Credit Suisse soll Ai Weiwei wegen Interview mit 20 Minuten rausgeworfen haben
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Schweiz-kritischCS soll Ai Weiwei wegen Interview mit 20 Minuten rausgeworfen haben

Die Schweizer Grossbank will das Bankkonto des chinesischen Künstlers Ai Weiwei schliessen. Grund dafür sei ein Schweiz-kritisches Interview.

von
Barbara Scherer
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Der chinesische Künstler Ai Weiwei verliert sein Konto bei der Credit Suisse.

Der chinesische Künstler Ai Weiwei verliert sein Konto bei der Credit Suisse.

Screenshot Zoom
Die Grossbank schliesse alle Konten von Personen, die einen Strafregistereintrag haben.

Die Grossbank schliesse alle Konten von Personen, die einen Strafregistereintrag haben.

20min/Taddeo Cerletti
Ai Weiwei gehört dazu: Er musste 2011 für 81 Tage ins Gefängnis in China.

Ai Weiwei gehört dazu: Er musste 2011 für 81 Tage ins Gefängnis in China.

REUTERS

Darum gehts

  • Der chinesische Künslter Ai Weiwei soll sein Konto bei der Credit Suisse verlieren.

  • Grund dafür sei ein Schweiz-kritisches Interview mit «20 Minuten».

  • Die Bank nimmt keine Stellung zum Vorfall.

Die Credit Suisse will das Bankkonto für die Stiftung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei in der Schweiz schliessen. Das habe die Grossbank dem Künstler im Frühling mitgeteilt, wie Ai Weiwei auf der Website Artnet schreibt.

Als Grund dafür habe die Bank sein Schweiz-kritisches Interview mit 20 Minuten genannt, so Ai Weiwei. Darin bezeichnete er die Schweiz als «den scheinheiligsten Staat der Welt» und die Banken als Handlanger Chinas. Das Land gebe sich neutral und profitiere gleichzeitig von den Verbrechen anderer, so sein Vorwurf.

«Dieses Interview hat Auswirkungen auf das gesamte gesellschaftliche Spektrum der Schweiz», schreibt Ai Weiwei weiter. Denn er habe das Schweizer Volk dafür kritisiert, dass es immer mehr einwanderungsfeindlich abstimme.

Geschlossen werden soll das Konto für Ai Weiweis 2016 gegründete Stiftung für freie Meinungsäusserung und Kunst. Im Juni habe ihm die Grossbank mitgeteilt, dass dieses Konto «so bald wie möglich» geschlossen werde, heisst es weiter.

Die Credit Suisse schliesse alle Konten von Personen, die einen Strafregistereintrag haben. Ai Weiwei gehört dazu: Er musste 2011 für 81 Tage ins Gefängnis in China. Allerdings sei er nie formell angeklagt gewesen, wie Ai Weiwei schreibt. Heute lebt der Künstler im Exil in Portugal (siehe Box unten).

Wer ist Ai Weiwei?

Ai Weiwei (63) ist ein chinesischer Konzeptkünstler, Bildhauer und Kurator. Wegen seiner regierungskritischen Äusserungen wurde er 2011 in China inhaftiert, bis 2015 durfte er das Land nicht verlassen. Seither lebt er im Exil, derzeit in Portugal. In Lissabon ist derzeit seine bislang grösste Ausstellung, “Rapture” (Verzückung) zu sehen.

Die Credit Suisse nimmt keine Stellung zum Vorfall: «Die Credit Suisse äussert sich nicht zu möglichen oder bestehenden Kundenbeziehungen», sagt ein Mediensprecher zu 20 Minuten. Ob das Konto des Künstlers inzwischen geschlossen ist, bleibt darum unklar.

Für viele westliche Grossbanken, darunter auch die Credit Suisse, hat die Rekrutierung von sehr reichen Kunden und Kundinnen aus China hohe Priorität, wie der «Tagesanzeiger» schreibt. Gleichzeitig wollen die Banken ein gutes Verhältnis zur chinesischen Regierung haben. Das kann zu Problemen führen.

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