Aktualisiert 03.04.2020 07:36

Geld

Coronavirus frisst den Optimismus weg

Ende 2019 herrschte bei der Schweizer Bevölkerung viel Optimismus, was ihre finanzielle Situation betrifft. Jetzt ist er verflogen.

von
Raphael Knecht
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Der Optimismus ist verflogen: 88 Prozent der von Comparis befragten Schweizer machen sich Sorgen um ihre finanzielle Situation.

Der Optimismus ist verflogen: 88 Prozent der von Comparis befragten Schweizer machen sich Sorgen um ihre finanzielle Situation.

Keystone/Christian Beutler
Jetzt ist sparen angesagt: Schweizer wollen auf Spontankäufe verzichten und mehr Rabatte nutzen.

Jetzt ist sparen angesagt: Schweizer wollen auf Spontankäufe verzichten und mehr Rabatte nutzen.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Der meistgenannte Grund für die düstere Einschätzung ist Kurzarbeit.

Der meistgenannte Grund für die düstere Einschätzung ist Kurzarbeit.

Barbara Gindl

Die Coronavirus-Krise macht nicht nur dem Bund und der Wirtschaft grosse Sorgen, sondern auch der Bevölkerung. In einer repräsentativen Umfrage des Vergleichsportals Comparis gaben 88 Prozent der Befragten an, besorgt zu sein. Fast ein Drittel erwartet eine Verschlechterung der eigenen finanziellen Lage.

«Der Lockdown und die damit verbundenen Umsatzeinbussen ergeben zusammen mit der unsicheren Börsensituation ein gefährliches Gemisch, das die finanzielle Zukunftseinschätzung

vieler Menschen negativ beeinflusst», sagt Michael Kuhn, Finanzexperte bei Comparis. Besonders die jüngere Bevölkerung will darum jetzt kürzertreten: 52 Prozent der 18- bis 35-Jährigen geben an, weniger konsumieren und mehr sparen zu wollen.

Machst du dir auch Sorgen ums Geld? Was sind die Gründe und wie gehst du damit um?

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Rabatte ja, Spontankäufe nein

Um zu sparen, wollen Schweizer auf unnötige Ausgaben und Spontankäufe verzichten. Viele möchten zudem häufiger Rabatte nutzen.

Vor allem Ein-Personen-Haushalte und solche mit Bruttoeinkommen bis 4000 Franken blicken pessimistisch auf die kommenden Wochen. Am häufigsten begründen Pessimisten ihre Einschätzung damit, dass sie oder der Partner beziehungsweise die Partnerin Kurzarbeit leisten müssen. 13,7 Prozent geben an, dass sie als Selbstständigerwerbende einen Umsatzeinbruch erwarten. Weitere genannte Gründe sind Jobverlust sowie Wertverluste bei den eigenen Kapitalanlagen.

Schluss mit Optimismus

Damit hat die Coronavirus-Krise den Optimismus der Schweizer Bevölkerung weggefressen, wie Comparis schreibt: Bei der Umfrage im Dezember 2019 rechneten nur 13 Prozent der Befragten mit einer Verschlechterung ihrer Finanzlage – das waren im Vierjahresvergleich so wenige wie noch nie.

Allen Negativ-Szenarien zum Trotz gibt es aber auch Optimisten: 13 Prozent aller Umfrageteilnehmenden gehen von einer finanziellen Verbesserung im April aus.

Angst vor Wirtschaftskrise

Nur jeder fünfte Schweizer (22 Prozent) befürchtet eine Wirtschaftskrise. Wesentlich pessimistischer sind dagegen die Staatsbürger in acht anderen Ländern (Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien, Grossbritannien, Polen und USA), die an der Umfrage teilgenommen haben. Zwei von fünf der befragten Personen (38 Prozent) haben Angst vor einer solchen Krise. Nur Frankreich hat eine niedrigere Quote (17 Prozent). Italien (51 Prozent), Spanien (46 Prozent) und Deutschland (45 Prozent) sind die Länder, in denen eine Wirtschaftskrise am meisten gefürchtet wird.

Die von den Befragten am häufigsten genannten Ängste sind Tod und Krankheit. Auch hier sind die Schweizer eher zuversichtlich. Etwas mehr als jeder vierte Schweizer (27 Prozent) fürchtet den Tod eines geliebten Menschen, verglichen mit sieben von zehn Franzosen (71 Porzent) und zwei Drittel der Spanier (67 Prozent).

Was die vom Bundesrat ergriffenen Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus betrifft, so halten 29 Prozent der Schweizer diese für ausreichend. 12 Prozent wünschen sich weniger und ein Drittel mehr.

Die Umfrage wurde zwischen dem 24. und 30. März vom Meinungsforschungsinstitut YouGov für die europäischen Zeitungen der LENA-Allianz durchgeführt. Dieser Allianz gehören die «Tribune de Genève» und der «Tages-Anzeiger» an. Es wurden 10'963 Personen befragt, davon 507 in der Schweiz.

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