Neuer Chief Risk Officer - Credit Suisse entlässt nach Archegos-Debakel 9 Banker im Risk Management
Aktualisiert

Neuer Chief Risk Officer Credit Suisse entlässt nach Archegos-Debakel 9 Banker im Risk Management

Die Credit Suisse hat Konsequenzen aus der Archegos-Affäre gezogen: Die Bank sanktionierte 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – neun davon mussten gehen.

von
Marcel Urech
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Die Bank hat 23 Personen sanktioniert und neun davon entlassen.

Die Bank hat 23 Personen sanktioniert und neun davon entlassen.

Reuters
Credit Suisse hat nach Problemen mit dem US-Hedgefonds Archegos seine Vergütungen angepasst. Das Unternehmen will so rund 70 Millionen US-Dollar sparen.

Credit Suisse hat nach Problemen mit dem US-Hedgefonds Archegos seine Vergütungen angepasst. Das Unternehmen will so rund 70 Millionen US-Dollar sparen.

20min/Taddeo Cerletti
«Die Bank hat bereits eine Reihe entschiedener Massnahmen getroffen, um das Risikorahmenwerk zu stärken», sagt António Horta-Osório, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse.

«Die Bank hat bereits eine Reihe entschiedener Massnahmen getroffen, um das Risikorahmenwerk zu stärken», sagt António Horta-Osório, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse.

Reuters

Darum gehts

  • Credit Suisse hat sein Risk Management überarbeitet und neun Menschen entlassen.

  • Von den Massnahmen sind insgesamt 23 Personen bei der CS betroffen.

  • Das Personal im Risk-Bereich habe aber nicht böswillig gehandelt, betont die Bank.

Die Credit Suisse (CS) sorgte Ende März für ein Beben in der Finanzwelt: Weil der US-Hedgefonds «Archegos Capital Management» Zahlungsausfälle verzeichnete, musste die Bank einen Milliarden-Abschreiber tätigen. Dies nur wenige Monate nach dem Greensill-Deal, der die CS ebenfalls Milliarden kostete. Nun hat die Bank einen Bericht über die Untersuchung zu Archegos veröffentlicht. Diesen hatte der Verwaltungsrat in Auftrag gegeben. Die Anwaltskanzlei «Paul, Weiss, Rifkind, Wharton & Garrison LLP» führte die Analyse durch.

Die Bank hat nun Massnahmen ergriffen, von denen 23 Personen betroffen sind. Bei neun beendete sie das Arbeitsverhältnis. CS passte zudem die Vergütungen an, um rund 70 Millionen US-Dollar zu sparen. Neu sei ein Malus von bis zu 100 Prozent möglich, teilt Credit Suisse mit.

Unabhängig vom Archegos-Debakel wird die CS bald einen neuen Chief Risk Officer einstellen. David Wildermuth, der die Stelle Anfang 2022 antreten wird, war zuletzt bei Goldman Sachs tätig. Bis dahin werde Joachim Oechslin am Steuer bleiben, den die CS bereits im April zum CRO ad interim ernannte, um Lara Warner zu ersetzen.

CS senkt Risikobereitschaft

Auslöser dafür war der Kollaps des US-Hedge-Fonds Archegos am 25. März. Es habe Versäumnisse im Prime-Services-Geschäft des Investment-Arms der CS gegeben, räumt Credit Suisse nun ein. Vor allem bei der Einschätzung von Risiken. Die Kontrolle hinsichtlich Limitenüberschreitungen sei unzureichend gewesen, die Priorisierung von Risikominderungs- und Verbesserungsmassnahmen nicht angemessen. Das CS-Personal aus den Geschäfts- und Risk-Bereichen habe sich jedoch nicht betrügerisch, rechtswidrig oder böswillig verhalten.

«Die Bank hat bereits eine Reihe entschiedener Massnahmen getroffen, um das Risikorahmenwerk zu stärken», sagt António Horta-Osório, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse. «Wir sind entschlossen, die richtigen Lehren zu ziehen und unsere Kontrollfunktionen auszubauen.» Im Investment Banking habe es mehrere Führungswechsel gegeben und man werde weitere neue Risikomanager einstellen, so die Bank.

So verlor Credit Suisse die Kontrolle über ihre Investitionen

Hedgefonds-Debakel

Credit Suisse (CS) ist gleich bei zwei taumelnden Hedgefonds involviert: Die Firma Greensill Capital nahm zu viele Risiken auf sich und geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Die Bank hatte rund zehn Milliarden Franken an Kundenvermögen bei Greensill investiert – offenbar ohne von den enormen Risiken zu wissen – und zog das Geld plötzlich zurück. Greensill musste daraufhin Insolvenz anmelden. Fast gleichzeitig brach auch der Hedgefonds Archegos Capital zusammen. Dieser verspekulierte sich mit Kurswetten auf Aktientitel, nachdem ihm die CS und andere Banken hohe Kreditlinien gewährten. Die beiden Fälle zeigen laut Branchenkennern, dass die CS in Geschäfte investiert, die für ihr Management zu komplex sind.

Man habe in den letzten Monaten alle Risikopositionen überprüft und die Kontrollen hinsichtlich Limitenüberschreitungen verschärft. Die Risiko-Governance-Gremien seien nun stärker, die Risikobereitschaft im Unternehmen kleiner. Wer eine wesentliche Transaktion durchführen wolle, müsse jetzt höhere Anforderungen erfüllen. Die Bank habe zudem ihre Hedge Fonds auf eine dynamische Margenhinterlegung umgestellt. Zusätzlich plane man eine Überprüfung von Rollen mit Doppelfunktionen.

Die Zahlen für das zweite Quartal 2021 gab Credit Suisse bereits bekannt. Nach einem schwierigen ersten Quartal schreibt die Bank wieder schwarze Zahlen und vermeldet einen Gewinn von 253 Millionen Franken.

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