Parteien sind skeptisch – CPH-Gruppe will in Perlen Gaskraftwerk bauen
Publiziert

Parteien sind skeptischCPH-Gruppe will in Perlen Gaskraftwerk bauen

Der CEO der CPH-Gruppe will auf dem Areal der Papierfabrik in Perlen LU ein Gaskraftwerk bauen.

von
Gianni Walther
1 / 6
«Wir haben sehr grosses Interesse, eines der Gaskraftwerke zu bauen, welche der Bundesrat vorschlägt», sagt CPH-CEO Peter Schildknecht gegenüber der «Sonntagszeitung». 

«Wir haben sehr grosses Interesse, eines der Gaskraftwerke zu bauen, welche der Bundesrat vorschlägt», sagt CPH-CEO Peter Schildknecht gegenüber der «Sonntagszeitung». 

CPH
Das Areal der CPH Chemie + Papier Holding AG in Perlen.

Das Areal der CPH Chemie + Papier Holding AG in Perlen.

CPH
Am Standort in Perlen LU (Bild) will die CPH-Gruppe ein Gaskraftwerk realisieren.

Am Standort in Perlen LU (Bild) will die CPH-Gruppe ein Gaskraftwerk realisieren.

CPH

Darum gehts

Mit Gaskraftwerken und Wasserkraft will der Bundesrat drohende Stromlücken schliessen. Ein erstes Gaskraftwerk könnte bereits 2026 ans Netz gehen. Als erster Investor bringt sich die CPH-Gruppe ins Spiel: «Wir haben sehr grosses Interesse, eines der Gaskraftwerke zu bauen, welche der Bundesrat vorschlägt», sagt CEO Peter Schildknecht zur «Sonntagszeitung» (Bezahlartikel). Entstehen soll es auf dem Areal der Papierfabrik in Perlen. «Die Voraussetzungen auf dem Industriegelände sind ideal, da bereits Anschlüsse ans Gas- und Stromnetz bestehen. Die Papierproduktion ist energieintensiv und auf sichere Stromlieferungen angewiesen. Das Gaskraftwerk würde auch unsere Versorgungssicherheit gewährleisten», Christian Weber, CPH-Sprecher auf Anfrage.

Ein konkretes Projekt existiert noch nicht. «Wir sind aber überzeugt, dass in Perlen im Vergleich zu anderen Standorten relativ schnell ein Gaskraftwerk realisiert werden könnte.» Das Areal liegt in einer Industriezone, wodurch ein Bauverfahren schneller vorankommen könne. «Es muss aber sicher mit mehreren Jahren Realisationszeit gerechnet werden.»

Parteien haben Fragezeichen

«Ich will mich keiner Technologie gegenüber verschliessen. Ich bin jedoch sehr kritisch, wenn es um Quellen wie Öl oder Gas geht, die nicht nachhaltig sind», sagt Ursula Berset, Kantonsrätin und Co-Präsidentin der GLP Rontal. Sie favorisiert nachhaltige Energiequellen, wie dies etwa bei der durch die Kehrichtverbrennungsanlage in Perlen erzeugte Fernwärme der Fall sei. «Im Bereich der Fotovoltaik stehen wir zudem erst am Anfang.» Zuerst müsse dieses Potenzial ausgeschöpft werden, bevor man auf Gas zurückgreift.

Walter Graf, Präsident der Mitte Buchrain-Perlen, sagt: «Wenn es wegen der Stromversorgung nötig wird, brauchen wir eine Lösung.» Ob Perlen ein optimaler Standort ist, sei derzeit noch schwierig zu beurteilen. «Öl und Gas sind nicht die Lösungen, die wir anstreben. Wenn es aber keine Alternativen gibt, dann muss man dies prüfen.»

Gemeinderat ist genaue Prüfung wichtig

«Es ist klar, dass bezüglich Energie etwas gehen muss», sagt Roger Michel, Präsident der SVP-Ortspartei. Der Standort ist für ihn aber fraglich: «In diesem Gebiet gibt es täglich einen Verkehrskollaps.» Die Standortfrage komme verfrüht, denn Priorität habe die Lösung der Verkehrsprobleme. «Auch wenn ein Gaskraftwerk im Betrieb wohl nicht sehr viel Mehrverkehr generieren würde, ist auch fraglich, wie viel Bautätigkeit generell das Gebiet vertragen kann.»

Bei der SP klingt es ähnlich: «Eine grosse Sorge für uns ist der Mehrverkehr, der durch den Bau entstehen würde», sagt Klara Vogel, Präsidentin der SP Buchrain-Perlen. «Wenn Gaskraftwerke rasch realisiert werden sollen, dann würde die Bauphase bereits in naher Zukunft stattfinden.» Bis dann gebe es aber noch keine Lösung für die Verkehrsprobleme im Gebiet. Wichtig sei auch die Umweltverträglichkeitsprüfung, Fragezeichen hat die Präsidentin etwa bezüglich des CO2-Ausstosses. Und generell sagt sie: «Wir müssen auch Strom sparen, auch dort müssen wir innovativ sein.»

«Bei dieser Idee müssen alle Vor- und Nachteile genau geprüft werden», sagt der Buchrainer Gemeindepräsident Ivo Egger (SP). Im Gemeinderat müsse zuerst eine abschliessende Meinung gebildet werden zu Perlen als möglichem Standort. Egger verweist darauf, dass im Gebiet bereits verkehrsintensive Unternehmen angesiedelt sind. Dies erzeuge schon Emissionen und immer wieder komme es auch zu Verkehrsüberlastungen beim nahen Autobahnanschluss in Buchrain. Fraglich sei auch, wie stark Emissionen eines Gaskraftwerks das Gebiet belasten. Auch dies gelte es genau zu prüfen. «Der Bogen darf nicht überspannt werden.»

My 20 Minuten

Deine Meinung

14 Kommentare