Personelle Probleme – Covid-Ausfälle von Lehrpersonen bringen Schulen ans Limit

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Personelle ProblemeCovid-Ausfälle von Lehrpersonen bringen Schulen ans Limit

Erschöpfte Kollegen, fehlende Aushilfen und Angst vor der Infektion: Covid-19 droht den Schulbetrieb zum Erliegen zu bringen. Es fallen bereits geplante Lektionen aus.

von
Bettina Zanni
Pascal Michel
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Schulen kämpfen mit Ausfällen von Lehrpersonen. 

Schulen kämpfen mit Ausfällen von Lehrpersonen.

20min/Michael Scherrer
Zahlreiche Lehrpersonen fallen wegen Covid aus. 

Zahlreiche Lehrpersonen fallen wegen Covid aus.

Getty Images/iStockphoto
«Wöchentlich fallen Lehrpersonen wegen Ansteckungen aus», sagt Kindergartenlehrkraft Miriam Locher.

«Wöchentlich fallen Lehrpersonen wegen Ansteckungen aus», sagt Kindergartenlehrkraft Miriam Locher.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Die Schulen haben grosse Mühe, den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten, weil zahlreiche Lehrpersonen wegen Covid ausfallen.

  • Ein Zürcher Seklehrer sagt, erstmals habe man an seiner Schule in Bassersdorf Fächer an den Randstunden wie Förderkurse in Deutsch ausfallen lassen müssen.

  • Laut dem Schweizer Lehrerverband gibt es nebst dem Lehrermangel, der bereits schon herrscht, praktisch keine Stellvertretungen mehr.

Corona bringt die Infrastruktur an ihre Grenzen. Polizisten und Polizistinnen fallen aus, Verkehrsbetriebe müssen das Angebot reduzieren – und nun haben auch die Schulen grosse Mühe, den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten – weil zahlreiche Lehrkräfte wegen Covid ausfallen. Das zeigen Recherchen.

Eine Mutter aus Freiburg FR berichtet, dass sich beim Ausbruch an der Schule ihrer Kinder drei Lehrerinnen infiziert hätten. «Aufgrund des Lehrermangels konnte für die Klasse meines Sohnes keine weitere Stellvertretung gefunden werden, nachdem seine Lehrerin auch nach der zehntägigen Isolation nicht gesund genug ist zum Unterrichten.» Nun stehe zur Diskussion, die Schülerinnen und Schüler früher in die Weihnachtsferien zu schicken.

Mehrere gleichzeitig erwischt

Kindergartenlehrkraft Miriam Locher aus Aesch BL erlebt die personelle Situation an der Primarschule als «sehr schwierig». «Wöchentlich fallen Lehrpersonen wegen Ansteckungen aus», sagt die 39-Jährige. Auch sie sei derzeit in Isolation. «Als ich den Impfdurchbruch hatte und ausfiel, hat es gleichzeitig auch mehrere Kolleginnen und Kollegen erwischt.»

Wegen der vielen Ausfälle fänden die Schulen kaum mehr Vertretungen, sagt Locher. «Dazu kommt, dass angefragte Vertretungen ablehnen, weil sie sich vor Weihnachten erst recht nicht dem Risiko einer Infektion aussetzen wollen.» Dies führe dazu, dass die Kinder auf verschiedene Klassen verteilt werden müssten. «Die Betreuung ist dann nicht mehr optimal.»

Manche Lehrkräfte leisten «Doppelschichten»

Der Zürcher Seklehrer Daniel Kachel sagt, erstmals habe man an seiner Schule in Bassersdorf Fächer an den Randstunden wie Förderkurse in Deutsch ausfallen lassen müssen. «Das kennen wir sonst nur vom Gymnasium.» Sandra Locher Benguerel, SP-Nationalrätin und Lehrerin im Bündnerland, berichtet von Doppelschichten, die Kolleginnen und Kollegen leisteten, damit der Schulbetrieb nicht zusammenbreche.

Stecke sich eine Lehrperson an und müsse in Isolation oder wegen eines Kontakts in Quarantäne, sei es sehr schwierig, eine Stellvertretung zu finden, bestätigt Fabio Höhener von der Gewerkschaft VPOD. «Der Markt ist ausgetrocknet.» Zwar gebe es mehrere Tausend Personen, die sogenannte Vikariate, Stellvertretungen, übernehmen. «Doch aufgrund der Ausfälle reicht das im Moment einfach nicht», sagt Höhener.

Er betont, die Belastung der Lehrerinnen und Lehrer sei in der Pandemie ohnehin gross. Hinzu komme jetzt noch die Angst um die eigene Gesundheit. «Ich höre oft von Lehrkräften: «Ich bin zwar geimpft, aber jetzt stehe ich vor einer ganzen Klasse und die Kantone wollen nicht mal repetitiv testen».»

«Überlastet das System»

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) bestätigt das Problem. Nebst den «normalen» Ausfällen wegen Krankheiten oder Unfällen, kämen nun noch die erhöhten coronabedingten Ausfälle dazu und das überlaste das System, sagt LCH-Präsidentin Dagmar Rösler. Die Situation in den Schulen sei sehr unterschiedlich. «Ein Schulhaus hat keine Lehrperson, die fehlt, ein nächstes hat gleich 5 von 25, die fehlen.»

Nebst dem Lehrermangel, der bereits schon herrscht, gibt es laut Rösler praktisch keine Stellvertretungen mehr. «Das heisst, dass die Lehrpersonen vor Ort «übernehmen» müssen.» Dies habe zur Folge, dass sich die Schülerinnen und Schüler immer wieder auf neue Situationen und andere Lehrpersonen einstellen müssten.

Schulen hätten auch Notfallkonzepte

Myriam Ziegler, Amtschefin des Zürcher Volksschulamts, wiegelt ab. Zwar sagt auch sie: «Die Corona-Pandemie ist bei den Ausfällen zwar nicht die einzige, aber sicher mit eine Ursache.» Da Stellvertretungen knapp seien, müssten Lehrpersonen aus dem Team Absenzen übernehmen.

Generell sieht sie für die Schülerinnen und Schüler kein Problem. «Im Schulalltag ist es ausserhalb der aktuellen Pandemie eine gewisse Normalität, dass Lehrpersonen auch mal ausfallen und ersetzt werden müssen.» Die Schulen hätten auch Notfallkonzepte, wenn eine Lehrperson kurzfristig ausfalle und die Zeit überbrückt werden müsse, bis eine Stellvertretung gefunden sei. «Für Schülerinnen und Schüler ist das in der Regel kein Problem.» Man sei aber in Gesprächen, um neue Massnahmen zu evaluieren.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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