US-Experte: «Corona wird der Grabstein für Trumps Präsidentschaft sein»
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US-Experte«Corona wird der Grabstein für Trumps Präsidentschaft sein»

«Donald Trump hat das Coronavirus besiegt» – so lautet die PR-Botschaft des Weissen Hauses und des US-Präsidenten nach dessen Entlassung aus dem Spital. Laut US-Experten Stephan Bierling entlarvt sich Trump damit selbst.

von
Ann Guenter

Darum gehts

  • Der an Covid-19 erkrankte US-Präsident ist zurück im Weissen Haus.
  • Dies, obwohl Donald Trumps Ärzte keine Entwarnung geben und er noch ansteckend sein dürfte.
  • Der Politologe Stephan Bierling bezeichnet das Verhalten Trumps als «schon fast kriminell».
  • Der politische Nutzen dieser PR-Botschaft der Stärke dürfte gering sein.

Der an Covid-19 erkrankte US-Präsident Donald Trump hat sich nach einer dreitägigen Krankenhausbehandlung ins Weisse Haus zurückbringen lassen. Trump inszenierte seine Rückkehr ins Weisse Haus als Demonstration von Stärke: Er stieg die Treppe zum Balkon seiner Residenz hoch, nahm dort die Gesichtsmaske ab und salutierte dem Piloten seines abfliegenden Helikopters. Danach nahm der Präsident ein Video auf, in dem er seine Landsleute aufrief, keine Angst vor dem Virus zu haben.

Tatsächlich dürfte Trump noch ansteckend sein und müsste nach Vorgaben von Gesundheitsbehörden die Maske tragen, um Personen in seiner Nähe zu schützen. Er nahm sie aber ab, während Kameraleute des Weissen Hauses in seiner Nähe waren. «Aus medizinischer Sicht ist das Verhalten des US-Präsidenten schon fast kriminell», sagt Politologe und US-Experte Stephan Bierling von der Universität Regensburg zu 20 Minuten. «Dass er gleich auch noch die Maske abnimmt, ist bodenlos.»

Trump will Wahlkampf wieder aufnehmen

Immerhin handle es sich hier um eine heimtückische Krankheit, deren Verlauf auch für die Besten schwer voraussagbar sei. «Trump verhält sich fahrlässig und gefährdet seine Familie, seine Mitarbeiter, Ärzte und Pflegepersonal. So entlarvt ihn sein Egoismus selbst», sagt Bierling und fügt an: «Corona wird der Grabstein auf seiner Präsidentschaft sein.»

Offensichtlich stellt der US-Präsident knapp einen Monat vor den US-Präsidentschaftswahlen folgende Kernbotschaft an die Wähler über alle Risiken und Gefahren: Trump hat das Virus besiegt. Ob diese Strategie politisch verfängt, bezweifelt Experte Bierling: Trump könne zum jetzigen Zeitpunkt kaum mehr neue Wähler mobilisieren, aller PR-Botschaften zum Trotz.

Trump kündigte am Montagabend auf Twitter an, er werde seinen wegen der Erkrankung ausgesetzten Wahlkampf bald wieder aufnehmen. Er plane auch weiterhin, an der zweiten TV-Debatte mit Herausforderer Joe Biden am 15. Oktober teilzunehmen, sagte ein Sprecher von Trumps Wahlkampfteam dem TV-Sender Fox News.

Debatte hinter Plexiglas

Auf Kurs ist auch die Debatte des stellvertretenden Präsidenten Mike Pence mit Bidens Vizekandidatin Kamala Harris am Mittwochabend in Salt Lake City im Bundesstaat Utah. Pence und Harris sollen dabei laut Medienberichten von einer Plexiglasscheibe getrennt werden.

Biden appellierte bei einem Auftritt am Montagabend an seine Landsleute, Masken in der Öffentlichkeit zu tragen. «Es sollte als patriotische Pflicht betrachtet werden», weil man damit seine Mitbürger schütze, betonte er.

Das US-Wahljahr wird von der Corona-Pandemie überschattet. Bisher starben in den Vereinigten Staaten mehr als 210’000 Menschen nach einer Corona-Infektion.

C.H. Beck

Buchtipp

«America First. Donald Trump im Weissen Haus. Eine Bilanz»

Wer an einer fundierten Bilanz der Ära Trump interessiert ist, dem sei das bei C.H. Beck erschienene Buch «America First. Donald Trump im Weissen Haus. Eine Bilanz» von Politologe Stephan Bierling empfohlen. Bierling gilt als einer der angesehensten deutschen USA-Kenner. Sein Buch ging innert weniger Wochen in die 2. Auflage und ist derzeit auf der «Spiegel»-Bestsellerliste zu finden.

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