Aktualisiert 19.04.2020 15:11

Trügerische Sicherheit

Covid-19 ist vor Ausbruch besonders ansteckend

Keine Angst, ich bin kerngesund – diese Aussage ist in Covid-19-Zeiten nichts wert. Denn infektiös ist man schon, bevor Symptome auftauchen.

von
Fee Riebeling
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Bis es dereinst ein Medikament oder einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gibt, ist neben Handhygiene und Abstand auch unser Immunsystem gefordert. Wie du deine Abwehrkräfte ohne viel Aufwand stärken kannst, erfährst du in der folgenden Bildstrecke.

Bis es dereinst ein Medikament oder einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gibt, ist neben Handhygiene und Abstand auch unser Immunsystem gefordert. Wie du deine Abwehrkräfte ohne viel Aufwand stärken kannst, erfährst du in der folgenden Bildstrecke.

epa/Christian Bruna
Empfehlenswert ist beispielsweise die Beachtung des sogenannten Bern-Prinzips, das der deutsche Mediziner Tobias Esch entwickelt hat.  Mit der Schweizer Hauptstadt hat das nichts zu tun.

Empfehlenswert ist beispielsweise die Beachtung des sogenannten Bern-Prinzips, das der deutsche Mediziner Tobias Esch entwickelt hat. Mit der Schweizer Hauptstadt hat das nichts zu tun.

Wikimedia Commons/PD
Die vier Buchstaben stehen vielmehr für Behaviour (Verhalten), Exercise (Bewegung), Relaxation (Erholung) und Nutrition (Ernährung).

Die vier Buchstaben stehen vielmehr für Behaviour (Verhalten), Exercise (Bewegung), Relaxation (Erholung) und Nutrition (Ernährung).

Keystone/Gaetan Bally

Über zwei Millionen Betroffene weltweit und das in nur 3,5 Monaten: Das neuartige Coronavirus breitet sich rasant aus. Mitverantwortlich dafür ist die Tatsache, dass Infizierte auch dann ansteckend sind, wenn sie nie Krankheitszeichen zeigen.

Doch nicht nur die gänzlich symptomlosen Betroffenen können zum Überträger von Sars-CoV-2 werden, wie Forscher aus China im Fachjournal «Nature Medicine» schreiben. Ihre Studie zeigt, dass auch Personen, die später sichtbar erkranken, bereits zwei bis drei Tage vor dem Auftreten der Symptome hochgradig infektiös sein können. Die stärkste Gefährdung ging am Tag vorher von ihnen aus.

Die Erkenntnis, das 44 Prozent der 171 untersuchten Übertragungen vor den ersten Symptomen stattfanden, stellt laut den Wissenschaftlern die bisherigen Massnahmen zur Eindämmung des Pandemie infrage. Sie empfehlen, die Kontakte von Infizierten nicht mehr nur bis zum Zeitpunkt des offensichtlichen Ausbruchs der Krankheit zurückzuverfolgen, sondern auch darüber hinaus. Zudem betonen sie, wie wichtig ein generelles Social Distancing und Abstandhalten sei.

Reichen zwei Meter Abstand?

Ob die zwei Meter ausreichen, die man zwischen sich und anderen Personen lassen soll, muss sich jedoch erst noch zeigen. Denn wie Sars-CoV-2 genau übertragen wird, «ist derzeit die Billionen-Dollar-Frage», so Michael Osterholm, Direktor des Center for Infectious Disease Research and Policy an der University of Minnesota Mitte April zur «New York Times».

Während das Risiko einer Schmierinfektion noch diskutiert wird, gilt die Tröpfcheninfektion (siehe Box) bereits als erwiesen. Voraussetzung dafür ist, dass sich die andere Person in direkter Nähe befindet. Ansonsten sinken die Tröpfchen aufgrund ihres Gewichts zu Boden. Doch möglicherweise haftet Sars-Cov-2 auch an den deutlich leichteren Aerosolen. Diese können aufgrund ihrer geringen Grösse deutlich länger in der Luft überdauern.

So verteilen sich Keime beim Husten in der Luft – mit und ohne Maske. (Video: Bauhaus-Universität Weimar)

Deutliche Hinweise

Bereits im März kamen Forscher im «New England Journal» zu dem Schluss, dass Sars-CoV-2 als Aerosol eine Halbwertzeit von 2,7 Stunden hat. Kritiker wie der deutsche Virologe Christian Drosten monierten jedoch, dass in der Studie ein künstliches Virusaerosol mit einer hohen infektiösen Viruskonzentration zum Einsatz gekommen sei, weshalb keine Schlüsse auf das genaue Übertragungsrisiko gezogen werden könnten. Auch wie weit sich das Virus auf diese Art verbreiten kann, zeigte die Studie nicht.

Ausgeschlossen ist die Art der Infektion dennoch nicht. Darauf deuten unter anderem eine Studie aus Singapur, die Simulation finnischer Forscher und eine Stellungnahme des Robert-Koch-Instituts hin. Für mehr Klarheit soll nun eine Untersuchung des Instituts für Umweltmedizin (IEM) am Münchner Helmholtzzentrum sorgen, wie Spiegel.de berichtet. «Wir wollen herausfinden, in welcher Fraktion der Luft wir das Virus findent, und so verstehen, ob es sich eher an den grösseren oder kleineren Partikeln anheftet», sagt die Institutsdirektorin Claudia Traidl-Hoffmann.

So breitet sich das Coronavirus in der Luft aus. (Video: Aalto University via Youtube)

Arten der Übertragung

Tröpfcheninfektion: Bei einer solchen gelangt der Erreger beim Niesen, Husten, Sprechen durch Speichel-Tröpfchen an die Luft und wird dann von einer anderen Person eingeatmet oder über die Schleimhäute aufgenommen.

Schmierinfektion: Bei einer solchen werden Erreger über eine Kette von Berührungen weiter gereicht. Diese können von Mensch zu Mensch erfolgen, aber auch über Gegenstände.

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