Projekt «Impfdruck» – Corona-Skeptiker bespitzeln Impfaktionen an Schulen
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Projekt «Impfdruck»Corona-Skeptiker bespitzeln Impfaktionen an Schulen

Mit dem Projekt «Impfdruck» wollen Gegner der Corona-Impfung nach eigenen Aussagen das verbrecherische Vorgehen bei der Impfkampagne an Schulen dokumentieren. Die Hobby-Detektive haben bereits mehrere Polizeieinsätze verursacht.

von
Benedikt Hollenstein
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Die Impfaktion an diversen Schweizer Schulen wird offenbar von Corona-Skeptikern und -Skeptikerinnen genauestens beobachtet.

Die Impfaktion an diversen Schweizer Schulen wird offenbar von Corona-Skeptikern und -Skeptikerinnen genauestens beobachtet.

Tamedia/Marc Dahinden
Gemäss einer Aufzeichnung, die dem «Sonntagsblick» vorliegt, erfassen die Impf-Gegner und -Gegnerinnen akribisch beteiligte Personen, Fahrzeuge und Firmen. (Symbolbild)

Gemäss einer Aufzeichnung, die dem «Sonntagsblick» vorliegt, erfassen die Impf-Gegner und -Gegnerinnen akribisch beteiligte Personen, Fahrzeuge und Firmen. (Symbolbild)

imago images/Sabine Gudath
In Burgdorf versuchten die Teilnehmenden der Aktion «Impfdruck» auch, in ein Schulhaus einzudringen, woraufhin die Polizei verständigt wurde.

In Burgdorf versuchten die Teilnehmenden der Aktion «Impfdruck» auch, in ein Schulhaus einzudringen, woraufhin die Polizei verständigt wurde.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Gemäss dem «Sonntagsblick» beobachtet und protokolliert eine Gruppe von Impfgegnern und -gegnerinnen die Impfkampagne an den Schulen.

  • Die Dokumentationen wollen sie später für eine «juristische Aufarbeitung der Taten» verwenden.

  • Einige Kantone setzen auf dem Schulgelände mittlerweile Security-Personal ein.

«Kurz vor neun Uhr: Das Impfteam fährt mit einem grauen Auto der Marke Skoda vor. Es handelt sich um einen Mietwagen der Firma X*. Aus dem Auto wird mutmasslich eine Kühlkiste entladen, die vermutlich den Impfstoff enthält.» Was nach einem Skript für einen Spionage-Thriller anmutet, sind in Wahrheit Protokolle über die Impfkampagne an Schulen, die von Corona-Skeptikern und -Skeptikerinnen erstellt wurden.

Skeptiker spielen Geheimagenten

Dem «Sonntagsblick» liegt eine solche Aufzeichnung vor. Sie umfasst zehn Seiten und beschreibt die Impfaktion am Gymnasium in Burgdorf von 17. September 2021. Für die Dokumentation haben die Verantwortlichen hinter der Aktion «Impfdruck» die Namen aller beteiligten Personen erfasst und Autos und das Personal abfotografiert. «Gemäss dem Schild hinter der Windschutzscheibe wird vermutet, dass es sich beim vermeintlichen Impfteam um Angestellte des Spitals Y.* handelt», lässt sich im Bericht der Freizeit-Detektive zum Beispiel lesen.

Da die Corona-Skeptiker und -Skeptikerinnen auch versuchten, ins Schulhaus einzudringen, verständigten die Verantwortlichen des Burgdorfer Gymnasiums die Polizei. «Bedroht fühlten wir uns durch die Impfskeptiker nicht. Hingegen ist es unsere Aufgabe, einen geordneten Schulbetrieb aufrechtzuerhalten», wie die Prorektorin Sylvia Klöti gegenüber dem «Sonntagsblick» sagte.

Einschüchterung oder Datensammlung?

Die Drahtzieherinnen und Drahtzieher hinter der Aktion «Impfdruck» lassen sich nicht klar identifizieren. Es gibt aber Hinweise, dass es sich um Mitglieder des Vereins «Familientaskforce» handelt. In einer Telegram-Gruppe schiessen die Corona-Skeptiker und -Skeptikerinnen gegen die Impfung und teilen Verschwörungstheorien. Auch wenn sich die Amateur-Geheimdienstler mit ihrer Überwachungsaktion wohl nicht strafbar machen, ist fraglich, inwiefern die Aktion tatsächlich zur Datensammlung dient, oder ob sie doch eher einschüchternd wirken soll.

Per E-Mail rechtfertigt sich der Verein «Familientaskforce» für die Bespitzelung. «Wir sind weniger geheim als die komplette Liste der Inhaltsstoffe einer Impfung.» Deshalb habe man sich auch das Motto «Finger weg von unseren Kindern» auf die Fahne geschrieben. Da es an Schulen immer wieder zu Kundgebungen von Impfgegnerinnen und Impfgegnern kam, setzen mittlerweile einige Kantone Security-Personal auf dem Schulgelände ein. Bisher gab es aber keine Zwischenfälle.

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