Unfall-Prävention: Crashrecorder reduzieren Raserei
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Unfall-PräventionCrashrecorder reduzieren Raserei

Junglenker mit einem Crashrecorder bauen laut der Untersuchung einer Versicherung weniger Unfälle.

Die AXA Winterthur registriert 15 Prozent weniger Schadenfälle bei jenen Versicherten, die sich ein solches Gerät in ihr Auto einbauen liessen. Die AXA Winterthur ist die einzige Motorfahrzeugversicherung in der Schweiz, die Crashrecorder anbietet. 18- bis 25-Jährige können ihr Auto mit einem solchen ausrüsten und erhalten dafür 15 Prozent Rabatt auf der Versicherungsprämie.

Das Modell ist ein Erfolg: Innerhalb von knapp zwei Jahren liessen sich 13 000 Junglenkerinnen und Junglenker einen Crashrecorder einbauen, wie Unternehmenssprecher Pascal Hollenstein einen Bericht der «SonntagsZeitung» bestätigte.

Dass diese deutlich weniger Unfälle verursachen, dürfte zwei verschiedene Gründe haben: Sicher entschieden sich eher Leute für den Recorder, die ohnehin vorsichtiger fahren und ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein haben, sagte Hollenstein.

Vorsicht fährt mit

«Wir sind aber überzeugt, dass der Crashrecorder auch einen präventiven Effekt hat.» Dies habe schon die Auswertung des Pilotprojekts ergeben und zeige sich auch jetzt wieder in Kundengesprächen. «Wer sich bewusst ist, dass er ein solches Gerät im Auto hat, fährt vorsichtiger. Das hören wir immer wieder», sagte der Sprecher.

Der von der AXA Winterthur selbst entwickelte Crashrecorder registriert nicht ständig, sondern zeichnet nur bei einem Unfall Daten auf. 20 Sekunden vor und 10 Sekunden nach einem Aufprall wird die Beschleunigung in zwei Richtungen gespeichert. Aus diesen Daten lässt sich etwa ableiten, ob das Auto beim Unfall überhaupt in Fahrt war, ob es schleuderte und welche Geschwindigkeit es ungefähr hatte.

Vorbehalte beim Bund

Ein Obligatorium für Crashrecorder ist derzeit aber weder für die AXA Winterthur noch für den Bund ein Thema. Beim Bundesamt für Strassen (ASTRA) hat man sogar gewisse Vorbehalte gegen die Erfolgsmeldung der Versicherung. «Eine repräsentative Untersuchung in Deutschland hat ergeben, dass der Crashrecorder keinerlei präventive Wirkung hat», sagte ASTRA-Sprecher Thomas Rohrbach auf Anfrage.

Die flächendeckende Einführung sei im Rahmen des Verkehrssicherheits-Projekts Via sicura zwar diskutiert worden. «Aufwand und Ertrag stehen aber in keinem Verhältnis». Selbst wenn ein Gerät nur 200 Franken kosten würde, fielen bei 4,5 Millionen zugelassenen Fahrzeugen Kosten von 900 Millionen Franken an. «Mit diesem Geld lassen sich viele Kreuzungen und Ausserortsstrecken sicherer machen», sagte Rohrbach.

Hingegen schlage Via sicura einen gezielten Einsatz von Datenaufzeichnungsgeräten vor: Wiederholungstäter sollen den Ausweis nur mit der Auflage wieder erhalten, dass sie ihr Auto mit einer Black-Box ausrüsten. «Technisch ist es möglich, dass die Polizei zeitgleich über eine Verletzung der Strassenverkehrsregeln informiert wird», sagte Rohrbach. (sda)

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