Kriminalgericht Luzern: Covid-Betrügerin erschleicht sich 110’000 Franken – 16 Monate Haft

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Kriminalgericht LuzernCovid-Betrügerin erschleicht sich 110’000 Franken – 16 Monate Haft

Eine Frau hat sich während der Corona-Pandemie durch falsche Angaben einen Sofortkredit von über 100’000 Franken erschlichen. Das Geld versuchte sie zu waschen, indem sie das Konto ihres Sohnes benutzte. Das Kriminalgericht verurteilte nun die 37-Jährige.

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20 Minuten Luzern
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Eine 37-jährige Geschäftsfrau ist vom Kriminalgericht Luzern zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt worden. Sie hatte sich im März 2020 einen unrechtmässigen Covid-Sofortkredit von 110’000 Franken verschafft.

Eine 37-jährige Geschäftsfrau ist vom Kriminalgericht Luzern zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt worden. Sie hatte sich im März 2020 einen unrechtmässigen Covid-Sofortkredit von 110’000 Franken verschafft.

imago images/Geisser
Danach versuchte sie, das Geld zu waschen, mithilfe des Kontos ihres Sohnes.

Danach versuchte sie, das Geld zu waschen, mithilfe des Kontos ihres Sohnes.

Kriminalgericht Luzern
Zwei Monate später reichte sie erneut einen Kreditantrag mit falschen Angaben bei einer anderen Bank ein. Die Bank hat jedoch festgestellt, dass bereits ein hoher Kredit gewährt wurde, und genehmigte den Betrag von 80’000 Franken nicht.

Zwei Monate später reichte sie erneut einen Kreditantrag mit falschen Angaben bei einer anderen Bank ein. Die Bank hat jedoch festgestellt, dass bereits ein hoher Kredit gewährt wurde, und genehmigte den Betrag von 80’000 Franken nicht.

20min/Sara Formentin

Darum gehts

  • Eine 37-Jährige hat sich mit falschen Angaben rund 110’000 Franken Corona-Sofortkredit verschafft und versucht, durch ihren Sohn das Geld zu waschen.

  • Das Luzerner Kriminalgericht hat die Frau unter anderem wegen Betrugs und Geldwäscherei schuldig gesprochen.

  • Die Frau wird unter anderem zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt und muss Schadenersatz bezahlen.

Eine Frau (37) hat seit Juni 2018 als einzige Gesellschafterin eine Handelsgesellschaft im Aus- und Innenausbau. Im März 2020 beantragte sie in deren Namen bei einer Bank einen zinslosen Corona-Kredit. Der Bund hatte damals für durch die Pandemie in Liquiditätsengpässe gerutschte Unternehmen Soforthilfe gesprochen. Mit der inhaltlich falsch ausgefüllten Kreditvereinbarung erschlich sich die Beschuldigte rund 110’000 Franken bei der Bank. Die 37-Jährige wusste, dass sie mit den wahren Angaben diesen Kredit gar nicht erhalten hätte, da die Voraussetzungen der Covid-19-Verordnung nicht erfüllt wurden.

Ausserdem hatte sie laut Gericht nie die Absicht, den erhaltenen Kreditbetrag für die pandemiebedingten Liquiditätsbedürfnisse des Unternehmens zu verwenden – sondern nutzte das Geld zu ihren eigenen Gunsten. Laut Gerichtsurteil ging sie davon aus, dass die Bank den Antrag nicht überprüfen würde. Prekär: Die Frau sah voraus, dass die Bank als ihre Hausbank mit bereits bestehender Geschäftsbeziehung wegen des Vertrauensverhältnisses, der vielen Kreditanträge und der ausserordentlichen wirtschaftlichen Lage keine Möglichkeit hat, die Angaben zu überprüfen.

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Anschliessend wollte sie das Geld waschen, indem sie vom Gesamtbetrag 40’000 Franken an ihren Sohn und wieder retour an sich selbst überwies – und davon einen Teilbetrag in bar bezog. Weiter hat die Frau im Mai 2020 erneut einen unberechtigten Kreditantrag bei einer anderen Bank eingereicht, im Umfang von 80’000 Franken. Die Bank stellte jedoch fest, dass bereits zwei Monate vorher ein Kredit gewährt wurde. Somit erhielt sie keine weitere Liquidität und der Schwindel flog auf.

Knapp 80’000 Franken Schadenersatz

Wegen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung und Geldwäscherei verurteilt das Kriminalgericht die Beschuldigte zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten. Zudem muss sie der Bürgschaftsgenossenschaft einen Schadenersatz in der Höhe von 78’534 Franken bezahlen. Auch für die Gerichtskosten von knapp 5000 Franken muss sie aufkommen. Die Frau gibt die Straftaten vollumfänglich zu und erklärt sich für schuldig. Das Urteil ist rechtskräftig. Berufung wurde nicht angemeldet. 

Erst kürzlich wurde ein 42-jähriger Geschäftsmann aus Luzern in einem ähnlichen Fall zu 33 Monaten Haft verurteilt. Er hatte sich im März 2020 einen Covid-Sofortkredit von 500’000 Franken verschafft. Der Mann erhielt die maximale Nothilfe, weil er einen viel zu hohen Umsatz seiner Firma angab. Von dem Geld habe er unter anderem eine Rechnung beim Betreibungsamt beglichen, vier Autos geleast und sich und seinem Bruder einen überrissenen Lohn gewährt.  

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