19.11.2020 15:59

CoronavirusCovid-App soll über Superspreader-Events informieren

Infektiologe Marcel Salathé fordert die Implementierung des Rückwärts-Tracings in der bestehenden Covid-App: Wer an einem Superspreader-Event war, soll so identifiziert und informiert werden. Die Testversion einer App existiert bereits.

von
Céline Krapf
1 / 8
Superspreader-Events sollen möglichst schnell identifiziert werden.

Superspreader-Events sollen möglichst schnell identifiziert werden.

Getty Images/iStockphoto
Eine Erweiterung der Covid-App könnte helfen: Die App «NotifyMe» existiert bereits als erste Proof-of-Concept Version.

Eine Erweiterung der Covid-App könnte helfen: Die App «NotifyMe» existiert bereits als erste Proof-of-Concept Version.

Denn: Die Contact-Tracer sind wegen der hohen Fallzahlen vielerorts überlastet.

Denn: Die Contact-Tracer sind wegen der hohen Fallzahlen vielerorts überlastet.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Superspreader-Events sollen möglichst schnell identifiziert werden.

  • Epidemiologe Marcel Salathé schlägt eine Implementierung von Rückwärts-Tracing in der Covid-App vor.

  • So könnte man sehr viele Infizierte ausfindig machen – auch ohne Symptome.

Bislang ist vielfach unklar, wo sich Menschen mit Corona anstecken – dies soll sich nun ändern. Rückwärts-Tracing wird in Expertenkreisen als sinnvolle Ergänzung zur momentanen Strategie gehandelt. Denn: «Noch wichtiger als wer diese Person angesteckt hat, ist auch, wo sich diese Person angesteckt hat», schreibt der Epidemiologe Marcel Salathé auf Twitter. Das Ziel: Superspreader-Events möglichst rasch identifizieren und die dortigen Personen testen. Denn: «Viele Leute stecken wenige an, und wenige aber dafür sehr viele.» Eine erste Proof-of-Concept-Version einer App, die das Backward-Tracing ermöglichen soll, existiert bereits.

Mit diesem System könne man auch Infizierte ausfindig machen, auch ohne Symptome. Und basierend auf den Erkenntnissen die Corona-Massnahmen optimieren: «Man sieht, welche Art von Events problematischer sind als andere», schreibt Salathé. Ein Fokus auf solche Superspreader-Events sei «extrem effizient» für die Infektionskontrolle.

«Worauf warten wir?»

Technisch sei dies problemlos machbar, so das Corona-Taskforce-Mitglied. An Veranstaltungen könnte man mit der App einen QR-Code scannen. «Diese Apps ersetzen quasi die Papierlisten», sagt Salathé. Die Speicherung der Daten erfolge dezentral. Dieses «Presence-Tracing» könne man «sehr einfach» in die aktuelle Covid-App einbauen. Und: Durch die Integration der Codes könne man die potenziellen Infizierten zudem wie gehabt informieren.

Eine erste Proof-of-Concept Version einer derartigen, aber noch separaten App existiert bereits: «NotifyMe» wurde von den gleichen Entwicklern wie der Swiss-Covid-App gebaut. «Worauf warten wir also?», fragt sich Epidemiologe Salathé. Und gibt sich selbst die Antwort: Der Bund müsste diese Entwicklung in Gang setzen. Dort hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bisweilen zwar Kenntnis vom Projekt, aber bislang «keine aktive Rolle». «Ein entsprechendes Update der Swiss-Covid-App ist zurzeit nicht in Planung», schreibt Marco Stücheli, Mediensprecher des BAG.

QR-Code als Voraussetzung

Marcel Salathé ist nicht der erste Experte, der sich für Rückwärts-Tracings einsetzt, auch Infektiologe Philipp Kohler vom Kantonsspital St. Gallen sprach sich Ende Oktober gegenüber 20 Minuten dafür aus. Seine Sorge: Die App muss breit genutzt werden und zudem ein QR-Code für die Events existieren. Aber: «Grundsätzlich denke ich, dass die Effizienz des Tracings so erhöht werden kann, was ich sehr begrüsse.»

Auch Thomas Steffen, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärzte sieht Potenzial in der Erweiterung der App: «Die Bedeutung solcher Systeme wird zukünftig sicher noch grösser werden.» Die Öffnung der App in Richtung Kontaktmanagement sei sicher interessant für die User. «Zukünftig wird vor allem bei wieder niedrigeren Fallzahlen und grösseren Veranstaltungen das Backward-Tracing neben dem Forward-Tracing zusätzlich Gewicht erhalten, um mögliche Herde früher zu erkennen.»

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.