WHO-Bericht – Covid-19-Pandemie wirft Kampf gegen Tuberkulose um Jahre zurück
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WHO-BerichtCovid-19-Pandemie wirft Kampf gegen Tuberkulose um Jahre zurück

Die Corona-Pandemie hat den Kampf gegen Tuberkulose (TB) weit zurückgeworfen. 2020 habe es wieder mehr TB-Tote gegeben, so die WHO. Gründe seien unter anderem das überlastete Gesundheitswesen und die Lockdowns gewesen.

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Um das Coronavirus Sars-CoV-2 einzudämmen, wurde so einiges unternommen. (Im Bild: die Via Nassa in Lugano während des Lockdowns)

Um das Coronavirus Sars-CoV-2 einzudämmen, wurde so einiges unternommen. (Im Bild: die Via Nassa in Lugano während des Lockdowns)

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Die Bekämpfung anderer Infektionskrankheiten ist dabei auf der Strecke geblieben – etwa die der Tuberkulose, wie die Weltgesundheitsorganisation in einem neuen Bericht schreibt. Von geschätzt zehn Millionen neu Erkrankten, wurden nur 5,8 Millionen diagnostiziert.

Die Bekämpfung anderer Infektionskrankheiten ist dabei auf der Strecke geblieben – etwa die der Tuberkulose, wie die Weltgesundheitsorganisation in einem neuen Bericht schreibt. Von geschätzt zehn Millionen neu Erkrankten, wurden nur 5,8 Millionen diagnostiziert.

Wikimedia Commons/CDC/PD
Die TB, wie die Tuberkulose auch bezeichnet wird, war im Jahr 2020 die tödlichste Infektionskrankheit nach Covid-19. Beide Erkrankungen sind nicht nur hoch ansteckend, sondern haben auch noch etwas Anderes miteinander gemein, wie der Blick auf die Geschichte zeigt. 

Die TB, wie die Tuberkulose auch bezeichnet wird, war im Jahr 2020 die tödlichste Infektionskrankheit nach Covid-19. Beide Erkrankungen sind nicht nur hoch ansteckend, sondern haben auch noch etwas Anderes miteinander gemein, wie der Blick auf die Geschichte zeigt.

Wikimedia Commons/Public Health Image Library/PD

Darum gehts

  • Nicht nur das Coronavirus Sars-CoV-2 kann dem Menschen gefährlich werden.

  • Tuberkulose war 2020 die tödlichste Infektionskrankheit nach Covid-19.

  • Von geschätzt zehn Millionen neu Erkrankten, wurden nur 5,8 Millionen diagnostiziert.

  • Damit rückt das Ziel, die Tuberkulose-Epidemie bis zum Jahr 2030 massiv einzudämmen, in weite Ferne.

Dem Kampf gegen die Tuberkulose, kurz: TB, hat die Covid-19-Pandemie nicht gut getan. Der Kampf gegen die weltweit häufigste Infektionskrankheit wurde laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO um Jahre zurückgeworfen. Von knapp zehn Millionen Menschen, die nach Schätzungen im vergangenen Jahr an TB erkrankten, wurden nur 5,8 Millionen diagnostiziert, berichtete die WHO am Donnerstag in Genf. Im Jahr davor waren es noch 7,1 Millionen. Der Rückgang ist unter anderem auf Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen zurückzuführen sowie auf die Überlastung von Gesundheitsdiensten.

TB war 2020 nach Covid-19 die zweithäufigste Todesursache durch einen einzelnen Infektionserreger. Es starben gut 1,5 Millionen Menschen daran, nach 1,4 Millionen im Jahr davor. Der über Jahre geschaffte Trend eines Rückgangs von Neuansteckungen wurde fast gestoppt. Wenn Kranke nichts von ihrer Infektion wissen, können sie nicht behandelt werden. Die Zahlen für 2021 und 2022 dürften deshalb noch schlechter sein, so die WHO. Ausgaben für Diagnose, Behandlung und Prävention gingen 2020 von 5,8 auf 5,3 Milliarden Dollar (4,6 Mrd Euro) zurück. Das ist weniger als halb so viel, wie nach WHO-Angaben nötig wäre.

Was ist Tuberkulose?

Tuberkulose ist eine ansteckende Infektionskrankheit, die durch Tröpfchen, etwa den Husten von Infizierten, übertragen wird. Sie wird durch verschiedene Arten von Mykobakterien (Mycobacterium-tuberculosis-Komplex) verursacht und befällt beim Menschen als Lungentuberkulose am häufigsten die Lunge. Die Krankheit kann erst Jahre nach einer Infektion ausbrechen. Anzeichen sind Husten, Müdigkeit und Fieber. Mit einer mehrmonatigen Antibiotikabehandlung kann sie geheilt werden. Unbehandelt kann sie zum Tod führen.

Zwischenziele deutlich verfehlt

Die WHO-Mitgliedsländer hatten vor sechs Jahren beschlossen, die TB-Epidemie bis 2030 massgeblich einzudämmen. Verglichen mit 2015 sollte die Zahl neuer Fälle pro 100’000 Menschen um 80 Prozent und die Zahl der Todesfälle um 90 Prozent sinken. Die Zwischenziele für 2020 wurden deutlich verfehlt. Die Inzidenz ging bis dahin nur um elf Prozent zurück statt wie angepeilt um 20 Prozent. Bei den Todesfällen lag der Rückgang bei 9,2 statt bei 35 Prozent. Die besten Ergebnisse verzeichnete die WHO-Region Europa, wo die Inzidenz sogar um 25 Prozent und die Zahl der Todesfälle um 26 Prozent zurückging, vor allem wegen Fortschritten in Russland.

Gut ein Viertel aller Tuberkulose-Infizierten lebt in Indien, 8,5 Prozent in China und 8,4 Prozent in Indonesien, gefolgt von den Philippinen, Pakistan und Nigeria. Acht Prozent der TB-Kranken waren mit dem HI-Virus infiziert, das eine Immunschwäche verursacht. Auch in der Schweiz ist TB immer mal wieder ein Thema. Im Jahr 2019 gab es einen Fall auf der Baby-Station des Unispitals Zürich. Im gleichen Jahr wurden einige Fälle im Kanton Aargau bekannt. Im Jahr darauf kam es zu TB-Infektionen in der Strafanstalt Saxerriet in der Ostschweiz.

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