Affäre Nef: Couchepin mischt mit - Schmid stellt sich
Aktualisiert

Affäre NefCouchepin mischt mit - Schmid stellt sich

Jetzt haben sich auch Bundespräsident Pascal Couchepin und Bundesrätin Doris Leuthard zu den Vorwürfen an Armeechef Roland Nef geäussert. Couchepin sagte, dass das Problem der persönlichen Glaubwürdigkeit von Nef untersucht werden müsse.

Nach den neusten Vorwürfen an Nef in der Sonntagspresse habe er festgestellt, dass die Vorwürfe an den Armeechef auf die Zeit vor dessen Amtsantritt zurückgingen, liess Couchepin am Sonntagabend über seinen Sprecher Jean-Marc Crevoisier der Nachrichtenagentur SDA ausrichten.

Vom rein beruflichen Standpunkt aus sei dem Armeechef nichts vorzuwerfen, liess Couchepin weiter mitteilen. Doch das Problem von Nefs persönlicher Glaubwürdigkeit müsse untersucht werden, endete die Stellungnahme. Couchepin verfolge das Dossier persönlich mit.

Bundesrätin Doris Leuthard sagte am Sonntagabend in der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens, sie habe keinen Grund, an den Fähigkeiten Nefs für das Amt des Armeechefs zu zweifeln. Nicht kommentieren wollte sie die Frage, ob Schmid den Bundesrat über die laufende Strafuntersuchung hätte informieren müssen.

Verteidigungsminister Samuel Schmid will am Montag ein zweites Mal zum Fall Roland Nef Stellung nehmen, wie sein Departement am Abend mitteilen. Er will im Medienzentrum des Bundeshauses vor die Medien treten, wie es in der Ankündigung hiess. Am Freitag hatte sich Schmid «voll und ganz» hinter den Armeechef gestellt.

(dapd)

Sind Roland Nef und Samuel Schmid überhaupt noch tragbar?

Toni Brunner, Präsident SVP

Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, muss Roland Nef zurücktreten. So etwas geht überhaupt nicht. Aber die Verantwortung trägt Samuel Schmid. Er hätte sich genau informieren können, hat es aber nicht getan. Dass er zurücktreten muss, dürfte nun für alle klar geworden sein. Das Renommee der Schweiz steht auf dem Spiel.

Christian Levrat, Präsident SP

Stimmen die Recherchen der «SonntagsZeitung», hat Nef die Grenzen des Tolerierbaren überschritten. Schmid muss seine Position überdenken. Tut er das nicht, muss der Bundesrat dafür sorgen, dass Nef geht. Ich sehe die Qualität von Schmids Arbeit immer kritischer. Aber sein Rücktritt ist nicht unsere Sache, er ist für vier Jahre gewählt.

Ida Glanzmann, Vize-Präsidentin CVP

Wir stellen derzeit keine Rücktrittsforderung – aber der Fall wirft Fragen auf. Von offizieller Seite muss endlich alles aufgeklärt werden. Zweifellos: Bundesrat Sa­muel Schmid hat Fehler gemacht. Jetzt muss er hinstehen und mithelfen, den Fall zu klären – und zwar nicht erst am 20. August, sondern so schnell wie möglich.

Fulvio Pelli, Präsident FDP

Der Bundesrat muss schnellstmöglich eine Lage­analyse vornehmen. Die Landesregierung als wählende Behörde, ist nun verpflichtet, den Fall restlos aufzuklären. Auch wenn die Positionen von Roland Nef und Samuel Schmid derzeit ungemütlich sind – für eine Rücktrittsforderung ist es noch zu früh.

Ueli Leuenberger, Präsident Grüne

Treffen die Vorwürfe zu, ist Roland Nef nicht mehr tragbar. Was er seiner Ex-Partnerin angetan haben soll, ist äusserst perfide; so etwas passiert nicht im Affekt. Auch Bundesrat Schmid muss abtreten. Sein Medienauftritt am Freitag war mi­serabel. Er scheint unfähig zu einer klaren Analyse zu sein.

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