Corti: Banken haben Swissair «stranguliert»
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Corti: Banken haben Swissair «stranguliert»

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Mario Corti den Grossbanken die Schuld für das Grounding der Swissair gibt. Auch heute vor Gericht vertrat er diese Meinung. Besonders die UBS nahm er aufs Korn, brachte es aber nicht über sich, diese beim Namen zu nennen.

Mario Corti hat scharfe Attacken gegen die Banken geritten und sie erneut für das Grounding und den enormen Wertverlust verantwortlich gemacht.

Die Banken und der Plan Phoenix

Die SAirGroup sei stranguliert worden, sagte er vor dem Bezirksgericht Bülach.

Das Projekt Phoenix sei von dritter Seite hinter seinem Rücken entwickelt worden, sagte Corti zu dem am Wochenende vom 29./30. September 2001 unter Beizug der beide Grossbanken UBS und Credit Suisse entwickelten Rettungsplan. Dieser sah vor, die Crossair aus der SAirGroup herauszulösen und sie so zu strukturieren und zu rekapitalisieren, dass sie Teile des Swissair-Fluggeschäfts übernehmen könnte. UBS und Credit Suisse sollten den Swissair-Anteil an der Crossair von 70 Prozent der Aktien kaufen.

Swissair stranguliert

«Die Swissair-Gruppe wurde durch das Term Sheet Phoenix stranguliert», sagte Corti. Nachlassstundung und Grounding seien integrale Bestandteile dieses Plans gewesen, der an diesem dramatischen Wochenende von den Kreditgebern aufgezwungen worden sei. Immer wieder setzte es bei den Ausführungen von Corti Seitenhiebe gegen die UBS ab, die er fast nie namentlich erwähnte, aber beispielsweise als «ziemlich grosse Bank» oder als «dieses Institut» bezeichnete. Bundesrat Kaspar Villiger habe das Term Sheet am folgenden Montagmorgen als «Kapitulationsurkunde» bezeichnet, als er den Plan auf dem Tisch gehabt habe.

17 Milliarden Franken vernichtet

Corti habe bei diesem Treffen mit dem Bundesrat klar gemacht, dass er nicht einverstanden sei mit der Nachlassstundung, weil diese eine gewaltige Wertvernichtung zur Folge habe. Im Nachhinein habe sich gezeigt, dass insgesamt 17 Milliarden Franken vernichtet worden seien. Der letzte Swissair-Chef bezeichnete das Projekt Phoenix auch als «krassen Insiderdeal», der «in ganz kleinem Kreis ausgeckt» und nicht mit einem grösseren Kreis erörtert worden sei. Der Plan habe ihn insofern auch erstant, weil er nicht glauben könne, dass dieser nur in ein paar Stunden entstanden sein soll. Auch dies sei für ihn ein Indiz, dass hinter seinem Rücken «ein ganz übles Spiel gespielt wird», sagte Corti weiter.

Corti wollte flugnahe Betriebe verkaufen

Der damalige Präsident und Konzernchef selber hatte für den finanziell dramatisch angeschlagenen SAirGroup-Konzern den Weg der Sanierung beschlossen und seinen Plan auch schon der vom Bundesrat eingesetzten Arbeitsgruppe Bremi vorgestellt. Konkret sah sein Plan den Verkauf der flugnahen Betriebe Swissport, Nuance und Flightlease vor, verbunden mit einer von einer ausserordentlichen Generalversammlung im November 2001 abzusegnenden Rekapitalisierung der Gruppe im Umfang von vier Milliarden Franken sowie einem Überbrückungskredit des Bundes von bis zu einer Milliarde Franken. Er sei noch heute davon überzeugt, dass es damit absolut möglich gewesen wäre, den Swissair-Konzern finanziell über die Runden zu bringen.

Finanzchefin Fouse muss ebenfalls aussagen

Corti und der letzten SAirGroup-Finanzchefin Jacqualyn Fouse werden im Zusammenhang mit den letzten Tagen vor dem Grounding ungetreue Geschäftsbesorgung und Misswirtschaft vorgeworfen. Denn sie hätten die Nachlassstundung bewusst mangelhaft vorbereitet und verspätet eingereicht. Dies habe zu einem unnötigen Liquiditätsabfluss von mindestens 177 Millionen Franken geführt. Das Fehlen dieser Mittel war laut der Anklage die Ursache für das Grounding am 2. Oktober 2001. (sda)

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