25.09.2020 05:00

Coronakrise? Ich flieg dann mal nach Kambodscha

Die Reisebranche liegt am Boden. Kaum einer bereist noch die Welt. Stephan Roemer, Inhaber der Reiseanbieter Tourasia und Diethelm Travel machte den Test: Wie ist es, trotz Covid-19 nach Kambodscha zu reisen?

von
Martin Hoch
25.9.2020

«Im Flugzeug von Zürich nach Singapur waren wir 18 Fluggäste.» Diese Aussage von Reisespezialist Stephan Roemer sagt viel über die momentane Situation, in der die Tourismusbranche steckt, aus. «An die Maske gewöhnt man sich im Flugzeug aber schnell.» Die müsse man während des ganzen Fernfluges tragen. Für die Schweizer Touristikfachzeitschrift Travel Inside bloggte er während der Reise von unterwegs und bot den Lesern damit spannende Einblicke. Zurück in Zürich haben wir mit ihm gesprochen.

An Bord der Flugzeuge herrschte Maskenpflicht. Eine Massnahme, die in der aktuellen Zeit zum Reisen dazugehört. Man gewöhne sich daran, meint Stephan Roemer.
Stephan Roemer unterwegs nach Kambodscha

An Bord der Flugzeuge herrschte Maskenpflicht. Eine Massnahme, die in der aktuellen Zeit zum Reisen dazugehört. Man gewöhne sich daran, meint Stephan Roemer.

Stephan Roemer
Um nach Phnom Penh zu gelangen, flog er via Singapur. Alternativ gäbe es die Route via Südkorea.
Zürich – Singapur – Phnom Penh

Um nach Phnom Penh zu gelangen, flog er via Singapur. Alternativ gäbe es die Route via Südkorea.

Stephan Roemer
Vor Corona ein unvorstellbares Bild: der halbleere Flughafen Zürich.
Flughafen Zürich

Vor Corona ein unvorstellbares Bild: der halbleere Flughafen Zürich.

Stephan Roemer

  • Sie waren in Kambodscha. Was war der Grund Ihrer Reise?
  • Ich hatte zwei Gründe. Zum einen eine geschäftliche Pendenz, die meine Anwesenheit vor Ort erforderte. Zudem wollte ich vor Ort selber einen Augenschein nehmen, inwiefern es aktuell möglich ist, das Land touristisch zu bereisen.

Stephan Roemer, Inhaber des Schweizer Reiseveranstalters Tourasia und Mitinhaber von Diethelm Travel kennt sich mit Krisen aus. Er durchlebte beruflich bereits die SARS-Krise 2003, den Tsunami 2004, Vulkanausbrüche und Flughafenschliessungen.

Doch bevor Stephan Roemer die Reise antreten konnte, musste er sich in der Schweiz einem Covid-19-Test unterziehen. Das negative Testresultat darf bei Ankunft nicht älter als 72 Stunden sein. Eine Vorgehensweise, die auch andere Länder anwenden. Ebenso gibt es keinen Direktflug nach Kambodscha. Entweder man wählt die Route via Singapur oder Südkorea.

Um in Kambodscha einzureisen, muss Stephan Roemer ein negatives Corona-Testresultat vorweisen können. Dem Test unterzog er sich im Spital Uster.
Corona-Test

Um in Kambodscha einzureisen, muss Stephan Roemer ein negatives Corona-Testresultat vorweisen können. Dem Test unterzog er sich im Spital Uster.

Stephan Roemer

  • Danach konnten Sie problemlos einreisen?
  • Zusätzlich zu einem negativen Covid-19-Testresultat verlangen die Behörden vor Ort einen weiteren Covid-19-Test und darauffolgend eine maximal 48 stündige Quarantäne in einem Hotel. Dieses durfte ich anhand einer Liste von Quarantänehotels selbst aussuchen.

Das Hotelzimmer durfte Roemer nicht verlassen. Das Essen wurde ihm ins Zimmer gebracht.
Kurz-Quarantäne im Hotel

Das Hotelzimmer durfte Roemer nicht verlassen. Das Essen wurde ihm ins Zimmer gebracht.

Stephan Roemer
Die Aussicht beim Essen ist nicht schlecht: Er blickt vom Zimmer aus auf den Tonle Sap Fluss und die dahinter aufragende Skyline von Phnom Penh.
Aussicht auf den Tonle Sap Fluss

Die Aussicht beim Essen ist nicht schlecht: Er blickt vom Zimmer aus auf den Tonle Sap Fluss und die dahinter aufragende Skyline von Phnom Penh.

Stephan Roemer

Unterwegs in Phnom Penh

Nach der Kurz-Quarantäne freut er sich auf die Stadt und trifft auf, wie er sagt: «Freundliche, lachende Menschen, das Leben in Phnom Penh spielt sich ganz normal ab, ohne dass man die Corona-Situation bemerkt.» Die Restaurants seien gut besucht, von Einheimischen, aber auch Ausländern. «In Phnom Penh sind alle Hotels und Restaurants offen.» Anders schaue es an den ansonsten touristischen Orten aus. So trifft er in Sihanoukville auf leere Strände.

Nach der Kurz-Quarantäne besichtigt der Reisespezialist die Stadt und trifft auf Menschen, die trotz Krise ihre Fröhlichkeit nicht verloren haben.
Unterwegs in Phnom Penh

Nach der Kurz-Quarantäne besichtigt der Reisespezialist die Stadt und trifft auf Menschen, die trotz Krise ihre Fröhlichkeit nicht verloren haben.

Stephan Roemer
Berührungsängste kennt Roemer keine – er bereist Asien bereits seit Jahrzehnten.
Haarschnitt auf der Strasse

Berührungsängste kennt Roemer keine – er bereist Asien bereits seit Jahrzehnten.

Stephan Roemer
Nach den geschäftlichen Angelegenheiten, besucht er mit seinen Geschäftspartnern ein Restaurant – diese seien in Phnom Penh alle offen und gut besucht.
Feierabendbier

Nach den geschäftlichen Angelegenheiten, besucht er mit seinen Geschäftspartnern ein Restaurant – diese seien in Phnom Penh alle offen und gut besucht.

Stephan Roemer

Die Corona-Krise bringt eine neue Armut

  • Wie reagierten die Einheimischen auf Ihr Erscheinen?
  • Ich wurde überall überaus freundlich empfangen. Im Gespräch mit den Hoteliers bestätigte man mir, wie sehr man den Tourismus vermisse. Die Jobs und die damit verbundenen Einkommen fehlen der Bevölkerung. Die Menschen leiden.

Stephan Roemer deutet daraufhin, dass in Kambodscha die zwei wichtigsten Industrien aufgrund der Corona-Krise am Boden seien: die Textilindustrie und der Tourismus.

  • Kambodscha zählte bereits vor der Corona-Krise zu den ärmsten Ländern Asiens – was ist denn nun anders?

Was ich seit den 1980er-Jahren nach dem Kriegsende nicht mehr sah, bekam ich nun in Kambodscha wieder zu Gesicht: hungernde Kinder in den Dörfern. Eine Unter- oder Mangelernährung ist den Menschen bereits jetzt nach wenigen Monaten wieder anzusehen. Ich besuchte mitunter das Schweizer Hilfswerk Smiling Gecko. Da kommen die Kinder jeweils hungrig in die Schule. Schwierig seien die Montage, erzählte man mir. Nach den Wochenenden würden die Schüler jeweils komplett ausgehungert zurück in der Schule eintreffen.

Mr. Leap (Sokleap Ngon), CEO und Mitgründer des Projekts Smiling Gecko zeigt Stephan Roemer, was Smiling Gecko umsetzt, um der Bevölkerung zu helfen.
Hilfswerk Smiling Gecko

Mr. Leap (Sokleap Ngon), CEO und Mitgründer des Projekts Smiling Gecko zeigt Stephan Roemer, was Smiling Gecko umsetzt, um der Bevölkerung zu helfen.

Stephan Roemer
Im Smiling Gecko Farmhouse logiert es sich als Feriengast komfortabel.
Ferienressort

Im Smiling Gecko Farmhouse logiert es sich als Feriengast komfortabel.

Stephan Roemer
Smiling Gecko bietet mitunter eine Schule an – hier erhalten die Kinder auch etwas zu Essen. Die Bestuhlung des Aussenbereichs wird Corona-konform gehalten.
Schule

Smiling Gecko bietet mitunter eine Schule an – hier erhalten die Kinder auch etwas zu Essen. Die Bestuhlung des Aussenbereichs wird Corona-konform gehalten.

Stephan Roemer

  • Wie fühlt man sich in einer solchen Situation als Feriengast?
  • Die Menschen benötigen den Tourismus. Ich fühlte mich wahnsinnig privilegiert. In den Hotels wird man bedient wie ein König.

Zurück in der Schweiz bietet Stephan Roemer mit seinen Reiseanbietern tourasia und Diethelm Travel auf Anfrage Reisen nach Kambodscha an.

Wer zur Zeit Ferien in Kambodscha macht, wird auf leere Sandstrände treffen.
Strand bei Sihanoukville

Wer zur Zeit Ferien in Kambodscha macht, wird auf leere Sandstrände treffen.

Stephan Roemer

  • Können Sie eine solche Reise denn empfehlen?
  • Für jedermann ist eine solche Reise nicht. Aber es ist ein einmaliges Erlebnis. Gerade dann, wenn man einen Besuch von Angkor Wat einplant. die Tempelanlage wird normalerweise täglich von tausenden Touristen besucht. Aktuell hat man Angkor Wat wieder für sich alleine. Genau wie ich es in den 1980er Jahren bereits erleben durfte. Dieses Privileg wird es so in Zukunft wohl lange nicht mehr geben. Wenn einem etwas Derartiges etwas Wert ist, dann kann ich es empfehlen. Es ist gleichzeitig ein Erlebnis für Menschen, die Reisen gewohnt sind. Dazu kommt: Eine solche Reise ist aktuell nicht günstig.

Das Fazit der Reise?

Zum Schluss zieht Stephan Roemer ein Fazit. Er stellt Fragen, deren Antworten er selber nicht kennt: Dürfen sich die weltweiten Organisationen und Politiker das Recht nehmen, Massnahmen zu treffen, die das Schicksal grosser Bevölkerungsteile dieser Welt bestimmen? Drängen wir dabei nicht mehr Menschen in den Überlebenskampf durch Hunger und Armut? Während er diese Fragen selber nicht beantworten kann, weiss er eines: «Ich werde wieder reisen und ich bin bereit, die beschriebenen Beschwernisse und Einschränkungen auf mich zu nehmen. Sie werden durch die positiven Erlebnisse mehrfach entschädigt.» Und er werde weiterhin versuchen seinen Beitrag zu einem fairen und nachhaltigen Tourismus zu leisten.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
4 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Michael

25.09.2020, 08:00

In diesem Artikel fehlt eine wichtige Sache: Es sind momentan KEINE Touristen-Visa möglich, keine eVisa, kein Visa on arrival! Zusätzlich muss zum schon vorhandenen negativen CoronaTest ein Test am Flughafen PHP für 165 U$ mit anschließendem abwarten des Ergebnis in einem speziellen Raum (bis zu 24h) abgewartet werden. Sollte ein Fluggast positiv getestet sein, müssen alle Fluggäste 14 Tage in Quarantäne. Zusätzlich wird eine Krankenversicherung in Höhe von 50000 U$ inkl. Corona verlangt. Obendrein muss ein Depot/Kaution in Höhe von 2000 U$ hinterlegt werden (vorher gar 3000 U$). Wenn also ein Leser nun nach lesen des Artikels buchen will, kann er/sie dies z. Z. vergessen. Dies gilt nicht für: Business-/Geschäftsreisende.