Novartis und Molecular Partners – Schweizer Covid-Mittel vor Durchbruch – BAG kriegt erste 200’000 Dosen
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Novartis und Molecular PartnersSchweizer Covid-Mittel vor Durchbruch – BAG kriegt erste 200’000 Dosen

Ein Corona-Wundermittel aus der Schweiz wird wohl der nächste Kassenschlager. Der Ansturm der Regierungen aufs Medikament steht offenbar kurz bevor.

von
Fabian Pöschl
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Die Firma Molecular Partners hat ein Covid-Mittel entwickelt, das in klinischen Tests überzeugt hat.

Die Firma Molecular Partners hat ein Covid-Mittel entwickelt, das in klinischen Tests überzeugt hat.

Molecular Partners
Das Medikament hat noch keine Zulassung, das kann laut CEO Patrick Amstutz aber sehr schnell gehen.

Das Medikament hat noch keine Zulassung, das kann laut CEO Patrick Amstutz aber sehr schnell gehen.

Molecular Partners
Für die Zulassung und den Vertrieb suchte die Firma aus Schlieren einen Partner.

Für die Zulassung und den Vertrieb suchte die Firma aus Schlieren einen Partner.

Molecular Partners

Darum gehts

  • Ein Schweizer Covid-Mittel hat bei Tests seine Wirksamkeit bewiesen.

  • Das Mittel kommt von Molecular Partners, Novartis übernimmt die Lizenzierung.

  • Jetzt haben die Firmen Aussicht auf viel Geld.

Das Schweizer Corona-Mittel Ensovibep reduziert die Viruslast und schützt vor Hospitalisierungen. Das hat ein Phase-II-Test gezeigt, über die der Schweizer Pharmariese Novartis und Molecular Partners aus Schlieren am Montag informiert haben.

Novartis ist dabei, die Lizenz für die Notfallzulassung in den USA zu beantragen. «Das kann sehr schnell gehen und wird auch in der Schweiz vorangetrieben», sagt Patrick Amstutz, CEO von Molecular Partners, zu 20 Minuten. Die Schweiz habe das Infusionsmittel gesponsert und deshalb die Möglichkeit, die ersten 200’000 Dosen zu kaufen. Verträge mit anderen Ländern gebe es noch nicht.

«Wer jetzt nicht bestellt hat nachher Lieferprobleme»

Doch das wird wohl nicht mehr lange dauern. «Wer jetzt nicht bestellt, hat nachher vielleicht Lieferprobleme», sagt Pharma-Analyst Stefan Schneider von der Bank Vontobel. Pfizer und Merck hätten für ihre Corona-Pillen allein mit Bestellungen vom US-Staat Zusagen für Umsätze in Milliardenhöhe.

Ob es solche Beträge auch für das Schweizer Infusionsmittel geben wird, ist noch offen. Doch weil «noch niemand weiss, welches Mittel das beste ist», so Schneider, «sind grosse Umsätze auch für das neuartige Medikament denkbar – vorausgesetzt die Notfallzulassung kommt.»

Seit einem Jahr arbeitet Molecular Partners mit Novartis zusammen, weil es für die klinische Studie einen grossen Partner brauchte, sagt CEO Amstutz. Ausserdem biete Novartis mit Sandoz die ideale Logistik. Der Basler Pharmariese ist nun verantwortlich für Entwicklung, Herstellung, Vertrieb und Kommerzialisierung des Mittels.

Novartis zahlt Millionen

Dafür bekam Molecular Partners Millionen. Mit der Vertragsunterzeichnung vor einem Jahr gabs zu Beginn 60 Millionen Franken von Novartis und mit Bestehen des Tests weitere 150 Millionen Franken. Zudem bezahlte der Pharmakonzern seither alle Ausgaben in Höhe eines wohl zweistelligen Millionenbetrags, so Amstutz. Dazu gibt es 22 Prozent Umsatzbeteiligung am Medikament. «Es ist ein guter Deal für beide», sagt Amstutz.

Auch Pharma-Analyst Schneider ist überzeugt, dass beide Firmen von der Zusammenarbeit profitieren. «Für Molecular Partners ist es ein super Deal, weil es mit dem Geld von Novartis die Finanzierung bis ins Jahr 2025 absichern kann», so Schneider. Ausserdem seien 22 Prozent Umsatzbeteiligung sehr viel, zumal das während Phase zwei ausgehandelt wurde. Die Aktie der Firma stieg am Montag um rund 25 Prozent.

Novartis profitiere seinerseits davon, dass es nun auch im Kampf gegen Corona aktiver dabei sei. «Zu Beginn der Pandemie warf der Markt Novartis vor, zu zögerlich zu handeln. Jetzt haben sie die Möglichkeit, aktiv mit dabei zu sein – und können, unter Umständen, grosse Umsätze erzielen», sagt Schneider.

Novartis-Aktie dürfte weiter zulegen

Die Aktie von Novartis stieg zwar weniger als ein Prozent, doch zusätzlich zur Tatsache, dass das Medikament noch die Zulassungshürde nehmen muss, «ist Novartis auch viel grösser als Molecular Partners, deshalb ist der Ausschlag nach oben nicht so gross», so Schneider.

Wenn das Mittel die Zulassung erhält, dürfte die Novartis-Aktie aber nochmals deutlich zulegen. Solche kommerziellen Meilensteine bringen in der Regel grössere Aktienbewegungen, sagt Pharma-Experte Gianpaolo Chiriano von der Privatbank Mirabaud zu 20 Minuten. Chiriano sieht in Ensovibep eine «echte Alternative» zu den bestehenden Therapien, die bei der Behandlung der neuen Varianten möglicherweise weniger wirksam sind. Er schätzt das Umsatzpotenzial auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Auch Pharma-Experte Lorenzo Biasio von der Credit Suisse hält einen Umsatz mit dem Medikament von mehreren Hundert Millionen Franken für realistisch. «Am Ende könnte es für beide Firmen eine positive Geschichte sein», sagt Biasio.

Das ist Molecular Partners

Molecular Partners ist ein 2004 gegründetes Spin-off der Uni ZH mit über 150 Angestellten in Schlieren und drei Mitarbeitenden in den USA. Die Firma begann mit Krebsmedikamenten und entwickelte dann das Corona-Mittel.

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