gelten, kann davon ausgegangen werden, dass sich die Veränderungen in der Lunge komplett und ohne Spätfolgen zurückbilden.»

Genaue Daten zum Langzeitverlauf existierten allerdings noch nicht. Deshalb hat die Klinik für Pneumologie des USZ eine Studie beantragt, um bereits aus dem Spital entlassene Covid-19-Patienten weiter begleiten und ihren Gesundheitszustand dokumentieren zu können.

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