Couchepin spricht in der Türkei die Armenierfrage an
Aktualisiert

Couchepin spricht in der Türkei die Armenierfrage an

Auf seiner Reise in der Türkei hat Bundesrat Couchepin Ministerpräsident Erdogan einen Höflichkeitsbesuch abgestattet. Dabei plädierte Couchepin für eine internationale Historikerkommission in der Armenierfrage.

Die Geschichte müsse von den Historikern beurteilt werden, sagte Pascal Couchepin dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan am Dienstagnachmittag.

Gegenüber dem Westschweizer Radio TSR erklärte Couchepin nach dem Treffen: «Die türkischen Behörden gaben dem Wunsch Ausdruck, dass die Schweiz keine Vorreiterrolle übernehme, da die UNO die Ereignisse von 1915 nicht als Völkermord anerkannt hat.»

Couchepin sagte Erdogan, es wäre ihm lieber, in der Schweiz würden die Massaker an den Armeniern als solche bezeichnet und nicht als Völkermord.

Internationale Historikerkommission

Eine internationale Historikerkommission müsse die Ereignisse bewerten und nicht die Politik, sagte Jean-Marc Crevoisier, der Sprecher von Couchepins Departement des Innern, zu Couchepins Äusserungen weiter.

Erdogan erklärte gemäss Crevoisier, er hoffe auf eine baldige Lösung der Justizfälle in Winterthur und Lausanne. Gemäss Crevosier sagte Couchepin, die Gerichte in der Schweiz seien unabhängig.

In Winterthur und Lausanne sind ein türkischer Linksnationalist und ein Historiker wegen Verstoss gegen die Antirassismus-Strafnorm angeklagt. Sie stritten an Vorträgen den Völkermord an den Armeniern ab.

In der Schweiz anerkennen einige Kantonsparlamente und der Nationalrat den Völkermord an den Armeniern, nicht aber der Bundesrat. Die Völkermordfrage sorgt in den Aussenbeziehungen der Türkei immer wieder für Unstimmigkeiten - nicht nur mit der Schweiz.

Integrationsthemen bei allen Treffen

Daneben besprachen die beiden Spitzenpolitiker in Ankara die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. Erdogan wünschte sich mehr Investitionen der Schweiz in seinem Land.

Für eine bessere Integration der Türken in der Schweiz regte Erdogan die Entsendung zusätzlicher Geistlicher und Lehrer an. Couchepin sagte, er nehme den Vorschlag auf. Letztlich bestimmten aber die Kantone über die Zulassung.

Am Morgen tauschte sich Couchepin mit Bildungsminister Hüseyin Celik über die schulische Integration junger Türken in der Schweiz aus. Von den rund 100 000 türkischen Staatsangehörigen ist ein Viertel unter 15 Jahren alt.

Der türkische Bildungsminister Celik sicherte der Schweiz zu, allfällige Projekte zur Verbesserung der Integration junger Türkinnen und Türken in der Schule zu unterstützen.

Mit dem Arbeits- und Sozialminister Murat Basesgioglu besprach Couchepin Integrationsfragen, Themen rund um die Rückkehr von Türken aus der Schweiz sowie die Arbeitslosigkeit.

Mittwoch und Donnerstag reist der Bundesrat in den Südosten der Türkei, wo eine kurdische Bevölkerungsmehrheit lebt. Er trifft dort mit lokalen Behördenvertretern zusammen. Zudem besucht er von der Schweiz unterstützte Kooperationsprojekte. Am Freitag findet in Istanbul ein Treffen mit türkischen Intellektuellen statt. (sda)

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