15.01.2015 20:52

Terror in Frankreich

Coulibalys Schwester gibt Twerking-Kurse

Die Schwester des Geiselnehmers von Paris ist eine Choreografin, die für ihre Tanzklassen bekannt ist. Dort lehrt sie introvertierte Frauen, mit dem Po zu wackeln.

von
kko

Während Extremisten ihren jüngeren Bruder Amedy als Märtyrer feiern, wird Maimouna Coulibaly von ihren Fans als neue Miley Cyrus und Twerking-Queen verehrt. Die 39-jährige Schwester des Geiselnehmers von Paris, der vier Männer und eine Polizistin tötete, ist Choreografin und derzeit mit ihren Twerking-Kursen erfolgreich im Geschäft.

«Ich denke, ich kann Menschen helfen, die zu introvertiert sind, die sich nicht trauen, die frustriert sind», sagt sie in einem Youtube-Video über ihre Arbeit. Sie wolle ihren Teilnehmerinnen helfen, sich selbst «zu befreien» und sich gehen zu lassen – «einfach indem sie ihren Po bewegen», so Coulibaly.

Neben ihren Tanzklassen bietet die Choreografin auch Stunden an, die sie «Booty Therapie» nennt. «Schüttelt all eure Sorgen mit der Booty-Therapie ab», wirbt sie auf ihrer Website. 20 Sitzungen kosten rund 350 Franken.

Bekannt durch Anti-Rassismus-Show

Berühmtheit erlangte Maimouna Coulibaly in Frankreich durch ihre Tanzshow «Heee Mariamou», deren Inhalt sich um das Leben und Aufwachsen im verarmten Pariser Vorort Grigny dreht und auf eigenen Erfahrungen basiert.

Darin zeige sie all die Frustration, Beleidigungen, den Rassismus und die Vorurteile auf, «die meiner Mutter und mir widerfahren sind», beschreibt Coulibaly. Aufgeführt wurde die Show 1999. Nachdem der damalige Präsident Nicolas Sarkozy 2005 die Banlieue-Bewohner als kriminell bezeichnet hatte, wurde das Stück wieder aufgenommen und einem breiteren Publikum bekannt.

Seither wird es in Paris und in San Francisco aufgeführt. «Diese Show soll die Menschlichkeit, die wir alle in uns tragen, unterstreichen. Egal, ob wir schwarz, weiss, nordafrikanisch, asiatisch, alt, jung, hässlich oder hübsch sind», sagte Coulibaly.

Schock für Familie

Während Maimouna an ihrer Karriere im Showgeschäft feilte und sich gegen Rassismus starkmachte, drehte sich Amedys Welt um den Drogenhandel und andere Delikte. Im Gefängnis soll er radikalisiert worden sein. Sie seien schockiert über seine Taten, sagten seine Mutter und Schwestern der «Times». «Wir teilen seine extremistischen Ansichten in keiner Weise».

Der 34-jährige Amedy Coulibaly hatte nach der Attacke von Said und Chérif Kouachi auf die Redaktion der Satirezeitung «Charlie Hebdo» in einem koscheren Geschäft vier Menschen getötet und rund 15 Geiseln genommen. Wie die Kouachi-Brüder wurde auch er von der Polizei erschossen.

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