Medienkonferenz zum CoronavirusDas sagt der Bundesrat zu den neuen Corona-Massnahmen

Die Covid-Situation in der Schweiz verschlimmert sich weiter. Am Mittwoch will der Bundesrat die neuen Corona-Massnahmen vorstellen.

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Mittwoch, 28.10.2020

Schnelltest und Quarantäne

Er kommt auf den Schnelltest zu sprechen :

Momentan seien 30'000 PCR-Tests verfügbar in der Schweiz, mit den Schnelltests kommen 50'000 Tests dazu. «Diese Schnelltests werden auch von Fachpersonen in den Testzentren durchgeführt», sagt Berset.

Auch die Quarantäne für Reisende wird angepasst: «Die Schweiz ist jetzt ein Hotspot auf europäischem Gebiet», so Berset. Momentan liege man weit über der als problematisch betrachteten Inzidenz von 60. Neu gelte für die Reisequarantäne darum ein Schwellenwert der Schweiz + 60. «Das betrifft momentan beispielsweise Belgien.» Die Reproduktionszahl der Schweiz sei momentan bei rund 1.7. «Diese Reproduktionszahl müssen wir halbieren – das geht nur mit einschneidenden Massnahmen.»

Nun ergreift Alain Berset das Wort. Er betont, dass nun einschneidende Massnahmen folgen müssen, um die Corona-Ansteckungen zu senken und die Pandemie unter Kontrolle zu halten. Das Signalement der BAG-Plakate wechselten daher nun auch auf rot.

Man habe die Corona-Massnahmen in Absprache mit den Kantonen getroffen. «Weder gesundheitlich noch wirtschaftlich wollen wir Schäden davontragen», sagt Berset.

Zu den Massnahmen sagt er, dass es weiterhin möglich sei, sich im privaten Bereich zu treffen – jedoch müsse man aufpassen. «Im privaten Bereich kommt es zu ganz vielen Ansteckungen.» In Restaurants und Bars.

Das Kontakt-Tracing müsse weiterhin lückenlos durchgeführt werden. «Leider kommt das aber immer noch vor», sagt Berset. «Man kann aber nicht in ein Restaurant gehen und Essen, ohne seine Kontaktdaten anzugeben. Das geht einfach nicht mehr.»

Die Kantone dürfen natürlich auch weiterhin strengere Massnahmen ergreifen, die vom Bund getroffenen Entscheide sind als Mindestmass zu verstehen. «Die Massnahmen sind einschneidend, aber unabdingbar», so Berset. Das soziale und gesellschaftliche Leben werde eingeschränkt. Trotzdem seien sie nötig. Die Auswirkungen werde man in den nächsten Tagen und Wochen laufend beobachten.

Beginn der Medienkonferenz

Die Bundesräte haben sich im Pressesaal eingefunden, Bundesratssprecher Simonazzi eröffnet die Medienkonferenz und gibt das Wort an Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga weiter. «Wir haben keine Zeit zu verlieren», so Sommaruga. Die Corona-Massnahmen gelten darum ab Mitternacht. Mit den Massnahmen will man Verhindern, dass es zu einem zweiten Lockdown kommt.

«Wir alle möchten, dass die Schweiz diese Krise meistert – und zwar gemeinsam», sagt Sommaruga – und wiederholt den Satz auf alle Landessprachen - sogar Rumantsch. Kein Kanton dürfe die Regeln auflockern, sie dürften aber strengere Massnahmen anordnen.

Die Massnahmen betrifft diejenige Orte, wo Ansteckungen stattfinden, weil sich Menschen nahe sind. Das Ziel der Massnahmen sei klar: Mit weniger Kontakten bringe man die Zahl der Ansteckungen weiter - und somit auch Spitaleintritte.

Das politische Leben soll aber nicht eingeschränkt werden. Die Folgen für die Beschäftigten und Wirtschaft soll abgefedert werden. «Die Situation ist für niemanden leicht», sagt Sommaruga. «Wir wollen alle ein möglichst normales Leben führen, die Ungewissheit belastet uns.» Je schneller man die Verbreitung des Virus eindämmt, desto schneller könne man zurück zum Alltag zurückkehren.

Entscheide des Bundesrats

Folgende Massnahmen hat der Bundesrat ergriffen, um die Ausbreitung des Coronavirus in der Schweiz einzudämmen:

  • Discos und Tanzlokale werden geschlossen.

  • Bars und Restaurant müssen um 23 Uhr schliessen. In Restaurants und Bars dürfen höchstens vier Personen an einem Tisch sitzen, ausgenommen sind Familien mit Kindern.

  • Alle Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen sowie sportliche und kulturelle Freizeitaktivitäten mit mehr als 15 Personen sind untersagt. Ausgenommen sind Parlaments- und Gemeindeversammlungen. Auch Demonstrationen und Unterschriftensammlungen sind mit Schutzvorkehrungen weiterhin erlaubt.

  • Die Anzahl Personen für Veranstaltungen im Familien- und Freundeskreis im privaten Raum wird auf 10 beschränkt.

  • Kontaktsport ist verboten. Im professionellen Bereich von Sport und Kultur sind Trainings und Wettkämpfe sowie Proben und Auftritte zulässig. Ausnahmen gibt es auch für unter 16-Jährige.

  • Verbot von Präsenzunterricht an Hochschulen (ab 2. November).

  • Ausweitung der Maskenpflicht: Neu muss auch in den Aussenbereichen von Einrichtungen und Betrieben eine Maske getragen werden. Eine Maskenpflicht gilt auch in belebten Fussgängerbereichen und überall dort, wo der erforderliche Abstand im öffentlichen Raum nicht eingehalten werden kann.

  • Auch in Schulen ab Sekundarstufe II gilt neu eine Maskenpflicht. Ebenso gilt eine

  • Maskenpflicht am Arbeitsplatz, es sei denn der Abstand zwischen den Arbeitsplätzen kann eingehalten werden (z.B. Einzelbüros).

Zudem hat der Bundesrat einen neuen Schwellenwert für die Reisequarantäne definiert. Nur noch Staaten, deren Inzidenz um mehr als 60 höher ist als die der Schweiz kommen auf die Quarantäneliste. Die Massnahmen gelten ab Donnerstag, 29. Oktober, und sind nicht befristet.

Wie soeben bekannt wurde, findet die Medienkonferenz zu den Corona-Massnahmen um 16.15 Uhr statt.

Folgende Personen nehmen teil:

  • Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (UVEK)

  • Bundesrat Alain Berset (EDI)

  • Bundesrat Guy Parmelin (WBF)

  • Bundesratssprecher André Simonazzi

Bundesratssprecher André Simonazzi hat in der momentan laufenden Medienkonferenz von Bundesrat Guy Parmelin angekündigt, dass sich die Pressekonferenz zu den Corona-Massnahmen weiter verschiebt. Die Besprechung der Bundesräte sei noch nicht ganz abgeschlossen, die Medienkonferenz dazu soll um 16.00 Uhr stattfinden.

Auch auf Social Media wird der Beginn der Pressekonferenz mit Spannung erwartet.

Medienkonferenz am Mittwoch

Am Mittwoch meldete das BAG 8616 Covid-19-Fälle – bei einer Positivitätsrate von 28 Prozent. Die Zahlen sind in den letzten Wochen immer weiter gestiegen. Nun will der Bundesrat heute weitere Massnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie vorstellen.

Dienstag, 27.10.2020

Das war die Medienkonferenz zum Coronavirus

Hier noch einmal die wichtigsten Punkte zur Medienkonferenz:

  • «Wir sind jetzt am selben Punkt wie Mitte März, als der Lockdown beschlossen wurde», sagt Virginie Masserey vom BAG.

  • Anders als im März beträgt der Rückgang der Mobilität der Schweizer Bevölkerung nur rund 25 Prozent. Zu wenig, um die Zahl der Infektionen abzusenken.

  • Spitäler sind dabei, mehr Platz zu schaffen. Auf den Intensivstationen droht eine Überlastung in 15 Tagen.

  • Wichtig: selbst der Ausbau von Kapazitäten bringt nur wenige Stunden bis Tage Aufschub. Ohne radikale Reduzierung der Infektionszahlen geht es laut Covid-Taskforce nicht.

  • Die Härtefall-Klausel zur Unterstützung besonders betroffener Branchen soll auf 1. Februar eingeführt werden. Eine Beschleunigung des Verfahrens gestaltet sich schwierig, weil gesetzliche Vorgaben eingehalten werden müssen.

  • Das schon länger überlastete Contact Tracing hat seinen Fokus verschoben und versucht nun, grosse Cluster einzudämmen. Infizierte sind angehalten, ihre Kontaktpersonen selber zu informieren.

Das war die letzte Frage, damit ist die Medienkonferenz beendet.

Was passiert, wenn die aktuellen Massnahmen nicht reichen?

«Ich kann aktuell nichts über allfällige weitere Etappen sagen», sagt Masserey. Im Moment sei es besonders wichtig, dass die Bevölkerung sich an die aktuell geltenden Massnahmen halte.

Braucht es in der zweiten Welle auch ein zweites Massnahmenpaket für die Wirtschaft?

«Das hängt vom Ausmass der wirtschaftlichen Folgen ab», sagt Sturm. «Wir haben im Frühling mehr gemacht, von da her gibt es da noch Spielraum. Der Bundesrat wird in den nächsten Tagen darüber beraten.»

Boris Zürcher vom Seco sieht keinen Bedarf für zusätzliche Massnahmen.

Ist das Gesundheitssystem schon in 10 Tagen überlastet? Werden bald Patienten abgewiesen?

«Wir haben maximal 1400 Betten auf der Intensivstation. Die reichen, wenn die Vervielfachung der Intensivpatienten so weiter geht, noch für 10 Tage», sagt Stettbacher. «Flächendeckend wäre eine Triage von Patienten (also, wer behandelt werden kann und wer nicht), etwa in 14 Tagen möglich. Lokal könnte es schon vorher Engpässe geben.»

«Zum Glück haben einige Kantone bereits Massnahmen getroffen», ergänzt Ackermann. «Wir hoffen, dass die Schweiz bald nachzieht.»

Thomas Steffen wirft ein: «Wir müssen jetzt Massnahmen umsetzen. Es ist fünf vor zwölf

Braucht die Schweiz mehr Tests pro Tag?

«Ja, die Schweiz testet wenig», sagt Ackermann. «Aktuell sind wir bei einer Positivität von über 20 Prozent, Ziel wären 5 Prozent. Dann verpasst man wenig bis keine Infektionen.»

Wie schlägt sich das verfügbare Personal in der Anzahl der freien Betten nieder?

«Die freien Betten, die wir melden, sind immer nur die, die auch mit Mitarbeitern betreut werden können», sagt Stettbacher. «Das Personal hat kundgetan, dass es müde ist und überlastet. Es ist wichtig, dass der Lastenausgleich geschehen kann.»

Es gab in den letzten Tagen Aufrufe, dass beispielsweise kürzlich pensioniertes Gesundheitspersonal wieder in den Dienst eintritt. Dies mit Erfolg. Zudem werden nicht dringende Operationen derzeit verschoben.

Zürcher ergänzt: «Es wäre möglich, die Wochenarbeitszeit zu erhöhen. Das geschieht aber nur in Absprache mit den Sozialpartnern.»

Ist eine Maskenpflicht für Kinder denkbar?

«Wir haben vorgeschlagen, dass Kinder unter 12 am Platz in der Schule keine Maske tragen», sagt Ackermann. «Wir hoffen, dass das gehört wird. Aber wir werden das immer wieder neu evaluieren.»

Was tut der Bund in Bezug auf die normale Grippe-Impfung, die bereits ausgegangen ist?

«Es gibt Verzögerungen bei der Lieferung», so Masserey. «Wir stehen mit den Produzenten im Kontakt, weitere Impfdosen anzuschaffen.» Auch in Bezug auf eine Coronavirus-Impfung stehe man mit verschiedenen Konzernen im Kontakt. Dies, weil noch unklar ist, welche Impfstoffe am Ende am vielversprechenden ist.

Haben wir die Möglichkeit, ohne Lockdown unsere Mobilität einzuschränken?

«Die Mobilität ist ein Indikator, wo wir sehr schnell Resultate sehen», so Ackermann. «Wenn wir sehen wollen, ob die Massnahmen greifen, können wir die Mobilität als Hinweis nehmen.» Im März habe man eine rasche Mobilitäts-Reduktion gesehen, die aktuell aber ausbleibt.

Wie hoch ist das Arbeitslosigkeit-Risiko in der Schweiz?

«Wir sehen die zweite Welle bei den Insolvenzzahlungen, bei den Konkursen und bei der Arbeitslosigkeit nicht. Wir befinden uns sogar unter den guten Werten von letztem Jahr», so Zürcher. «Die Furcht vor einer Konkurswelle ist sicher noch nicht begründet.» Meldungen der Kantone über Massenentlassungen bleiben beim Seco ebenfalls aus.

«Es ist aber richtig, dass die Situation in den nächsten Monaten schwieriger sein wird», sagt Zürcher. «Und wir gehen davon aus, dass mehr Firmen in Schwierigkeiten geraten werden.»

Sind Schulschliessungen ein Thema?

Der Coronavirus-Taskforce sei es ein Anliegen, die Schulen und Kindergärten offen zu behalten, sagt Ackermann.

Ist die Containment-Strategie der Schweiz gescheitert?

«Die Containment-Strategie ist erschöpft. Wir müsse jetzt flächendeckende Massnahmen einführen», so Ackermann. «Wir sind an einem Ort, wo wir stark eingreifen müssen.» Dies insbesondere auch, weil sich die Massnahmen immer erst nach 10 Tagen zeigen.

«Wir sind immer noch auf der 2. Stufe unserer Strategie», ergänzt Masserey. «Es geht jetzt darum, alles zu tun, dass wir nicht auf die 3. Stufe erhöhen müssen. Dort geht es dann nur noch um die massive Eindämmungen.»