Aktualisiert 11.06.2011 07:13

Lady Jo-Jo

Crash-Diäten sind gaga – und gefährlich

Lady Gaga ist das prominenteste Beispiel für den Jo-Jo-Effekt. Ein Mediziner warnt vor den Crash-Diäten des Popstars. Diese könnten im schlimmsten Fall tödlich enden.

von
Runa Reinecke

Sie hatte am Donnerstag bei «Germany's next Topmodel» ihren grossen Auftritt und stahl Heidi Klum nebst ihrer Modelfinalistinnen die Show: Lady Gaga. Die Stil-Ikone macht längst nicht mehr nur durch ihre eigenwillig geschneiderten Roben sowie etwas zu gradlinig gestrickten Dance-Pop von sich reden. Der gefragteste aller Popstars vermag sogar den Mond in puncto Ab- beziehungsweise Zunahme zu toppen: Gerade erst besorgniserregend um mehrere Konfektionsgrössen geschrumpft, präsentierte sich Frau Gaga der deutschsprachigen Fernsehwelt jüngst wieder überraschend kurvig.

Endlich sieht sie wieder gesund aus, dürfte sich so mancher Fernsehzuschauer gedacht haben. Doch dass die neu gewonnene, wohlproportionierte Weiblichkeit von Dauer ist, muss leider bezweifelt werden: Die New Yorkerin neigt zu starken Gewichtsschwankungen. Bereits wenige Monate nach ihrem Durchbruch im Jahr 2008 unterzog sich die Sängerin einem strengen Diätdiktat. Das erschreckende Ausmass ihrer Hungerkuren zeigte sich zum ersten Mal im Video zu ihrem Hit «Telephone»: Im knappen Lederbikini-Höschen über dem knochigen Popo schwang die Gaga ihre dürren Gliedmassen, erlag aber nur ein halbes Jahr später wieder dem Jo-Jo-Effekt: «Lady Schwabbel» titelte das deutsche Boulevard-Blatt Bild despektierlich, nachdem der Popstar infolge üppig genossener Gaumenfreuden während ihrer Ferien in Griechenland mit ein paar wenigen zusätzlichen Kilos auf die Bühnen der Welt zurückkehrte.

Exitus durch Crash-Diät

Für ihre Figur ist die 25-Jährige offenbar bereit, einen hohen Preis zu zahlen: Ihr Ex-Tourmanager David Ciemny behauptet laut Gala.de, dass die Musikerin allein 2009 sechs Mal wegen diätbedingter Zusammenbrüche ins Spital eingeliefert werden musste. Während ihrer Hungerkuren, bei denen sie während weniger Wochen bis zu zehn Kilo abnehme, um in ein Kostüm zu passen, ernähre sie sich angeblich höchstens von einem Glas Babybrei am Tag oder esse tagelang überhaupt nichts.

Für Fritz Horber, Chefarzt der Abteilung für Übergewichtsmedizin an der Lindberg-Klinik in Winterthur, ein Spiel mit dem Feuer. Crash-Diäten sind ihm zufolge nicht nur gesundheitsschädlich – sie sind im schlimmsten Fall sogar tödlich: «Solche Diäten können zu einem Herzstillstand führen, da es zu Problemen mit der Elektrolyt-Versorgung kommt.» Der Stoffwechsel laufe auf Sparflamme, wenn man über mehrere Tage oder sogar Wochen nichts esse. Sobald man dann wieder etwas zu sich nehme, überfordere man den Organismus und es bestehe die Gefahr eines Herzflimmerns. Das führe gemäss Horber «nach drei Minuten zum Tod». Ohnehin seien Herz-Kreislauf-Pobleme eine typische Folge von Crash-Diäten.

«Diäten machen dick»

Neben den schädlichen bis lebensbedrohlichen Auswirkungen des Nahrungsentzugs, hinterlassen solche Diäten auch äusserlich Spuren: «Diäten machen dick», warnt Horber. Während seiner Karriere als Mediziner habe er «an die 5000 Menschen gesehen, die durch solche Diäten auf lange Sicht 20 Kilogramm oder mehr» zugenommen hätten.

Ohne Nahrung wird die Stoffwechseltätigkeit des Körpers stark reduziert. Isst man dann wieder normal, kann der Energieüberschuss nicht mehr verwertet werden. «Das Wechselspiel von Kalorienreduktion und Kalorienüberschuss führt langfristig zu einer Veränderung des Stoffwechsels. Man verbrennt schlechter, als vor den Crash-Diäten», erklärt der Experte und fügt an, dass sich dieser Zustand – wenn überhaupt – nur durch eine «langfristige Ernährungsumstellung» ein wenig verbessern lasse. Er rät deshalb, auf Süssgetränke zu verzichten, zu einer Reduktion der Kohlenhydrate sowie «mindestens 11 000 Schritte pro Tag oder 200 Minuten Sport pro Woche».

Stress hemmt Fettverbrennung

Ein rapider Gewichtsverlust – wie ihn uns Lady Gaga immer wieder vormacht – geht auch an der Haut nicht spurlos vorüber. Während das Abnehmen von bis zu vier Kilo aus medizinischer Sicht unproblematisch ist, verliert die Haut während einer Crash-Kur mit starker Gewichtsreduktion an Elastizität, wird schrumpelig. «Deshalb ist es wichtig, die Haut regelmässig mit einer fetthaltigen Creme gut zu pflegen», meint der Mediziner und weist auf weitere unschöne Nebeneffekte wie Cellulite und Schwangerschaftsstreifen hin.

Fazit: Crash-Kuren sind gaga – und dazu verdammt anstrengend: «Wer sich beim Abnehmen unter Druck setzt, gerät unter Stress und das kurbelt die Cortison-Ausschüttung an. Das wiederum hemmt die Fettverbrennung», weiss Fritz Horber. Für Jo-Jo-Geplagte wie Lady Gaga hat der Spezialist deshalb einen ganz heissen Tipp: locker bleiben!

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