Aktualisiert 02.11.2012 09:54

US-WahlkampfCredit Suisse setzt auf Mitt Romney

Offiziell halten sich die Schweizer Banken im US-Wahlkampf bedeckt. Doch CS-Manager zählen zu den grössten Wahlspendern von Mitt Romney. Die UBS hat sich von ihrem «Obama»-Banker getrennt.

von
L. Hässig
Die CS-Manager zählen zu den eifrigsten und grosszügigsten Supportern des Repubikaners Mitt Romney.

Die CS-Manager zählen zu den eifrigsten und grosszügigsten Supportern des Repubikaners Mitt Romney.

Das Thema US-Wahlkampf sei «viel zu sensibel» für einen Kommentar, meint ein Sprecher der Grossbank Credit Suisse in der aktuellsten Ausgabe der «Handelszeitung». Die UBS sagte nicht einmal das. Doch hinter den Kulissen sind beide helvetischen Finanzmultis wichtige Player im Wahlkampf. Klar ist: Beide zeigen Sympathien für Republikaner-Kandidat Mitt Romney.

Offensichtlich ist die Romney-Sympathie bei der CS. Ihre US-Manager zählen zu den eifrigsten und grosszügigsten Romney-Supportern in ganz Amerika. OpenSecrets.org, eine amerikanische US-Polit-Webseite, listet die CS respektive ihre Angestellten als fünftgrösste Sponsorin von Mitt Romney im laufenden Wahlkampf auf. Für den Republikaner haben die CS-Manager bisher 619 000 Dollar aufgeworfen.

CS als Top-5-Spenderin

Am meisten Romney-«Fans» hat die Wallstreet-Bank Goldman Sachs; deren Leute spendeten insgesamt 994 000 Dollar. Auf den Plätzen zwei bis vier folgen die weiteren grossen US-Geldhäuser Bank of America, Morgan Stanley und JP Morgan.

Für US-Bürger gehört es seit der Eroberung des Kontinents zum guten Ton, dem eigenen Kandidaten finanziell unter die Arme zu greifen. Bei den Top-5-Spendern Romneys fällt auf, dass es sich ausschliesslich um US-Banken handelt. Dass es die CS auf die Liste geschafft hat, zeigt, dass die Schweizer Bank nach wie vor eine grosse Nummer im angelsächsischen Investmentbanking ist.

Professoren wählen Demokraten

Sind es bei Romney die Manager der einflussreichen Geldhäuser, die sich ins Zeug legen, erhält Demokraten-Kandidat Barack Obama das nötige Geld von staatlichen Institutionen oder solchen, die anderweitig zum Wohl der Bürger beisteuern sollten.

Mitarbeiter der University of California unterstützen den amtierenden Präsidenten mit über einer Million Dollar. Es ist die grösste Summe. Auf Platz vier und fünf folgen die Angestellten der US-Regierung sowie der Harvard-Universität mit je knapp über 600 000 Dollar. Interessant sind die Plätze zwei und drei von Obamas Top-5-Supportern. Es handelt sich ums Personal der beiden Silicon-Valley-Giganten Microsoft und Google. Deren jeweilige Schecks für Obama summieren sich auf über 700 000 Dollar.

Die Spenden der Angestellten der wertvollsten Tech-Firma Apple schaffen es nicht ins Spitzen-Quintett. Das könnte darauf hindeuten, dass Apple weniger von Regierungsaufträgen profitiert als ihre beiden Konkurrenten Google und Microsoft.

Obamas Finanzregulierung sorgt für verschlossene Banktresore

Dass ausschliesslich wichtige Wallstreet-Häuser unter den grössten Romney-Spendern zu finden sind, dürfte seinen Grund in der Regulierung der Finanzbranche haben. Die Administration Obama und Obamas Parteikollegen im US-Parlament drückten in den letzten vier Jahren aufs Tempo bei der Verschärfung von Vorschriften für die Geldhäuser.

Ein scharfer Kritiker der Grossbanken ist der frühere US-Notenbankgouverneur Paul Volcker, der einst den Bancomaten als einzige sinnvolle Innovation der Finanzbranche der letzten Jahrzehnte bezeichnet hatte. Volcker wurde unter Obama zum Vater eines Gesetzes zur Limitierung riskanter Eigenhandelsgeschäfte. Diese hatten das Finanzsystem 2008 an den Rand des Absturzes geführt.

UBS trennte sich von bestvernetztem Obama-Banker

Mit Volcker bestens vertraut ist Robert Wolf. Auch sonst gilt Wolf als der wohl bestvernetzte Demokraten-Banker. Wolf sass die letzten Jahre in Obamas «Economic Recovery Advisory Board», das von Paul Volcker präsidiert worden war.

Wolf war lange ein Spitzenmann der UBS. Er leitete eine Zeitlang das ganze US-Geschäft der Grossbank und zog für die Schweizer grosse Deals für das Investmentbanking an Land. Im Sommer war Schluss. Ein Machtgerangel mit dem neuen starken US-Mann der UBS, Bob McCann, führte zum Ausscheiden des langjährigen UBS-Cracks.

Mit der Trennung von Wolf könnten für die UBS auch die starken Seile zu Obamas Demokraten gekappt sein. Damit würde die Grossbank in den Schoss der Republikaner zurückkehren, wo sie früher stets ihre Heimat gesehen hatte.

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