BAG passt Empfehlung an - Covid-Zertifikat für Genesene könnte bald deutlich kürzer gültig sein
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BAG passt Empfehlung anCovid-Zertifikat für Genesene könnte bald deutlich kürzer gültig sein

Wer genesen ist, soll sich neu spätestens nach drei Monaten impfen lassen. Politiker fordern, dass die Dauer des Zertifikats verkürzt wird. Auch Experten könnten sich das vorstellen.

von
Daniel Graf
Pascal Michel
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Das Covid-Zertifikat ist für Genesene derzeit sechs Monate gültig. 

Das Covid-Zertifikat ist für Genesene derzeit sechs Monate gültig.

20min/Michael Scherrer
Nun hat das Bundesamt für Gesundheit die Impfempfehlung für Genesene angepasst: Sie sollen sich ein bis drei Monate nach der Infektion einmal impfen lassen. 

Nun hat das Bundesamt für Gesundheit die Impfempfehlung für Genesene angepasst: Sie sollen sich ein bis drei Monate nach der Infektion einmal impfen lassen.

20min/Celia Nogler
Politiker und Politikerinnen und Experten und Expertinnen fordern deshalb, dass auch das Covid-Zertifikat nur noch drei oder vier Monate gültig ist. 

Politiker und Politikerinnen und Experten und Expertinnen fordern deshalb, dass auch das Covid-Zertifikat nur noch drei oder vier Monate gültig ist.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Das Bundesamt für Gesundheit hat die Impfempfehlung für Genesene angepasst: Neu sollen sich Genesene spätestens drei Monate nach der Infektion impfen lassen.

  • GLP-Nationalrat Martin Bäumle fordert deshalb eine Anpassung der Gültigkeitsdauer des Covid-Zertifikats: Für Genesene soll es maximal vier Monate gültig sein.

  • Auch der Tessiner Infektiologe Christian Garzoni sagt, dass eine Anpassung eventuell nötig sein wird, sobald das BAG den Zeitpunkt für Drittimpfungen festgelegt hat. Das soll nun schnell passieren.

  • Anders sieht es der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen: Ansteckungen innerhalb von sechs Monaten nach der Genesung seien aktuell selten.

Das BAG hat vor einigen Tagen seine Impfempfehlung angepasst: Wer von Covid-19 genesen ist, soll sich neu frühestens vier Wochen und spätestens drei Monate nach durchgemachter Infektion mit einer Dosis impfen lassen. Bisher hiess es, die Impfung sei sechs Monate nach der Infektion fällig. Dies, weil die Impfung nach einer Infektion den Schutz vor neuen Varianten wie Delta erhöhen könne und daher eine zeitnahe Impfung «in der aktuellen epidemiologischen Lage wichtig» sei.

Das Zertifikat für Genesene ist laut der BAG-Homepage nach wie vor sechs Monate gültig. «Aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse kann die Gültigkeitsdauer angepasst werden», heisst es da aber. Ob das BAG bald eine Änderung an der Gültigkeitsdauer des Zertifikats vornimmt, war übers Wochenende nicht in Erfahrung zu bringen.

«Zertifikat für Genesene und Getestete zu lange gültig»

Aus der Politik werden jetzt Stimmen laut, die genau das fordern: «Aufgrund des möglicherweise schneller abnehmenden Impfschutzes bei der Delta-Variante sollten Zertifikate für Geimpfte höchstens acht, aufgrund der aktualisierten Impfempfehlung diejenigen für Genesene maximal vier Monate gültig sein», sagt GLP-Nationalrat und Wissenschaftler Martin Bäumle. Danach schlägt er Antikörper-Tests vor, um festzustellen, wie gut man noch geschützt ist. «Wenn sich zeigt, dass die Antikörper-Konzentration nach wie vor genügend hoch ist, könnte das Zertifikat etwa um weitere zwei Monate verlängert werden. Andernfalls bräuchte es eine Auffrischungsimpfung.»

Auch für Getestete würde Bäumle die Gültigkeitsdauer verkürzen: «Ein Antigen-Schnelltest sollte nur noch für acht Stunden ein Zertifikat bringen, also für einen Abendausgang. Und beim PCR-Test sollte das Zertifikat für 24 oder höchstens 36 Stunden gültig sein. Längere Gültigkeiten sind wissenschaftlich schwer begründbar und gaukeln eine falsche Sicherheit vor.» Dazu komme: «Der Druck auf Ungeimpfte würde über eine Verkürzung der Zertifikatsdauer nach Tests sanft erhöht, die Impfquote könnte so wohl gerade bei Jungen gesteigert werden.»

«Durch kürzere Zertifikatsdauer liessen sich mehr Menschen impfen»

Bäumle glaubt, dass eine verkürzte Dauer des Zertifikats für Genesene dazu führen würde, dass mehr Menschen sich impfen liessen: «Ich würde es so oder so allen Genesenen empfehlen, sich nach drei Monaten noch einmal impfen zu lassen. Über eine verkürzte Zertifikatsdauer könnte der Anreiz sicher gesteigert werden.»

SP-Nationalrätin Yvonne Feri pflichtet Bäumle bei: «Da müssen wir auf die Wissenschaft hören und ihren Empfehlungen folgen. Insofern wird es wohl korrekt sein, die Gültigkeitsdauer des Zertifikates für Genesene zu kürzen.» Sie sei überzeugt davon, dass diese Massnahme die Impfbereitschaft erhöhen könnte. «Gerade Genesene mit schwereren Verläufen möchten das bestimmt kein zweites Mal durchstehen.»

«BAG muss Zeitpunkt für Drittimpfungen festlegen»

Infektiologe Andreas Widmer plädiert ebenfalls dafür, die Zertifikatsdauer bei Genesenen aufgrund der neuen Impfempfehlungen anzupassen: «Gerade impfskeptische Menschen, die sich in jüngster Zeit angesteckt haben, würden sich wohl eher impfen lassen, wenn das Zertifikat nur drei Monate gültig wäre.»

Auch der Tessiner Infektiologe Christian Garzoni sagt: «Das BAG sollte anhand der verfügbaren Daten möglichst bald festlegen, wann eine dritte Impfung für wen nötig wird. Wenn das klar ist, muss eventuell auch die Gültigkeitsdauer des Zertifikats angepasst werden.»

Bevor nicht klar ist, wer wann eine Booster-Impfung erhalten soll, würde Garzoni an der Dauer der Gültigkeit des Zertifikats allerdings noch nichts verändern: «Das BAG sollte nun die neusten Daten studieren, etwa aus Israel, und dann aufgrund der Daten seine Strategie bezüglich Drittimpfung und Gültigkeitsdauer des Zertifikats falls nötig anpassen und frühzeitig der Bevölkerung ankündigen.»

Basler Kantonsarzt sieht keinen Handlungsbedarf

Für den Basler Kantonsarzt Thomas Steffen ist eine Anpassung der Gültigkeitsdauer des Zertifikats derzeit hingegen nicht angezeigt: «Aktuell sehen wir selten erneute Ansteckungen bei oder durch Genesene in den ersten sechs Monaten nach Erkrankung. Dies passt zur aktuellen Zertifikatsdauer von sechs Monaten.» Der Genesene sei aber zweifellos besser geschützt durch die frühere Impfung entsprechend den angepassten Impfempfehlungen des BAG.

Aus epidemiologischer Sicht kommt laut Steffen hinzu, dass der Geimpfte vor allem auch für allfällige neue Varianten besser geschützt sein dürfte und damit im Falle einer Ansteckung auch weniger ansteckend wäre. «Hier hilft die frühe Impfung bevölkerungsbezogen, einen Schutz gegen die Ausbreitung von neuen Varianten aufzubauen», sagt Steffen. Eine Verkürzung der Zertifikatsdauer bei Genesenen könnte demnach zum Thema werden, wenn eine neue Variante bei den Genesenen tatsächlich eine deutliche, frühe Ausbreitung zeigte.

«Green Pass» in Israel wohl bald nur noch ein halbes Jahr gültig

Israel ist mit den Überlegungen zur Dauer des Green Pass, vergleichbar mit dem Schweizer Covid-Zertifikat, schon weiter: So soll der Green Pass bald nur noch sechs Monate gültig sein, danach bräuchte es eine dritte Impfung. Das erklärte Gesundheitsminister Nitzan Horowitz im israelischen TV, da der Impfschutz nach fünf bis sechs Monaten zusammenbreche.

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