11.09.2020 14:38

«Kein einziges Bett ist frei»Covid-Patienten ohne Symptome überfordern Freiburger Spitäler

In einem Freiburger Pflegeheim brach das Coronavirus aus. Weil die Bewohner in Spitäler verlegt wurden, kämpft der Kanton nun mit Bettennotstand. Ob dies die zweite Corona-Welle ankündigt, ist schwer zu sagen, so ein Arzt.

von
Lara Hofer
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Die Covid-Erkrankten des Pflegeheims in Siviriez  wurden in Freiburger Spitäler verlegt.

Die Covid-Erkrankten des Pflegeheims in Siviriez wurden in Freiburger Spitäler verlegt.

keystone-sda.ch
Auch Patientinnen und Patienten ohne Symptome, die keine Spitalpflege nötig hätten, wurden verlegt.

Auch Patientinnen und Patienten ohne Symptome, die keine Spitalpflege nötig hätten, wurden verlegt.

h-fr.ch/Charly Rappo
Durch die Verlegung sind die Spitäler nun überfüllt und überfordert.

Durch die Verlegung sind die Spitäler nun überfüllt und überfordert.

h-fr.ch/Charly Rappo

Darum gehts

  • Im Pflegeheim in Siviriez FR wurden über die Hälfte der Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet.
  • Die Seniorinnen und Senioren wurden in Spitäler verlegt, egal ob sie Symptome hatten oder nicht.
  • Die Aufnahme von Pflegeheimbewohnern bringt die Spitäler an den Rand ihrer Kapazität. Das Spital in Riaz ist bereits voll.
  • Der Mangel an Pflegepersonal erschwert die Lage zusätzlich.

Mehr als die Hälfte der 54 Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims in Siviriez sind positiv auf Covid-19 getestet worden. Sie mussten deshalb ins Spital in Riaz verlegt werden. Nun ist das Spital voll: «Kein einziges Bett ist noch frei», sagte Nicolas Blondel, leitender Arzt der Abteilung Innere Medizin im Freiburger Spital HFR, gestern vor den Medien. «Wir haben neun Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims aufgenommen, obwohl sie keine Spitalpflege benötigen», so Blondel. Die Seniorinnen und Senioren seien zwar positiv auf Covid-19 getestet worden, würden jedoch keine Symptome aufweisen. «Die Leute belegen somit Betten, die eigentlich für Patientinnen und Patienten vorgesehen wären.»

Kaum noch freie Kapazität

Wie die Zeitung «Freibuger Nachrichten» berichtete, sehe die Lage im Kantonsspital in Freiburg ähnlich aus wie in Raiz. 17 Spitalbetten seien mit Seniorinnen und Senioren belegt, die bloss auf einen Eintritt ins Pflegeheim warten, so Blondel. «Sie besetzen Betten der Akutversorgung, ohne auf Spitalpflege angewiesen zu sein.» Da es in den Pflegeheimen an Plätzen für kurzfristige Aufenthalte mangle, müssten die Menschen nun im Spital verweilen, erklärt Blondel. Das Freiburger Spital hat somit kaum noch Kapazität: Gestern seien bloss noch sieben Betten frei gewesen.

Mangel an Pflegepersonal

Nicht nur die fehlende Kapazität bringe das Spital in eine schwierige Lage: «Es fehlt uns an Pflegepersonal», sagte Pflegedirektorin Catherine Dorogi. Aus Gründen wie Krankheit, Mutterschaft oder Ferien seien zurzeit 60 bis 80 Personen abwesend. «Solche Zahlen haben wir sonst nur im Winter, wenn die Grippe da ist», so Dorogi. Einige Angestellte werden zudem wegbleiben, weil sie in Quarantäne sind oder zu Hause auf die Kinder aufpassen müssen, die nicht in die Kita oder Schule gehen dürfen. «Wir schauen nun, ob es möglich ist, einige Personen zurückzuholen.» In einigen Fällen könne man vielleicht eine sinnvolle Lösung finden.

Alarmglocke für die Bevölkerung

Nicolas Blondel hält die jetzige Situation für beunruhigend. «Ob sich damit eine zweite Corona-Welle ankündigt, weiss ich nicht», sagte er. Das Spital habe derzeit nicht viele Covid-Patienten und niemand davon befinde sich auf der Intensivstation. «Wir sehen aber, dass die Krankheit für die Pflegeheime sehr schwierig ist.» Das Virus könne sich rasch verbreiten, da auch die älteren Personen oft keine Symptome zeigten – wie in Siviriez. «Wenn dann jemand in diesem Alter Symptome zeigt, ist die Sterblichkeit hoch.»

Der Auftritt vor den Medien solle deshalb eine Alarmglocke für die Bevölkerung sein. Das Spital wolle die Leute darauf aufmerksam machen, sich weiterhin an die Hygiene- und Distanzregeln zu halten. Denn: «Es sind das Personal und die Besucher, die das Virus in ein Pflegeheim bringen», sagte Blondel. Ist das Virus da, sei es schwierig, Lösungen zu finden, die auch menschlich stimmen. Die Bewohner der Pflegeheime stünden am Lebensende; den Kontakt mit Angehörigen zu verbieten, sei daher schwierig. Hinzu kommt, dass eine Verlegung für viele Seniorinnen und Senioren stressig sei.

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381 Kommentare
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Diana

12.09.2020, 23:56

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Klaus

12.09.2020, 20:27

Da werden Falsch positive in Kliniken gelegt um künstlich einen Notstand zu erzeugen.

roswita

12.09.2020, 14:57

Ich kenne mmer noch niemand der Corona hat