Radikalisierung im Internet: Corona-Extremist setzt auf Facebook Kopfgeld auf Berset aus
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Radikalisierung im InternetCorona-Extremist setzt auf Facebook Kopfgeld auf Berset aus

Über Social Media startet I.H. einen Spendenaufruf zur Tötung von Alain Berset. Das Geld wolle er demjenigen überweisen, der den Bundesrat «zur Strecke bringt».

von
Daniel Krähenbühl
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Bereits in der Vergangenheit musste das Bundesamt für Polizei (Fedpol) bei Drohungen gegen Gesundheitsminister Alain Berset reagieren.

Bereits in der Vergangenheit musste das Bundesamt für Polizei (Fedpol) bei Drohungen gegen Gesundheitsminister Alain Berset reagieren.

20min / Michael Scherrer
«Du bist aber schon ein bisschen krank im Kopf», antwortet ein User auf den Post.

«Du bist aber schon ein bisschen krank im Kopf», antwortet ein User auf den Post.

Screenshot Facebook
«Ich hoffe wirklich, dass die Polizei diese Möchtegern-Widerstandskämpfer im Auge behält», sagt der News-Scout (27), dem der Facebook-Post am Mittwochmorgen aufgefallen ist.

«Ich hoffe wirklich, dass die Polizei diese Möchtegern-Widerstandskämpfer im Auge behält», sagt der News-Scout (27), dem der Facebook-Post am Mittwochmorgen aufgefallen ist.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Corona-Extremist I.H. ruft auf Facebook dazu auf, Gesundheitsminister Alain Berset «zu beseitigen».

  • Laut einem Leser stelle der Mann immer wieder grenzüberschreitende Beiträge ins Internet.

  • In den sozialen Medien ist der Hass im Corona-Jahr 2020 explodiert. Das zeigen auch Zahlen von Facebook selbst.

«Ich werde ein Spendenkonto einrichten und jeder Rappen, der darauf eingezahlt wird, gehört demjenigen, der Berset – wie auch immer – zur Strecke bringt, respektive beseitigt»: In einem Facebook-Post setzt Corona-Extremist I.H.* ein Kopfgeld auf Bundesrat Alain Berset aus. «Ist schon ironisch gemeint, aber trotzdem mein voller Ernst», fügt er am Schluss des Beitrags hinzu. Kurze Zeit später löscht er den Post – eventuell auch aufgrund der Reaktionen, die er darauf erhalten hat: «Du bisch scho chli chrank ide Birre», erwidert ein Facebook-User.

«Ich hoffe wirklich, dass die Polizei diese Möchtegern-Widerstandskämpfer im Auge behält», sagt der News-Scout (27), dem der Facebook-Post am Mittwochmorgen aufgefallen ist. Dass I.H. zum Mord aufrufe, sei «sehr heftig», schockiere ihn jedoch nicht. «Die Stimmung hat gekippt, mittlerweile äussern sich viel mehr Leute extrem wütend und aufgebracht.»

Mehr Hasskommentare im Netz

Anne-Florence Débois vom Bundesamt für Polizei (Fedpol) teilt auf Anfrage mit, dass das Fedpol bereits in mehreren Dutzend Fällen aktiv geworden sei. «Sei es mit Grenzziehungsbriefen, Gefährderansprachen oder Strafanzeige an die Bundesanwaltschaft.» Wie bei anderen Themen, die in der Öffentlichkeit stark polarisieren, stell man auch bei Corona fest, dass exponierte Stellen oder Personen des Bundes vermehrt Unmutsbekundungen und Drohungen erhielten.

Zu einzelnen Fällen äussere man sich aber nicht. «Unabhängig von der Plattform, auf welcher die Posts publiziert werden, steht aus polizeilicher Sicht die Identifizierung des Urhebers im Zentrum», sagt Débois. Dafür arbeite das Fedpol nach Möglichkeit mit den Social-Media-Anbietern zusammen.

Bereits in der Vergangenheit musste das Bundesamt für Polizei (Fedpol) bei Drohungen gegen Bundesrat Alain Berset einschreiten und sprach Verwarnungen aus. Dass die Corona-Pandemie Hate Speech in den sozialen Medien allgemein befeuert, sagt Sophie Achermann vom Projekt «Stop Hate Speech»: «In der Krise hat online eine Extremisierung stattgefunden.» Das zeigen auch Zahlen von Facebook selbst: Das Unternehmen hat alleine im letzten Quartal 2020 öfter aufgrund von Hate Speech interveniert als im ganzen Jahr 2019. Grund für die Explosion von Hasskommentaren ist laut Fachleuten der fehlende soziale Kontakt: Weil wir kaum mehr andere treffen, fehlten echte Diskussionen und somit ein Ventil im täglichen Austausch.

*Eine Anfrage von 20 Minuten liess I.H. bisher unbeantwortet. Name der Redaktion bekannt.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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