Corona und KinderwunschCovid-19-Impfung boostet Spermaqualität
Wer zeugungsfähig bleiben möchte, dem raten Experten ausdrücklich zur Covid-19-Impfung. Denn während die Infektion die Zeugungsfähigkeit einschränkt, fördert die Impfung sie.
Darum gehts
Die Covid-19-Impfung verbessert die Spermaqualität.
Negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit hat sie dagegen nicht.
Ganz anders eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2: Die kann der sexuellen Gesundheit des Mannes schaden.
Fruchtbarkeitsexperten und -expertinnen haben entsprechend konkrete Empfehlungen.
Das Coronavirus Sars-CoV-2 macht Alexander B. bei der Familienplanung einen Strich durch die Rechnung. Trotz mildem Krankheitsverlaufs ist der Wiener, der bereits ein Kind hat, plötzlich zeugungsunfähig. «Mich traf das wie ein Keulenschlag. Passt auf! Dieses Virus hat wirklich böse Folgen», warnte er daraufhin öffentlich. Und das ganz zu Recht. Mittlerweile zeigen mehrere Studien, dass das Virus unschöne Folgen für die männliche Gesundheit haben kann: etwa Erektionsstörungen, Schädigung der Hoden, Hodenschmerzen oder -schwellungen, Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erreichen, niedriger Testosteronspiegel und psychische Probleme.
Dass es sich bei Alexander B. um keinen Einzelfall handelt, zeigt auch eine aktuelle Studie von Forschenden der Miller School of Medicine an der Universität von Miami und vorhandene Daten des Kinderwunschzentrums an der Wien. Demnach kann eine Infektion mit Corona bei Männern mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Fertilitätseinschränkungen führen.
Das zeigt die Studie
Das Team um Daniel C. Gonzalez von der Universität von Miami hatte Samenproben von 45 Männern zwischen 18 und 50 Jahren verglichen, die entweder den Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna erhalten hatten. Die Proben wurden jeweils zwei bis sieben Tage vor der ersten Impfdosis und 70 Tage nach der zweiten Impfdosis analysiert. Alle Teilnehmer waren vor der Abgabe jeweils sieben Tage sexuell abstinent geblieben. Den einzigen Unterschied, den Gonzalez und seine Kolleginnen und Kollegen haben ausmachen können, waren nach der Impfung signifikant erhöhte Spermienzahlen – auch bei den acht Teilnehmern, die vor der Immunisierung auffallend wenig Spermien hatten. Von einer Kontamination oder Verschlechterung des Spermas durch die Covid-19-Impfung kann also nicht die Rede sein. Die Studie ist im Fachjournal «Jama» veröffentlicht.
Wer Kinderwunsch hat, soll sich laut Ärztinnen und Ärzten impfen lassen
«Wir sehen auch bei jungen Männern mit Kinderwunsch, die einen milden Corona-Verlauf hatten, häufig Langzeitfolgen im Sinne von stark eingeschränkten Samenbefunden und männlicher Unfruchtbarkeit. Deswegen rate ich auch jungen Männern, entsprechend vorzusorgen und sich unbedingt impfen zu lassen», rät Michael Feichtinger, Kinderwunschexperte am österreichischen Wunschbaby Institut Feichtinger.
Der Einsatz der mRNA-Impfstoffe birgt kein Risiko für die sexuelle Gesundheit des Mannes, wie die Studie zeigt. Sie sind hinsichtlich der männlichen Fruchtbarkeit unbedenklich, so das Fazit. Das bestätigt auch Heinz Strohmer, Leiter des Kinderwunschzentrums an der Wien: «Da es sich bei der Covid-19-Impfung von Biontech/Pfizer und Moderna um keinen Lebendimpfstoff handelt, konnte unter Berücksichtigung der bisherigen Datenlage eine Einschränkung der männlichen Furchtbarkeit durch die Impfung ausgeschlossen werden. Durch diese Studie wurde nun bestätigt, dass sich Männer ohne negative Auswirkung auf ihre Fruchtbarkeit impfen lassen können.»
Auch Katalin Karikó, die als Mutter der mRNA gilt, weiss nichts Gegenteiliges über die Auswirkung der mRNA-Impfung auf die Fruchtbarkeit zu berichten. «Ich bekomme mehr Anrufe, dass diejenigen, die seit Jahren verzweifelt versuchen, schwanger zu werden, zwei Wochen nach der Impfung plötzlich schwanger sind», sagte sie im Interview mit 20 Minuten. Und hat sogar eine mögliche Erklärung parat:
Ausdrückliche Empfehlung
Sowohl Feichtinger als auch Strohmer raten Männern mit Kinderwunsch ausdrücklich zur Covid-19-Impfung. «Wir empfehlen allen Männern, sich, wenn möglich, impfen zu lassen, um kein Risiko hinsichtlich ihrer späteren Zeugungsfähigkeit einzugehen. Männer, die bereits eine Corona-Infektion hatten und einen zukünftigen Kinderwunsch haben, sollten nach einer Ausheilung eine Untersuchung der Samenflüssigkeit (ein sogenanntes Spermiogramm) durchführen lassen» so Feichtinger.
Was Männer laut Strohmer grundsätzlich tun können, um ihre Spermienqualität zu verbessern: «Besonders wichtig ist das Nichtrauchen, ein normales Körpergewicht, ausreichend Sport und körperliche Bewegung sowie der Verzicht auf Anabolika oder Hormonpräparate im Fitnessbereich.» Auch gesunde Ernährung spielt eine bedeutende Rolle.
Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?
Hier findest du Hilfe:
BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00
BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92
Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona
Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen
Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143
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