Aktualisiert 14.03.2020 17:49

Schweizer Wirtschaft

Coronavirus verursacht Kosten in Milliardenhöhe

Das Coronavirus verbreitet sich rasant. Der wirtschaftliche Schaden für die Schweiz ist enorm. Swissmechanic warnt vor Stellenabbau.

von
F. Pöschl
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Die Ausbreitung des Coronavirus belastet die globale Wirtschaft.

Die Ausbreitung des Coronavirus belastet die globale Wirtschaft.

epa/Alex Plavevski
Diese Woche rauschten weltweit die Aktienkurse in den Keller. Es war die schwärzeste Woche seit der Finanzkrise 2008. «Der SPI verlor in dieser Woche 11 Prozent an Wert», sagt Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer von Raiffeisen Schweiz.

Diese Woche rauschten weltweit die Aktienkurse in den Keller. Es war die schwärzeste Woche seit der Finanzkrise 2008. «Der SPI verlor in dieser Woche 11 Prozent an Wert», sagt Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer von Raiffeisen Schweiz.

epa/Kimimasa Mayama
Geissbühler rechnet mit einer Stabilisierung «in den nächsten Wochen»

Geissbühler rechnet mit einer Stabilisierung «in den nächsten Wochen»

epa/Kimimasa Mayama

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus hat drastische Folgen. Die chinesische Wirtschaft, wo das Virus seinen Ursprung hat, liegt seit Wochen de facto am Boden, doch auch die Schweizer Wirtschaft leidet. In diesen Bereichen sind die Folgen besonders spürbar:

• Wirtschaft

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse rechnet mit einer Senkung der Prognosen für das Schweizer Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozentpunkte, wie Chefökonom Rudolf Minsch gegenüber der Handelszeitung sagte. «Diverse Firmen spüren bei vielen Komponenten, die aus China in die Schweiz geliefert werden, Lieferengpässe», sagte Minsch zu den Rückmeldungen. Am stärksten betroffen seien Abnehmer von Elektronikteilen oder von Hardware. Auch die Nationalbank sieht grössere Konjunkturrisiken wegen des Virus. Der Branchenverband Swissmechanic warnt davor, dass nun einige Firmen mit einem Stellenabbau reagieren könnten. Laut einer Umfrage des Verbands erwarten 42 Prozent der Firmen eine Verschlechterung der Auftragslage im laufenden ersten Quartal. Erschwerend kommt hinzu, dass der starke Franken die Schweizer Waren im Ausland verteuert. Das Seco gab am Samstag an einer Pressekonferenz bekannt, dass Unternehmen derzeit Anträge auf Kurzarbeit stellen dürfen.

• Tourismus

Die Folgen des Coronavirus für den Tourismus sind derzeit nur schwer vorauszusagen. Allerdings dürfte das Virus alleine im Startquartal die Logiernächte chinesischer Gäste um die Hälfte einbrechen lassen, sagte Schweiz-Tourismus-Direktor Martin Nydegger am Donnerstag an der Jahresmedienkonferenz der Branchenvermarktungsorganisation. Normalisiere sich die Lage in den nächsten Wochen, sei etwa in Asien mit einer Einbusse von rund 10 Prozent zu rechnen. Andernfalls seien bis zu einem Viertel oder Drittel der Logiernächte gefährdet. Im schlimmsten Szenario drohe eine globale Reiseangst, die die ganze Reisebranche nachhaltig lähmen könnte, sagte Nydegger.

• Pharmabranche

Novartis habe derzeit keine Lieferengpässe wegen China, erklärte Novartis-Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt anlässlich der Generalversammlung am Freitag. Welche wirtschaftlichen Folgen die Coronaviruskrise mit sich bringe, sei noch nicht bezifferbar. Erst am Mittwoch gab der Pharmakonzern bekannt, dass die Preise für eine Reihe von Nachahmermedikamenten eingefroren werden. Bei den oft in China hergestellten Substanzen für die Medikamente drohen Lieferengpässe. Deshalb will die Generika-Tochter Sandoz mit dem Schritt Preiserhöhungen vorbeugen.

• Detailhandel

Detailhändler verzeichnen wegen des Coronavirus eine erhöhte Nachfrage nach bestimmten Lebensmitteln. Augenfällig angestiegen sei die schweizweite Nachfrage nach Gütern des täglichen Bedarfs. Entsprechend habe die Migros in den Verteilzentren die personellen Kapazitäten erhöht. Von einem Engpass könne aber noch keine Rede sein, erklärte Migros-Mediensprecher Marcel Schlatter auf Anfrage. Welche weiteren Auswirkungen das Coronavirus habe, könne zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden.

• Grossveranstaltungen

Der Bundesrat verbietet aufgrund der besonderen Lage bis 15. März alle öffentlichen Grossveranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern. Unzählige Events wie der Autosalon in Genf, die Baselworld sowie Sport- und Fasnachtsveranstaltungen fallen nun aus. Für alle Beteiligten entsteht dadurch ein enormer finanzieller Schaden. Auch das lokale Gewerbe ist betroffen, wenn die Eventbesucher ausbleiben. Laut Innenminister Alain Berset sind bei Absage von Grossveranstaltungen durch den Bund keine Entschädigungen vorgesehen. Das gilt auch für die Rückerstattung der Eventtickets. Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes, fordert deshalb Kulanz von den Veranstaltern, dass sie die Tickets zurückerstatten.

• Börse

Die Börsen weltweit erleben derzeit die schwärzeste Woche seit der Finanzkrise 2008. Die Nachricht des ersten Coronafalls in der Schweiz Anfang Woche löste eine Verkaufswelle los. Das führte zu massiven Wertverlusten. Das lässt sich am Kurssturz des Swiss Performance Index (SPI) ablesen, der nahezu alle kotierten Schweizer Aktiengesellschaften umfasst. «Der SPI verlor in dieser Woche 11 Prozent an Wert», sagt Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer von Raiffeisen Schweiz. «Dies entspricht einer Marktkapitalisierung von rund 150 Milliarden Schweizer Franken.» Auch der Swiss Market Index sackte von über 11'000 Punkten ab und notierte am Freitag erstmals seit Oktober wieder unter der psychologisch wichtigen Marke von 10'000 Punkten.

Trotz der Verkaufswelle in den vergangenen Tagen sollten Anleger nicht in Panik geraten. Der Finanzexperte rechnet damit, dass ein Grossteil der Korrekturen bereits erfolgt ist. «Wir gehen davon aus, dass im Verlauf der nächsten Woche eine Bodenbildung beginnen und der Verkaufsdruck abnehmen wird», sagt Geissbühler. Zudem sei nicht auszuschliessen, dass die Notenbanken bei weiteren Turbulenzen die Geldschleusen öffnen werden. Auch fiskalpolitische Stimulusmassnahmen seien denkbar. Er rechnet mit einer Stabilisierung «in den nächsten Wochen». Eine rasche Rückkehr zu neuen Allzeithöchstständen dürfe aber nicht erwartet werden.

(Mit Material von SDA)

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