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Sogar während SchliessungCorona sorgt für Schlittel-Ansturm in den Bergen

Dieses Jahr tummeln sich aussergewöhnlich viele Schlittler in den Schweizer Skigebieten. Sogar als die Bahnen in vielen Kantonen stillstanden, marschierten sie auf eigene Faust die Schlittelwege hoch.

von
Joel Probst
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«Wir haben sicher mehr Schlittler auf unseren Schlittelwegen als vor Corona», sagt Jungfraubahnen-Sprecherin Kathrin Naegeli.

«Wir haben sicher mehr Schlittler auf unseren Schlittelwegen als vor Corona», sagt Jungfraubahnen-Sprecherin Kathrin Naegeli.

© Jungfraubahnen
Auch die Rhätische Bahn stellen einen Ansturm auf den Schlittelzug von Bergün nach Preda fest.

Auch die Rhätische Bahn stellen einen Ansturm auf den Schlittelzug von Bergün nach Preda fest.

Ch.Sonderegger CH-9424 Rheineck
«Es sind gefühlt mehr Schlittler unterwegs als in anderen Jahren», sagt RhB-Sprecher Simon Rageth auf Anfrage.

«Es sind gefühlt mehr Schlittler unterwegs als in anderen Jahren», sagt RhB-Sprecher Simon Rageth auf Anfrage.

Rhätische Bahn

Darum gehts

  • Dieses Jahr sind ungewöhnlich viel Schlittler in Schweizer Skigebieten unterwegs.

  • «Wir haben auf den Skipisten massiv weniger Gäste. Auf den Schlittelwegen zählen wir hingegen mehr Schlittler», sagt etwa der Geschäftsführer der Sportbahnen Melchsee-Frutt.

  • Am Atzmännig marschierten die Schlittler, als die Bahnen stillstanden, sogar auf eigene Faust die Schlittelwege hoch.

Als «Gemetzel» bezeichnet ein Schlittler die Szenen, die er kürzlich auf dem Schlittelweg eines Schweizer Skigebiets erlebte: Während die Skipisten kaum befahren gewesen seien, habe sich eine Heerschar von Schlittlern im Schnee vergnügt. «Ein Schlitten flitzte sogar herrenlos den Hang hinunter und verfehlte einen anderen Schlittler nur um ein Haar.»

Weniger Glück hatte ein 58-Jähriger Berner, der an Neujahr im Wallis schlittelte. Er flog laut der Walliser Kantonspolizei aus noch ungeklärten Gründen auf der Schlittelpiste oberhalb von Bürchen auf der «Eischmatte» aus einer Rechtskurve und verletzte sich dabei schwer. Der Berner musste mit einem Rettungshelikopter ins Spital geflogen werden.

Weniger Skifahrer – mehr Schlittler

Dass sich dieses Jahr Schlittelunfälle häufen, kann derzeit weder die Rega noch der Branchenverband Seilbahnen Schweiz bestätigen. Weil insgesamt weniger Wintersportler unterwegs seien, ereigneten sich eher weniger Unfälle. Klar ist aber: Es tummeln sich mehr Schlittler in den Schweizer Skigebieten als noch vor Corona.

«Wir haben auf den Skipisten massiv weniger Gäste», sagt etwa der Geschäftsführer der Sportbahnen Melchsee-Frutt, Daniel Dommann. «Auf den Schlittelwegen zählen wir hingegen mehr Schlittler.» Am Sonntag vermieteten die Bergbahnen wegen der Kapazitätsbeschränkungen bereits ab 10.30 Uhr keine Schlitten mehr.

Viele Schlittler reisen laut Dommann aus dem Mittelland an: «Sie suchen nach einer Beschäftigung, weil alles andere geschlossen ist.» Bei den Schlittlern handle es sich vorwiegend um Familien oder kleine Gruppen. Dommann betont aber, dass man trotz des Ansturms nicht mehr Schlittelunfälle als üblich verzeichne.

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«Schlittler hätten Ferien sonst im Ausland verbracht»

Auch die Rhätische Bahn stellt einen Ansturm auf den Schlittelzug von Bergün nach Preda fest: «Es sind gefühlt mehr Schlittler unterwegs als in anderen Jahren», sagt RhB-Sprecher Simon Rageth auf Anfrage. Besonders am 27. Dezember und am vergangenen Samstag sei der Schlittelzug stark besetzt gewesen. «Viele der Reisenden sind Tagesausflügler.»

Die Jungfraubahnen spüren den Schlittel-Boom ebenfalls stark: «Wir haben sicher mehr Schlittler auf unseren Schlittelwegen als vor Corona», sagt Sprecherin Kathrin Naegeli. Das zeige sich besonders an der hohen Auslastung des Zugs, der die Schlittler von der Zwischenstation wieder hoch bringt. «Es handelt sich vor allem um Familien und junge Erwachsene, welche die Winterferien ohne Corona wohl eher im Ausland verbracht hätten», vermutet Naegeli.

Trotz Schliessung des Skigebiets geschlittelt

Am Atzmännig liessen sich die Schlittler nicht einmal von der temporären Schliessung der Skigebiete durch den Bundesrat beirren. «Unsere Bahnen standen zwar still, aber die Schlittler kamen trotzdem», sagt Geschäftsführer Roger Meier. An jedem Tag hätten sich zwischen 150 bis 200 Schlittler am schneebedeckten Hang getummelt.

«Sie marschierten auf eigene Faust die unpräparierte Schlittelpiste hinauf und schlittelten den Hang hinunter», so Meier. Der Drang, im Schnee etwas zu unternehmen, sei riesig gewesen. Doch dabei ereignete sich der bislang einzige Unfall der Saison im kleinen Skigebiet: «Ein Schlittler ist in eine stehende Person gefahren.» Da wegen der Schliessung der Skigebiete kein Pistenrettungsdienst vor Ort war, musste der Krankenwagen kommen.

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94 Kommentare
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Neverever

05.01.2021, 19:26

bei unfällen einfach keine hilfe leisten sollen selber schauen wie und wo sie ein arzt finden.

unfälle

04.01.2021, 08:44

und noch mehr Unfälle!

Maskenpflichtaufheben

04.01.2021, 08:35

Schlitteln und Skifahren sind kaum Hotspots von Corona. Dann schon eher Apres-Ski (sind geschlossen) aber sicher der ÖV. Nur da wird genau nichts unternommen.