Basler Langzeitstudie - Coronamassnahmen geniessen grosse Akzeptanz, trotz negativer Folgen
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Basler LangzeitstudieCoronamassnahmen geniessen grosse Akzeptanz, trotz negativer Folgen

Im Rahmen einer gross angelegten Corona-Studie untersuchte das Schweizer Tropen und Public Health Institut bei über 10’000 Personen aus dem Raum Basel, wie sich die Pandemie auf die Lebensumstände ausgewirkt hat.

von
Lukas Hausendorf
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Über 80 Prozent der mehr als 10’000 Teilnehmenden einer Langzeitstudie aus der Region Basel zur Corona-Pandemie halten die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie als gerechtfertigt.

Über 80 Prozent der mehr als 10’000 Teilnehmenden einer Langzeitstudie aus der Region Basel zur Corona-Pandemie halten die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie als gerechtfertigt.

20min/Simon Glauser
Aber im Allgemeinen überwog die Meinung, dass die Pandemie negative Auswirkungen habe, schreiben die Studienautoren. So wurde auch eine Zunahme der Häufigkeit von schweren und extrem schweren Symptomen einer Depression zwischen Juli 2020 und Januar 2021 festgestellt.

Aber im Allgemeinen überwog die Meinung, dass die Pandemie negative Auswirkungen habe, schreiben die Studienautoren. So wurde auch eine Zunahme der Häufigkeit von schweren und extrem schweren Symptomen einer Depression zwischen Juli 2020 und Januar 2021 festgestellt.

20min/Marco Zangger
Die Befragung zeigt auch, dass insbesondere Selbständig-Erwerbende finanziell schwer getroffen wurden. So gab ein Drittel dieser Gruppe an, weniger verdient zu haben als im Vergleichsmonat 2019. Die Lohneinbusse betrug im Durschnitt fast 50 Prozent.

Die Befragung zeigt auch, dass insbesondere Selbständig-Erwerbende finanziell schwer getroffen wurden. So gab ein Drittel dieser Gruppe an, weniger verdient zu haben als im Vergleichsmonat 2019. Die Lohneinbusse betrug im Durschnitt fast 50 Prozent.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Eine Langzeitstudie des Schweizer Tropen- und Public Health Instituts untersucht die Auswirkungen der Pandemie auf die Lebensumstände der Bevölkerung.

  • An der Studie haben bis jetzt mehr als 10’000 Personen aus dem Raum Basel teilgenommen.

  • Jetzt liegen erste Ergebnisse vor. Diese zeigen: Die Corona-Massnahmen geniessen hohe Akzeptanz, manche zahlen dafür aber einen hohen Preis.

Einkommenseinbussen, Depressionen und Suchtprobleme: Die Eindämmungsmassnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gehen an vielen Menschen nicht spurlos vorbei. Im Rahmen einer gross angelegten Langzeitstudie, an der sich bis heute über 10’000 Personen aus dem Raum Basel beteiligt haben, untersucht das Schweizer Tropen- und Public Health Institut Swiss TPH die Auswirkungen der Pandemie auf die Lebensumstände und das Wohlbefinden der Bevölkerung.

Am Montag wurden die ersten Ergebnisse der Covco-Basel-Studie veröffentlicht. Demnach stuften über 80 Prozent aller Teilnehmenden die vom Bundesrat getroffenen Eindämmungsmassnahmen als gerechtfertigt ein. «Positiv wurden Auswirkungen der Massnahmen im privaten Bereich eingestuft – beispielsweise mehr Zeit für die Familie oder Hobbys zu haben. Aber im Allgemeinen überwog die Meinung, dass die Pandemie negative Auswirkungen habe», schreiben die Studienautoren.

Die Befragung zeigt auch, dass insbesondere Selbständig-Erwerbende finanziell schwer getroffen wurden. So gab ein Drittel dieser Gruppe an, weniger verdient zu haben als im Vergleichsmonat 2019. Die Lohneinbusse betrug im Durchschnitt fast 50 Prozent, während nur gerade neun Prozent der nicht-selbständig Erwerbstätigen überhaupt eine Lohneinbusse zu gewärtigen hatte.

Wenig Geld, kleine Wohnung, Depression

Die Covco-Studie stellt auch eine Zunahme der Häufigkeit von schweren und extrem schweren Symptomen einer Depression zwischen Juli 2020 und Januar 2021 fest. «Die Zunahme betraf vor allem die Alterskategorie der 18- bis 49-Jährigen und Personen mit niedrigem Haushaltseinkommen», so der Befund. Letztere seien am stärksten betroffen gewesen. In dieser Bevölkerungsgruppe hatten sich Depressions-Symptome von zwei auf acht Prozent vervierfacht.

«Menschen mit tiefem Einkommen sind besonders von der Pandemie betroffen, einerseits sind sie durch ihre Jobs oft stärker exponiert und haben häufiger eine Coronavirus-Infektion, andererseits leiden sie stärker unter den wirtschaftlichen Folgen der Massnahmen und haben öfters enge Wohnverhältnisse, was sich wiederum negativ auf die psychische Gesundheit auswirken kann», sagt Covco-Studienleiterin Nicole Probst-Hensch.

Pandemie begünstigt chronische Krankheiten

Dazu passt, dass Studienteilnehmende berichteten, dass sie sich seit Beginn der Pandemie häufiger ungesund ernähren und Gewichtsprobleme beklagen. Bei den über 50-Jährigen hatten sich zudem Meldungen über ein Suchtproblem in Bezug auf Alkohol von fünf auf zehn Prozent verdoppelt. «Die Pandemie zeigt den engen Zusammenhang zwischen Infektionskrankheiten und chronischen Krankheiten in vieler Hinsicht», so Probst-Hensch. «Die Folgen von weniger Bewegung, schlechter Ernährung und Suchtproblemen können längerfristig zu chronischen Krankheiten führen, was wiederum ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf von Covid-19 sein kann.»

Die Basler Covco-Studie, die von den beiden Basler Halbkantonen mitfinanziert wird, läuft noch weiter, um die längerfristigen Auswirkungen der Pandemie auf Wirtschaft, Gesellschaft, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung zu untersuchen.

Fast ein Viertel hat Antikörper

Im Rahmen der Basler Covco-Studie wurde auch die Seroprävalenz der Bevölkerung untersucht. Demnach wurden bis Mitte März bei rund 21 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Antikörper gegen Sars-Cov-2 nachgewiesen. Im Oktober war der Wert noch bei sechs Prozent, Mitte Januar bereits bei 13 Prozent. Der rasche Anstieg seit Jahresbeginn steht auch in Zusammenhang mit dem Anlaufen der Impfkampagne. So hatten Mitte März bereits 81 Prozent der über 75-jährigen Personen einen positiven Antikörperstatus.

Die Studie erhob auch Daten zu Re-Infektionen oder lang anhaltenden Infektionen. Diese kommen vor, aber nur äusserst selten. Im Beobachtungszeitraum wurden nur vier von 340 Personen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden oder Antikörper aufwiesen, über zwei Monate später erneut positiv getestet.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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