Aktualisiert 06.07.2016 13:59

KurssturzCredit Suisse ist noch so viel wert wie 60 Boeing 777

Der Fall auf ein Allzeittief: Die Credit Suisse rutscht an der Börse erstmals unter 10 Franken. Das trifft auch die Pensionskassen der Migros oder des Kantons Zürich.

von
I. Strassheim
1 / 12
Der Börsenwert der Credit Suisse fiel am Mittwoch auf rund 20 Milliarden Franken. Dafür gibt es 62 Boeing 777-300ER...

Der Börsenwert der Credit Suisse fiel am Mittwoch auf rund 20 Milliarden Franken. Dafür gibt es 62 Boeing 777-300ER...

Keystone/Nick Soland
...oder 1272.400 Porsche 911 Carrera...

...oder 1272.400 Porsche 911 Carrera...

....zu diesem Preis sind aber auch 20 Luxus-Kreuzfahrtschiffe "Queen Mary 2" zu haben...

....zu diesem Preis sind aber auch 20 Luxus-Kreuzfahrtschiffe "Queen Mary 2" zu haben...

Daniel Bockwoldt

Die Grossbank wird an der Börse kleingehandelt: Am Mittwoch ist die Aktie der Credit Suisse auf ein Allzeittief von 9.77 Franken gesunken. Die psychologisch wichtige Marke von 10 Franken und damit ein zweistelliger Aktienwert wurde erstmals unterschritten. Und zwar deutlich. Da die Aktie der Credit Suisse Bestandteil des Schweizer Leitindexes SMI ist, gehört sie zu den Standardwerten für Anleger und Fonds. Sie alle trifft nun der Kursverlust.

Der Marktwert der Credit Suisse beträgt damit noch rund 20 Milliarden Franken. Das entspricht noch dem Wert von rund 60 Passagierflugzeugen Boeing 777. Oder von rund 172'000 Sportwagen Porsche 911 Carrera. Seit vergangenem Sommer hat die Aktie rund 65 Prozent verloren. Im August 2015 war sie noch über 26 Franken wert.

Buchverluste bei den Grossaktionären

Das Börsendesaster spüren die Grossaktionäre mit Wucht: Die US-Investmentgesellschaft Harris Associates hat Anfang dieses Jahres ihren Anteil an der Credit Suisse auf 8,5 Prozent ausgebaut und muss nun die Kursverluste hinnehmen, ebenso der Staatsfonds von Katar mit seinen rund fünf Prozent der CS-Aktien. Der norwegische Staatsfonds hält knapp fünf Prozent wie auch Saudiarabien. In der Schweiz haben auch die UBS, die Migros-Pensionskasse und die BVK des Kantons Zürich in CS-Aktien investiert.

In der Öffentlichkeit wächst die Kritik an Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam sowie an Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Und die Spekulationen über einen möglichen Verkauf der zweitgrössten Schweizer Bank keimen auf. Je tiefer der Kurs an der Börse fällt, desto günstiger wird eine Übernahme.

Was einem Verkauf im Weg steht

«Ein Verkauf dürfte schwierig sein, denn für kleine Banken ist eine Übernahme für 20 Milliarden Franken immer noch zu gross», sagt Vontobel-Analyst Andreas Venditti zu 20 Minuten.

Für andere Grossbanken wiederum sei eine Übernahme nicht sinnvoll: «Denn dann werden die Auflagen der ‹Too big to fail›-Regeln zu hoch.»

«Das Grundproblem der CS ist, dass sie zu lange an einer zu grossen Investmentbank festgehalten hat», sagt Venditti. Die Entscheidung zum Abbau fällte Thiam im vergangenen Oktober und muss sie nun unter schwierigen äusseren Bedingungen umsetzen.

Warum die Banken generell leiden

Die Banken leiden allgemein unter den niedrigen Zinsen. Der Negativzins dürfte nach dem Brexit-Entscheid der Briten in der Eurozone und in der Schweiz noch länger anhalten und noch tiefer sinken. Die Gewinnmargen im Kreditgeschäft der Banken stehen deshalb unter Druck wie nie.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.