Windows Phone: Cortana aus «Halo» verführt Microsoft-Kunden
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Windows PhoneCortana aus «Halo» verführt Microsoft-Kunden

Die künstliche Intelligenz aus dem Videospiel «Halo» wird zur persönlichen Assistentin im nächsten Windows Phone. Ein unheimlicher Schachzug, findet Game-Redaktor Jan Graber.

von
jag
Cortana im Doppel: links die Darstellung auf dem Windows Phone, rechts als sexy Spielfigur aus der Egoshooter-Reihe «Halo».

Cortana im Doppel: links die Darstellung auf dem Windows Phone, rechts als sexy Spielfigur aus der Egoshooter-Reihe «Halo».

Die Ankündigung hatte es in sich, besonders für Fans des Egoshooter-Spiels «Halo»: Als Microsoft letzte Woche in San Francisco die nächste Generation des Windows Phone vorstellte, wurde auch eine persönliche Handy-Assistentin eingeführt, die den Spielern von «Halo» vertraut ist: Cortana, die künstliche Intelligenz, die den «Halo»-Masterchief auf all seinen Missionen begleitet. Der Spielheld und Cortana sind eng miteinander verbunden und der Spieler in der Rolle des Masterchiefs baut zur Figur eine emotionale Bindung auf.

Zu Beginn der Ankündigung war ich hin und weg: Wie cool ist es, dieses erotischste aller Hologramme (die KI Cortana wird in «Halo» als attraktive, unbekleidete Frau gezeigt) auf meinem Handy zu haben! Wie viel näher mir diese Figur damit kommt, in die ich mich als «Halo»-Spieler fast ein bisschen verliebte! Diese sexy Game-Intelligenz als persönliche digitale Assistentin auf meinem Handy? Her damit! Es ist mir egal, dass ich mit Cortana nicht das Hologramm, sondern lediglich Cortanas Stimme und einen sich drehenden Kreis auf dem Display geliefert bekomme. Die Fantasie übernimmt den Rest.

Wie eine echte Sekretärin

Doch je länger die Präsentation dauerte, umso unwohler wurde mir. Joe Belfiore, Vizepräsident von Microsofts Windows-Phone-Programm, der die Präsentation hielt, sprach von Cortana wie von einer echten Person. Er erklärte, dass Cortana den Besitzer des Handys immer besser kennenlernen würde und mit der Zeit sogar erahnen könne, welche Info der Nutzer als Nächstes haben wolle – noch bevor er es selbst wisse. Wie eine echte Sekretärin würde sie den Kalender verwalten, auf Terminkonflikte hinweisen, Notizen machen. Sie kenne die Plätze, die man gerne aufsuche, und würde das Internet auf intelligente Weise durchsuchen, um personalisierte Antworten zu finden.

Das klingt fantastisch, und mit der Einführung hat Microsoft einen der cleversten Schachzüge der letzten Jahre gemacht: Welcher «Halo»-Fan kann dieser Verführung nicht widerstehen? Und alle anderen: Wer will nicht seine persönliche Assistentin im Hosensack haben, die die Möglichkeiten der Digital-Technologie so clever nutzt und einem so nahe bringt?

Die Sirene

Gerade wegen der Verführungskraft der Spielfigur melden sich bei mir aber Zweifel: Was will Microsoft mir mit Cortana unterjubeln? Welche Absichten verfolgt das Unternehmen tatsächlich? Offensichtlich geht es zunächst darum, das persönliche Assistenz-System so attraktiv wie möglich zu gestalten, damit es ausgiebig genutzt wird. Der Technologiefirmen liebste Beschäftigung ist derzeit aber das Datensammeln. Mit jeder Info, die ich Cortana gebe, liefere ich potenziell auch Daten über mich an Microsoft. Und weil Cortana so persönlich und natürlich wirkt, mir damit auch immer vertrauter wird, gebe ich meine Informationen gerne preis.

Die digitale Freundin kommt mir damit zunehmend wie die Sirenen vor, die Odysseus auf seiner Irrfahrt mit ihren verführerischen Gesängen in den Abgrund locken wollten. Auch Cortana verführt und lockt, für den Nutzer unbewusst, aber genauso hinterhältig. Um Cortanas Wirkung auf Game-affine Nutzer dürfte sich Microsoft durchaus bewusst sein. Der Schachzug der Redmonder ist damit ebenso brillant wie teuflisch. Am Ende der Präsentation wünsche ich mir, sie hätten Cortana dort gelassen, wo sie sich am besten macht: in der «Halo»-Welt.

Die Vorstellung von Cortana

(Quelle: c|net/Youtube)

Cortana in «Halo»

Cortana ist eine künstliche Intelligenz der Egoshooter-Reihe «Halo» und eng verbunden mit deren Hauptfigur, dem Masterchief. Sie kann Netzwerke hacken, gibt dem Masterchief Hinweise und ist verbunden mit dem zentralen System der menschlichen Allianz, die sich im Überlebenskampf gegen die ausserirdischen Covenant befindet. Cortana gilt als smarte und lernfähige künstliche Intelligenz, die ihre eigene Kreativität selber weiterentwickeln kann. «Halo» ist die erfolgreichste Egoshooter-Reihe der Xbox-Konsolen.

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