Das Coronavirus war gemäss US-Recherchen «höchstwahrscheinlich Ergebnis eines Labor-Zwischenfalls» in Wuhan

Aktualisiert

US-RecherchenCoronavirus war «höchstwahrscheinlich Ergebnis eines Labor-Zwischenfalls»

Neue Berichte eines US-Senatsausschusses und unabhängige Forschungen wecken Zweifel an der Theorie, dass das Virus von Tieren auf Menschen übertragen wurde. 

von
Dominik Fischer
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Stammt das Coronavirus, der die globale Pandemie auslöste, aus diesem Büro? Berichte eines US-Senats-Ausschusses und von US-Journalisten legen dies nahe. 

Stammt das Coronavirus, der die globale Pandemie auslöste, aus diesem Büro? Berichte eines US-Senats-Ausschusses und von US-Journalisten legen dies nahe. 

imago images/Kyodo News
Gemäss internen Dokumenten des Instituts für Virologie in Wuhan war der Druck auf die Mitarbeitenden hoch und die Ausrüstung und Sicherheitsstandards mangelhaft. 

Gemäss internen Dokumenten des Instituts für Virologie in Wuhan war der Druck auf die Mitarbeitenden hoch und die Ausrüstung und Sicherheitsstandards mangelhaft. 

REUTERS
Der US-Senat für Gesundheit geht von einem Ursprung des Virus im Labor in Wuhan aus, schreibt jedoch gleichzeitig: Der Mangel an Transparenz seitens der Regierung und der Gesundheitsbehörden in der Volksrepublik China in Bezug auf den Ursprung von SARS-CoV-2 lässt keine endgültige Schlussfolgerung zu.»

Der US-Senat für Gesundheit geht von einem Ursprung des Virus im Labor in Wuhan aus, schreibt jedoch gleichzeitig: Der Mangel an Transparenz seitens der Regierung und der Gesundheitsbehörden in der Volksrepublik China in Bezug auf den Ursprung von SARS-CoV-2 lässt keine endgültige Schlussfolgerung zu.»

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Darum gehts

Neue Recherchen aus den USA erhärten den Verdacht darauf, dass das Coronavirus seinen Ursprung in einem Labor in Wuhan hatte. So heisst es in einem Bericht des US-Senats-Ausschusses für Gesundheit, der am Donnerstag veröffentlicht wurde: «Das Auftreten von SARS-CoV-2, das zur Covid-19-Pandemie führte, war höchstwahrscheinlich das Ergebnis eines forschungsbedingten Vorfalls.»

«Mangel an Transparenz seitens der chinesischen Regierung»

Gleichzeitig heisst es in dem US-Bericht: «Diese Schlussfolgerung ist nicht als endgültig zu betrachten. Der Mangel an Transparenz seitens der Regierung und der Gesundheitsbehörden in der Volksrepublik China in Bezug auf den Ursprung von SARS-CoV-2 lässt keine endgültige Schlussfolgerung zu.»

Bereits seit Beginn der Corona-Pandemie gab es einige Forschende, die den Ursprung des Virus im Institut für Virologie in Wuhan vermuten. Dort finden schon seit mehreren Jahren Forschungen zu Corona-Viren statt. Wissenschaftler sollen dort Komponenten verschiedener Corona-Viren gemischt und neue Stämme geschaffen haben, um die Risiken einer Infektion des Menschen vorherzusagen und Impfstoffe und Behandlungen zu entwickeln, schreibt «ProPublica». 

«Keine Erfahrung mit der Wartung eines solchen Labors»

Auch Recherchen des investigativen US-Magazins «ProPublica» unterstützen den Bericht des US-Senats-Ausschusses. Der Biologe und Computer-Wissenschaftler Toy Reid, der sich in Mitteilungen des Instituts für Virologie in Wuhan vertiefte, beschreibt in den Recherchen für «ProPublica», wie stark der Druck der Regierung war, in Wuhan wissenschaftliche Durchbrüche zu erzielen, «obwohl es an wesentlichen Ressourcen mangelte». 

So hätten Mitarbeitende des Labors die Ausrüstungs- und Technologiestandards bemängelt, und dass sie «keine Erfahrung mit dem Betrieb oder der Wartung eines Labors dieses Kalibers» hätten. In Meldungen vom Herbst 2019 ist neben Kritik an unmenschlichen Arbeitsbedingungen auch von «versteckten Sicherheitsgefahren» die Rede, und im November 2019 wurde offenbar auf einen Verstoss gegen die Biosicherheit in dem Labor hingewiesen.

Wurde im Labor «die Büchse der Pandora geöffnet»?

So heisst es in dem internen Dokument der Covid-Forschenden: «Wenn man die aufbewahrten Reagenzgläser einmal geöffnet hat, ist es so, als hätte man die Büchse der Pandora geöffnet. Diese Viren kommen ohne einen Schatten und gehen, ohne eine Spur zu hinterlassen. Obwohl wir verschiedene Präventiv- und Schutzmassnahmen haben, muss das Laborpersonal sehr vorsichtig vorgehen, um Bedienungsfehler zu vermeiden, die zu Gefahren führen.»

«ProPublica», das gemeinsam mit «Vanity Fair» während fünf Monate Beweise zu den Vorgängen in Wuhan untersuchte, kommt zu dem Schluss, es gebe «eine Reihe von bisher nicht veröffentlichten Hinweisen auf einen mysteriösen Vorfall, kurz bevor das Virus seine ersten Opfer infizierte». 

Auch der Umstand, wie schnell es China gelang, eigene Impfstoffe zu entwickeln, sei verdächtig und deute darauf hin, dass die Teams bereits im November 2019 Zugang zur Genomsequenz des Virus hatten, also Wochen bevor China offiziell anerkannte, dass das Virus zirkulierte.

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