Basel: Corona treibt die Menschen vermehrt in die Sucht
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BaselCorona treibt die Menschen vermehrt in die Sucht

Seit dem ersten Lockdown haben sich die Anfragen bei der Abteilung Sucht des Basler Gesundheitsdepartements fast verdoppelt. Meist handle es sich um Alkohol- oder Cannabiskonsum.

von
Alexia Mohanadas
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Wie das Gesundheitsdepartement Basel schreibt, haben sich die Anfragen bei der Abteilung Sucht seit dem letzten Lockdown beinahe verdoppelt.

Wie das Gesundheitsdepartement Basel schreibt, haben sich die Anfragen bei der Abteilung Sucht seit dem letzten Lockdown beinahe verdoppelt.

Le matin
Meist handle es sich bei den Problemen um Alkohol- oder Cannabiskonsum.

Meist handle es sich bei den Problemen um Alkohol- oder Cannabiskonsum.

«Die Corona-Situation bringt vielfältige psychische, soziale und ökonomische Belastungen mit sich. Menschen neigen in Stresssituationen dazu, bekannte Strategien oder Muster zur Stressreduktion zu nutzen», so Steinauer, Leiter Abteilung Sucht.

«Die Corona-Situation bringt vielfältige psychische, soziale und ökonomische Belastungen mit sich. Menschen neigen in Stresssituationen dazu, bekannte Strategien oder Muster zur Stressreduktion zu nutzen», so Steinauer, Leiter Abteilung Sucht.

Thomas Egli

Darum gehts

  • Die Anfragen bei der Abteilung Sucht in Basel, haben sich seit dem letzten Lockdown fast verdoppelt.

  • Meistens handelt es sich um Alkohol- oder Cannabiskonsum.

  • Der Suchtmittelkonsum trage während der Pandemie kurzfristig zur Stressreduktion und einem Ausgleich des emotionalen Haushalts bei.

Viel Zeit allein zu Hause, Langeweile, finanzielle Unsicherheit, Stress mit der Kinderbetreuung und gleichzeitig Homeoffice. Die Corona-Krise hat das Leben aller Menschen in kürzester Zeit verändert. Laut dem Basler Gesundheitsdepartement haben mit einer Verzögerung von etwa vier Monaten ab dem ersten Lockdown die Anmeldungen auf der Abteilung Sucht zugenommen. Meistens handle es sich dabei um den Alkohol- oder Cannabiskonsum.

Regine Steinauer, Leiterin der Abteilung Sucht in Basel, nennt 20 Minuten ein Beispiel einer Studentin, die durch den Fernunterricht die Tagesstruktur verloren hat. Der jungen Frau fehlen die Kontakte zu Freunden und die soziale Kontrolle. Deshalb haben sich bei ihr bestehende Nervosität und Schlafprobleme verstärkt. Um Ruhe zu finden greift die Studentin nun vermehrt zu Cannabis und Schlafmedikamenten. Nach ein par Wochen merkte sie, dass es ohne diese Mittel nicht mehr ging.

Suchtmittel zur Stressreduktion

«Die Corona-Situation bringt vielfältige psychische, soziale und ökonomische Belastungen mit sich. Menschen neigen in Stresssituationen dazu, bekannte Strategien oder Muster zur Stressreduktion zu nutzen», so Steinauer. Der Suchtmittelkonsum trage somit kurzfristig zur Stressreduktion und einem Ausgleich des emotionalen Haushalts bei. Suchtbetroffene und deren Angehörige kennen diese Gefahren und suchen daher vermehrt Unterstützung.

Bei Jugendlichen kommen noch spezifische Problem dazu. Dabei gehe es um emotionale Schwierigkeiten, familiäre und sozioökonomische Risikofaktoren und den fehlenden Peer-Kontakt.

Unterschied zwischen Mann und Frau

Weiter sagt Steinauer, dass vom Konsum von Alkohol deutlich mehr Männer betroffen sind, während die Einnahme von Medikamenten bei Frauen deutlich höher liegt. Die Suchterkrankung zeige sich aber bei jedem Mensch unterschiedlich. «Je nach Persönlichkeit, Umfeld, Verfügbarkeit, der Substanz und der Eigenschaft der Substanz selber wirkt sich das unterschiedlich auf das Konsumverhalten aus», so Steinauer.

Grösstes Problem ist Tabak

Schweizweit wird eine deutliche Zunahme von Anfragen für Suchprobleme festgestellt. Aus Public Health Perspektive stellt nach wie vor Tabak das grösste Problem dar. Der Tabakkonsum hat sich bei vielen täglich Rauchenden während der Pandemie noch verstärkt. «Aus Sicht der Suchtberatung und Suchtbehandlung stellt unverändert Alkohol die Hauptproblemsubstanz für die meisten Menschen dar, die Unterstützung suchen», sagt Steinauer.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit Alkohol?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

MyDrinkControl, Selbsttest

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Informationen und Substanzwarnungen

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