Argument für Impfung - Covid-19 in der Schwangerschaft kann Lunge von Ungeborenen schädigen
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Argument für ImpfungCovid-19 in der Schwangerschaft kann Lunge von Ungeborenen schädigen

Ist eine werdende Mutter Covid-positiv, ist ihr Baby in Gefahr: Schon ein leichter Verlauf reicht aus, um das Lungenvolumen des Ungeborenen nachhaltig zu schädigen. Das zeigen neue Daten.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Sich gegen Covid-19 impfen lassen oder nicht? Vor dieser Frage stehen noch immer einige Menschen. 

Sich gegen Covid-19 impfen lassen oder nicht? Vor dieser Frage stehen noch immer einige Menschen. 

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Unter den Umgeimpften befinden sich auch Schwangere. Sie befürchten, der Impfstoff könnte ihrem Ungeborenen schaden. Doch die Sorge ist unbegründet. Das zeigen mittlerweile mehrere Studien. 

Unter den Umgeimpften befinden sich auch Schwangere. Sie befürchten, der Impfstoff könnte ihrem Ungeborenen schaden. Doch die Sorge ist unbegründet. Das zeigen mittlerweile mehrere Studien. 

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Argumente für die Impfung von Frauen mit Kinderwunsch und Schwangeren gibt es indes einige. 

Argumente für die Impfung von Frauen mit Kinderwunsch und Schwangeren gibt es indes einige. 

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Erkranken ungeimpfte Schwangere an Covid-19, kann sich das auf das Ungeborene auswirken.

  • Forschende aus München haben nachgewiesen, dass deren Föten ein teilweise deutlich reduziertes Lungenvolumen haben. 

  • Betroffen war in der Studie auch der Nachwuchs von Frauen, die einen leichten Verlauf hatten. 

  • Was das für die Zukunft der Kinder bedeutet, ist noch offen. 

  • Direkt nach der Geburt ging es den Babys gut.

Gegen Covid-19 impfen lassen? Diese Frage wird heiss diskutiert. Auch viele Schwangere beschäftigen sich damit. Schliesslich tragen sie diese Entscheidung für das Ungeborene mit. Einige befürchten, dass die Impfung dem Ungeborenen schaden könnte. Die Sorge ist jedoch nachweislich unbegründet. Sie schützen ihren Nachwuchs sogar – während der Schwangerschaft und danach über die Muttermilch. Das Nichtimpfenlassen ist dagegen potenziell gefährlich für das Ungeborene, wie mittlerweile mehrere Studien zeigen.

Auch die Forschenden des LMU Klinikums der Universität München und des Helmholtz Zentrums München kommen zu diesem Schluss. Das Team um Sophia Stöcklein und Anne Hilgendorff wies mittels pränataler Magnetresonanztomografie (MRT) nach, dass Föten, deren Mütter in der Schwangerschaft eine unkomplizierte Sars-CoV-2-Infektion durchmachten, ein deutlich reduziertes Lungenvolumen haben, heisst es in der Mitteilung zur Studie. Wie stark dies ausfiel, hing mit dem Erkrankungszeitpunkt zusammen.

Letztes Schwangerschaftsdrittel besonders heikel

Insgesamt hatte die Forschungsgruppe 34 Schwangere untersucht, die sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit der Alpha-Variante infiziert hatten. Sie scannten die Lungen der Föten und bestimmten deren Lungenvolumen. Die erhobenen Daten verglichen sie mit denen von Föten, deren Mütter während der Schwangerschaft nicht Covid-positiv getestet worden waren. Referenzkohorte nennen das die Forschenden.

«Die Föten von Schwangeren, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet waren, hatten insgesamt ein im Vergleich zur Referenzkohorte geringeres Lungenvolumen», so Stöcklein. Bei den Föten im dritten Trimenon war der Effekt besonders deutlich, mit durchschnittlich 69 Prozent des zu erwartenden Durchschnittswerts bei normaler Lungenentwicklung.

Folgen noch offen

Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen könnte der Transfer des Virus über die Plazenta in das Fruchtwasser und von dort in die fetale Lunge sein. «Dabei ist das dritte Trimenon in der Lungenentwicklung besonders durch die Reifung wichtiger Zellen an der Gasaustauschfläche gekennzeichnet», erklärt Hilgendorff, «so dass ein Kontakt dieser Zellen mit dem Virus eine Veränderung der Lungenentwicklung bedingen könnte.»

Was das für die Zukunft der Kinder bedeutet, ist noch offen. Positiv ist schon einmal zu bewerten, dass es den Neugeborenen nach Geburt gut ging. Sie waren weder mit Atemnot noch mit anderen Anpassungsstörungen auffällig, so die Forschenden. Inwieweit das reduzierte fetale Lungenvolumen in der weiteren Entwicklung von Bedeutung sein könnte, wollen die Forschenden in Verlaufsstudien bis zum zweiten und fünften Lebensjahr der Kinder beobachten – mit Fragebögen zur Lungenentwicklung und potentiellen Lungenerkrankungen.

Virus kann Fötus töten

Generell sprechen sich die Forschenden für weitere Studien zur Nachverfolgung von Kindern aus, deren Mütter in der Schwangerschaft Sars-CoV2 positiv gewesen sind. «Unsere Studienergebnisse könnten als ein weiterer Faktor gesehen werden, der die Impfempfehlung für Schwangere bekräftigt», erklären sie.

Erst im Februar hatte ein Team um den Pathologen David Schwartz aus Atlanta im Fachjournal «Archives of Pathology & Laboratory Medicine» beschrieben, dass das Virus nicht nur den Fötus selbst infizieren, sondern auch in die Plazenta eindringen und sie zerstören kann, was zum Tod des Fötus führen kann (siehe Faktencheck vom 11. Februar 2022). Im Fachjournal «Jama Internal Medicine» kommt ein anderes Team zu dem Schluss, dass eine Covid-19-Infektion bei ungeimpften Frauen das Risiko von schweren Schwangerschaftskomplikationen verdoppelt.

Das Bundesamt für Gesundheit weist darauf hin, dass auch für die Schwangeren selbst das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf grösser ist, was wiederum «einen negativen Einfluss auf die Schwangerschaft sowie das ungeborene Kind haben kann.» Darum wird die Impfung «allen Frauen ab zwölf Schwangerschaftswochen – das heisst: ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel – empfohlen.» Sie sei aber grundsätzlich auch früher möglich.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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