Erfahrungsbericht - Alastair Fraser-Urquhart (18) liess sich freiwillig mit Corona infizieren
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Freiwillig angestecktCovid-Versuchskaninchen Alastair Fraser erzählt von seinen Erfahrungen

Der 18-jährige Alastair Fraser-Urquhart nahm an der ersten Studie weltweit teil, bei der Probanden das Virus absichtlich verabreicht wurde. Heute geht es ihm offenbar gut und er bereut nichts.

von
Patrick McEvily
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Alastair Fraser-Urquhart aus der englischen Stadt Stoke-on-Trent liess sich für eine wissenschaftliche Studie mit dem Coronavirus infizieren.

Alastair Fraser-Urquhart aus der englischen Stadt Stoke-on-Trent liess sich für eine wissenschaftliche Studie mit dem Coronavirus infizieren.

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Die britische Regierung förderte die Studie des Londoner Imperial College in Zusammenarbeit mit dem Londoner Royal Free Hospital mit 33,6 Millionen Pfund (42,2 Millionen Franken).

Die britische Regierung förderte die Studie des Londoner Imperial College in Zusammenarbeit mit dem Londoner Royal Free Hospital mit 33,6 Millionen Pfund (42,2 Millionen Franken).

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An der weltweit ersten Studie dieser Art durften bis zu 90 Probanden im Alter von 18 bis 30 Jahren teilnehmen.

An der weltweit ersten Studie dieser Art durften bis zu 90 Probanden im Alter von 18 bis 30 Jahren teilnehmen.

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Darum gehts

  • Im März diesen Jahres startete an einem Londoner Spital ein zweiwöchiger Corona-Versuch.

  • Dabei wurde Probanden das Coronavirus injiziert.

  • Alastair Fraser-Urquart hatte sich freiwillig für das Experiment angemeldet und erzählt nun von seinen Erlebnissen.

Es seien zwischendurch ein paar «harte» Tage gewesen, doch bereuen würde er die Erfahrung nicht. Das erzählt der 18-jährige Alastair Fraser-Urquhart in einem am Dienstag veröffentlichten Interview in der britischen Zeitung «The Guardian». Der junge Engländer war einer von 90 Probanden, die sich im vergangenen März im Rahmen eines wissenschaftlichen Experiments freiwillig mit dem Coronavirus infizieren liess.

14 Tage lang mussten die Teilnehmer der Studie in Quarantäne mit dem Virus leben. Das Coronavirus sei ihnen per Nasenspray eingefügt worden von medizinischem Personal, das komplett in Schutzausrüstung aufgetreten sei, erinnert sich Fraser. «Die haben die Sekunden abgezählt – wie bei einem Raketenstart!» und: «Nachdem wir das Virus erhalten hatten, klatschten wir einander ab. Es war echt komisch. So à la: ‹Yay, wir haben Covid!?›.»

Anzeichen von Long Covid bis jetzt nicht aufgetreten

Direkt nachdem er und ein weiterer Proband das Virus erhalten hatten, ging es den beiden noch gut, berichten sie dem «Guardian». Anschliessend habe sich ihr Gesundheitszustand über einige Tage verschlechtert, bevor es wieder bergauf ging. Dass er an der Studie teilgenommen hat, bereut er nicht – im Gegenteil: «Es war etwas vom Besten, was ich je in meinem Leben gemacht habe und vielleicht auch je machen werde.»

Für die Wissenschaft nahm der Medizinstudent auch das Risiko von langfristigen Schäden auf sich. Solche scheinen bisher aber nicht aufgetreten zu sein.

Er spendete seine Entlohnung an die Wissenschaft

Die Probanden wurden während ihrer Zeit am Royal Free Hospital in London 24 Stunden am Tag überwacht, regelmässig wurde ihnen Blut abgenommen und es wurden Nasenabstriche gemacht. Sinn und Zweck des Versuchs war es, zu verstehen, wie das Immunsystem auf das Virus reagiert. Aber auch, ob neue Impfstoffe die Menschen vor einer neuerlichen Ansteckung schützen würden, wollten die Wissenschaftler wissen.

Das ist auch der Grund, wieso Alastair nach wie vor froh ist, an der Studie teilgenommen zu haben: «Wir hatten grosses Glück mit den mRNA-Stoffen. Wir hatten aber keine Garantie, dass diese so gut funktionieren würden». Das Geld, das er für seine Teilnahme erhielt (umgerechnet 5650 Franken) spendete er an eine weltweite Initiative, die die Impfungen für möglichst viele Menschen bereitstellen will.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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