Hersteller-Meldung – Covid-Medikament Molnupiravir ist deutlich weniger wirksam als erhofft
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Hersteller-MeldungCovid-Medikament Molnupiravir ist deutlich weniger wirksam als erhofft

Das bisher als «Gamechanger» gefeierte Medikament Molnupiravir schützt nicht so gut vor schweren Covid-19-Verläufen wie bisher gedacht. Hersteller MSD musste die Wirksamkeit um 20 Prozent nach unten korrigieren.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Molnupiravir deutlich weniger wirksam als angegeben – das hat der Hersteller, der Pharmakonzern MSD, nun bekanntgegeben. Statt das Risiko für eine Spitaleinweisung zu halbieren, reduziert es das Risiko nur um 30 Prozent. 

Molnupiravir deutlich weniger wirksam als angegeben – das hat der Hersteller, der Pharmakonzern MSD, nun bekanntgegeben. Statt das Risiko für eine Spitaleinweisung zu halbieren, reduziert es das Risiko nur um 30 Prozent.

AFP
Das antivirale Medikament verringert die Fähigkeit des Coronavirus, sich in den Körperzellen zu vermehren, und bremst damit die Weiterentwicklung von Covid-19 ab. Ein ähnliches Mittel hat der US-Pharmariese Pfizer entwickelt. Anfang November gab Pfizer die Wirksamkeit seines Medikaments Paxlovid mit 89 Prozent an. 

Das antivirale Medikament verringert die Fähigkeit des Coronavirus, sich in den Körperzellen zu vermehren, und bremst damit die Weiterentwicklung von Covid-19 ab. Ein ähnliches Mittel hat der US-Pharmariese Pfizer entwickelt. Anfang November gab Pfizer die Wirksamkeit seines Medikaments Paxlovid mit 89 Prozent an.

Reuters
Angesichts der Omikron-Variante hält der US-Biomediziner Eric Topol das Pfizer-Medi für besser geeignet. Er ruft auf Twitter dazu auf, «diese kleinen Moleküle» in Massen herzustellen. «Insbesondere Paxlovid, das die vorgelagerten Mpro-Prozesse ausschaltet und viel wirksamer ist als Molnupiravir (bis jetzt)», so Topol.

Angesichts der Omikron-Variante hält der US-Biomediziner Eric Topol das Pfizer-Medi für besser geeignet. Er ruft auf Twitter dazu auf, «diese kleinen Moleküle» in Massen herzustellen. «Insbesondere Paxlovid, das die vorgelagerten Mpro-Prozesse ausschaltet und viel wirksamer ist als Molnupiravir (bis jetzt)», so Topol.

Reuters

Darum gehts

  • Der Pharmakonzern MSD hat seine Daten zur Wirksamkeit von Molnupiravir bei Covid-19 korrigiert.

  • Statt wie bisher angegeben das Risiko für schwere Verläufe zu halbieren, reduziert es das Risiko nur um 30 Prozent.

  • Angesichts der neuen Coronavirus-Variante Omikron empfiehlt es US-Mediziner auf ein anderes virales Medikament zu setzen: Paxlovid von Pfizer.

Das neue Corona-Medikament Molnupiravir des US-Pharmakonzerns MSD ist nach Herstellerangaben deutlich weniger wirksam als bislang angegeben. Laut von Merck Sharp & Dohme (MSD) vorgelegten Zahlen senkte die auch unter dem Namen Lagevrio bekannte Pille in einer klinischen Studie das Risiko einer Krankenhauseinweisung oder eines Todes um 30 Prozent. Anfang Oktober hatte das Unternehmen auf Grundlage vorläufiger Zahlen noch von einer Senkung um 50 Prozent gesprochen. Damals hatten aber noch nicht Daten zu allen Teilnehmern der klinischen Studie vorgelegen. Das ist jetzt der Fall.

Molnupiravir war Anfang November in Grossbritannien als erstem Land weltweit zugelassen worden. Derzeit prüft die EU-Arzneimittelbehörde EMA eine Zulassung und könnte nach eigenen Angaben «innerhalb weniger Wochen» eine Stellungnahme abgeben. Am Dienstag wird sich zudem ein Expertengremium der US-Arzneimittelbehörde FDA mit Molnupiravir befassen.

Ändert Molnupiravir das Erbgut?

Bisher wurde Medikament Molnupiravir als «Gamechanger» in der Covid-19-Pandemie gefeiert. Schliesslich hiess es, es halbiere das Risiko für schwere Krankheitsverläufe bei Covid-19. Doch schon seit längerem steht die Befürchtung im Raum, dass ein Inhaltsstoff von Molnupiravir das Erbgut schädigen kann. Denn das kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausgeschlossen werden: Ein wirksamer Bestandteil von Molnupiravir – β-D-N4-Hydroxycytidin (NHC) – hat zumindest das Potenzial, das menschliche Erbgut zu schädigen. Denn NHC kann nicht nur in die RNA, sondern auch in die DNA eingebaut werden. Das zeigte eine frühere Studie von Forschenden der University of North Carolina in Zellkulturen von Hamstern. Sollte das auch für den Einsatz am Menschen zutreffen, wäre das «eine gefährliche Sache, denn man will nicht in die DNA im menschlichen Körper eingreifen, weil das zu allen möglichen Folge-Problemen führen kann», zitiert BR.de Patrick Cramer, Molekularbiologe und Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen. Nur wenn das ausgeschlossen wird, könne man in die breite Anwendung gehen.

Konkurrent Pfizer hat bei Omikron die Nase vorn

Das antivirale Medikament verringert die Fähigkeit des Coronavirus, sich in den Körperzellen zu vermehren, und bremst damit die Weiterentwicklung von Covid-19 ab. Ein ähnliches Mittel hat der US-Pharmariese Pfizer entwickelt. Anfang November gab Pfizer die Wirksamkeit seines Medikaments Paxlovid mit 89 Prozent an. Die Pillen haben den Vorteil, dass sie einfach zu Hause eingenommen werden können. Andere Mittel wie das antivirale Medikament Remdesivir müssen dagegen intravenös verabreicht werden.

Die US-Regierung gab vergangene Woche eine Grossbestellung von zehn Millionen Packungen des Pfizer-Medikaments für 5,3 Milliarden Dollar (knapp 4,7 Milliarden Euro) bekannt. Die Bestellung erfolgte unter Vorbehalt einer FDA-Zulassung.

Erst am Wochenende hatte der US-Biomediziner Eric Topol sich angesichts der neuen Coronavirus-Variante aus Südafrika auf Twitter zu den antiviralen Covid-19-Medikamenten geäussert: «Wenn sich herausstellt, dass Omikron das Immunsystem in erheblichem Mass umgehen kann, werden die Pillen eine wichtige Verteidigungsschicht bilden.» Er ruft dazu auf, «diese kleinen Moleküle» in Massen herzustellen. «Insbesondere Paxlovid, das die vorgelagerten Mpro-Prozesse ausschaltet und viel wirksamer ist als Molnupiravir (bis jetzt)», so Topol.

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